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20.11.1992 - 

Falsche Beratung geht an den Geldbeutel der Anwender

Schlechte Zensuren für den AS/400-Vertrieb von Big Blue

FRAMINGHAM/MÜNCHEN (IDG/CW) - Kritik äußern amerikanische AS/400-Anwender am IBM-Vertrieb. Die von den Big-Blue-VBs empfohlenen Systeme seien oft zu klein. Bereits nach kurzer Zeit müßten die Unternehmen für Upgrades in die Tasche greifen - dies komme jedoch teurer, als von vornherein einen großzügiger konfigurierten Rechner zu installieren.

Bei einer Anwenderbefragung der US-Marktforscher Aberdeen Group unter 300 amerikanischen Unternehmen Machten viele ihrem Unmut über die blauen Vertriebsleute Luft, Die Beratung der AS/400-Truppe in bezug auf die richtige Systemgröße sei schlecht. Oftmals würden die VBs zu AS/400-Modellen mit zu geringem Leistungsvermögen raten. Deshalb stoßen die Anwender bereits nach kurzer Zeit an die Kapazitätsgrenzen der Rechner, so die Erfahrungen der IBM-Kunden.

Als Beispiel führt die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" den Brillenhersteller Lenscrafters an, der sich offenbar auf die Empfehlung der Armonker verließ. 1989 riet der IBM-Vertrieb dem in Cincinnati ansässigen Unternehmen zu drei AS/400-B-Modellen. Diese erwiesen sich für Lenscrafters jedoch von Anfang an als unzureichend und zu langsam. Seither wird jedes Jahr aufgerüstet. "Das war schneller nötig, als wir dachten", äußert Programmanalytiker Eric Bergeron.

Lenscrafters ist nicht das einzige Unternehmen, das wegen falscher Einschätzung der erforderlichen Systemleistung seitens des Lieferanten früher als geplant aufrüsten muß, stellen die Bostoner Analysten fest. Fast die Hälfte der 240 Anwender, die die Fragen der Marktforscher beantworteten, erklärten, daß bei ihren AS/400-Systemen innerhalb von zwölf Monaten ein Upgrade fällig wird. 43 Prozent gaben an, während der vergangenen vier Jahre Erweiterungen vorgenommen zu haben. Als Grund für die laufenden Upgrades gaben sie oftmals an, daß die IBM zu kleine Rechner empfohlen habe. Big Blue findet dagegen eine völlig andere Erklärung für die frühzeitigen Systemerweiterungen. Die Kunden arbeiteten permanent daran, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dafür benötigten sie den Armonkern zufolge komplexe Anwendungen, die wiederum ständig höhere Anforderungen an die Rechenleistung stellten.

VBs bieten erst kleinere Systeme an

Auch deutsche AS/400-Anwender bestätigen, daß die VBs am Anfang lieber kleinere Systeme offerieren. "Die wollen ins Geschäft kommen, beispielsweise bei Unternehmen, die bisher Systeme eines anderen Herstellers einsetzen", beobachtet ein AS/400-Fachmann. Unzufrieden sind die deutschen IS-Manager jedoch mit der Politik der IBM in bezug auf den Ausbau der AS/400-Produktpalette. Vor allem in DV-Abteilungen mit hohen Kapazitäten klagt man über die langsame Leistungssteigerung innerhalb der proprietären Midrange-Palette, die in

Tippelschritten erfolge. "Die Armonker bremsen die AS/400 bewußt, um das Mainframe-Geschäft nicht zu gefährden", vermutet ein IT-Profi. Bei den Großsystemen handelt es sich immer noch um die Cash-Cow der IBM.

Einige US-Anwender machen sich ihren Reim auf die Beratungspolitik der Armonker. Die Preise seien so gestaltet, daß die IBM an einem Kunden, der aufrüstet, mehr verdiene, als bei einem, der bereits am Anfang ein stärkeres System erwerbe. Diesen Eindruck bestätigen deutsche IT-Manager jedoch nicht.

Die Kosten seien davon abhängig, ob man gebrauchte oder neue beziehungsweise Third-Party- oder Originalprodukte einsetze. Kostensteigernd wirke sich in bezug auf die Upgrades indes aus, daß man alte Hardware kaum noch an den Mann bringen könne, erläutert ein deutscher AS/400-User.

Positiv beurteilen die amerikanischen IBM-Kunden die CPU-Leistung der AS/400-Systeme sowie die Qualität des Supports. Negativ im Punktekonto schlägt sich jedoch der lokale Service sowie die Unterstützung bei Problemen nieder. Durch die Restrukturierungsmaßnahmen der Armonker sei technisches Know-how verlorengegangen.

"Die Mitarbeiter vor Ort versuchen, ihre Aufgaben so gut wie möglich zu bewältigen, aber die Qualität entspricht nicht mehr der, die noch vor einigen Jahren vorhanden war", bemängelt Rodger Peck, früher Präsident der User-Vereinigung Common.