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02.12.1977 - 

DV-Ausbildung im Wandel:

Schlechte Zeiten für private Institutionen

TÜBINGEN - Obwohl EDV-Leiter derzeit behaupten, der EDV-Stellenmarkt sei leergefegt, qualifizierte Leute nicht zu finden, kann keineswegs mehr von einem Andrang Ausbildungs- und Schulungswilliger zu den noch existierenden DV-Ausbildungsstätten gesprochen werden. Der Bereich EDV-Ausbildung hat sich beruhigt, die Goldgräberzeiten einiger Institute, die oft mit wenig qualifizierten Lehrpersonal Kurse jeglicher Art durchgeführt haben, gehören ebenfalls der Vegangenheit an. Die eingetretene Beruhigung ist - so schmerzlich sie für manchen, der durch EDV-Ausbildung ein angenehmes Zubrot verdienen konnte, auch sein mag - für die EDV-Branche überfällig und spricht nur für eine Normalisierung, die in anderen Gebieten als selbstverständlich betrachtet wird.

Parallel zu diesem Beruhigungsprozeß zogen die wegen ihrer vermeintlichen Schwerfälligkeit oft geschmähten staatlichen Institutionen - hier speziell die Kultusverwaltungen - nach und integrierten eine EDV-Grundausbildung in den schulischen Bereich.

Gliedert man die heute vorherrschenden Ausbildungsaktivitäten im DV-Bereich auf, so lassen sich im wesentlichen drei große Bereiche abgrenzen. Zunächst existieren nach wie vor die Schulungsmaßnahmen beim Hersteller und bei größeren EDV-Anwendern. Dies ist in sich auch der widersprüchlichste Bereich, aus dessen Perspektive argumentiert wird, man wolle gar nicht ausbilden, da aber die anderen (Staat, private Schulen) nicht wollten oder nicht könnten, müsse man eben nach wie vor die Hauptlast der DV-Ausbildung tragen. Eingeweihte befürchten jedoch, daß gar nicht an eine Reduktion des Ausbildungsangebotes gedacht wird: Zu gut lassen sich Marketing-Überlegungen und Schulung verquicken, zudem sind die heute üblichen Lehrgangsgebühren ja auch nicht gerade als bescheiden zu nennen.

DV-Schulung darf nicht nur Selbstzweck sein

Für den zweiten Bereich, die privaten, herstellerunabhängigen DV-Lehrinstitute, die sich zusätzlich auch staatlicher Konkurrenz erfreuen, bleibt damit nur die Hoffnung auf Reduktion der hersteller- und firmeninternen Schulung. Gerade die privaten Institute - sofern sie noch existieren - haben ja besonders unter dem Herabsetzen der Unterhaltsgelder Fach dem Arbeitsförderungsgesetz und dem Konjunkturrückgang gelitten. Insofern lassen sich im dritten Bereich, bei der staatlich geregelten DV-Ausbildung, nur Zunahmen feststellen. Dies vor allem im Pflichtschulbereich (allgemeinbildende und berufliche Schulen), der noch einen erheblichen Nachholbedarf hat. DV-Schulung kann jedoch nicht nur Selbstzweck sein: Sie muß sich an dem gewünschten Maß "DV-Allgemeinbildung" für den EDV-Laien und an der beruflichen Qualifikation des DV-Fachmanns ausrichten. Die bisherigen Schulungsmaßnahmen hatten die Aus- und Weiterbildung von DV-Fachkräften zum Ziel - in jüngster Zeit ist jedoch ein Umdenken zugunsten eines auch informativ zu vermittelnden DV-Wissens für alle Bevölkerungsschichten erkennbar. Die Anforderungen an die DV-Ausbildung müssen demnach in der Weise differenziert werden, daß zunächst das Ausbildungsziel zu definieren ist. Verfährt man nach der gegebenen Gruppeneinteilung, so müßte an die herstellergebundene Schulung aus heutiger Sicht vor allem die Forderung gestellt werden, daß sie sich kompakt mit herstellerspezifischer Software oder Hardware beschäftigt. Jede zusätzliche Schulungsmaßnahme, wie EDV-Grundlagen-Lehrgänge, verzögert nur den erforderlichen Umstrukturierungsprozeß der DV-Schulung in den staatlichen und privaten Bereich.

Private Institutionen sind in Gefahr

Vor allem die privaten Institutionen geraten zunehmend in Gefahr, zwischen Herstellerschulung und staatlichen Institutionen zerrieben zu werden. Die im staatlichen Bereich anlaufenden Ausbildungsmaßnahmen sehen DV-Bildungsangebote vom Berufsschüler bis hin zum Abiturienten vor. So wird der künftig im vermehrten Maße auftretende DV-Sachbearbeiter seine DV-Bildung im beruflichen Schulwesen erhalten, der qualifiziertere Organisationsprogrammierer, DV-Organisator und Systemanalytiker wird sich dagegen aus Abiturienten mit Spezialausbildung und Hochschulabgängern rekrutieren.

Qualifizierte Dozenten sind erforderlich

Darüber hinaus wird durch die Integration des Faches EDV in alle Schularten ein DV-Grundwissen für alle Schulabgänger vermittelt. Den privaten Institutionen bleibt somit als Zukunftsperspektive die Konzentration auf modular aufgebaute Ausbildungsgänge, die größtenteils berufsbegleitend angeboten werden und Fortbildungswilligen qualifizierte Abschlüsse ermöglichen, sowie Spezialkurse, die vom Veranstalter Flexibilität verlangen. Gerade hier wird es jedoch erforderlich sein, qualifizierte Dozenten zu gewinnen um in der Konkurrenz mit den Schulen der Hersteller zu bestehen.

* Dipl.-Ing. Norbert Krömer ist Dozent an der Fachschule für Datenverarbeitung und Organisation, Böblingen.