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02.02.1979

"Schleunigst Strategien entwickeln"

Die Entwicklung der automatisierten Datenverarbeitung ist sowohl hinsichtlich ihrer Nutzung als auch der verwendeten Instrumente noch lange nicht abgeschlossen. Wer die Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnte verfolgen konnte, hat erleben müssen, wie sich diese immer wieder, in neuen Intervallen nach scheinbaren Zwischenberuhigungen vollzogen hat.

Meine These hierzu ist, daß parallel zu den jetzt laufenden Entwicklungen das Problem der Beherrschbarkeit gelöst werden muß. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist zunächst, daß den für die Nutzung automatisierter Datenverarbeitungsverfahren Verantwortlichen bewußt wird, daß dies ein Problem ist. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, daß die Sensibilität der Menschen, neue Notwendigkeiten zu erkennen und dann auch zur Tat zu schreiten, immer davon abhängig war, daß sich ein, wenn auch unbewußtes Unbehagen zur bestehenden Technik oder Situation bemerkbar machte. Indizien hierfür sind neue Dokumentationsverfahren, neue Programmstrukturierungsphilosophien und -methoden, Data Dictionaries etc. Bisherige Versuche, Programmsysteme mit verbalen Strukturierungsmethoden und Organisationen von Dokumentationen in den Griff zu bekommen, können nur die Vorläufer von Verfahren sein, die letztendlich vom Computer selbst wieder übernommen werden müssen, weil wir diesen sicher nur mit Mitteln des Computers selbst beherrschen können.

Datenschutz und Systembeherrschbarkeit

Weiterhin ist auch die Sensibilität gegenüber den negativen Möglichkeiten moderner Informationsverarbeitungs-Techniken, die das Bundesdatenschutzgesetz hervorgebracht hat, ein Teil dieser Unruhe, nämlich die Geister, die wir riefen, nicht mehr beherrschen zu können. Insofern macht es auch Schwierigkeiten, und es wird Stückwerk bleiben müssen, wollte man bestehenden ADV-Systemen einfach Datenschutzreglungen aufpropfen, ohne nicht die Grundlage für eine wirkliche Systembeherrschbarkeit geschaffen zu haben. Bestünde diese, dann wäre es unproblematisch, auch den Datenschutz zu organisieren. Insofern mußte der Innovationsprozeß innerhalb der Datenverarbeitungsverfahrensentwicklung zwangsläufig auf die Probleme des Datenschutzes stoßen.

Der Datenschutz ist aber, nur die eine Seite der Medaille. Während sich in den Organisationen die Unsicherheit entwickelt, ob man entstehende Systeme auf Dauer wirtschaftlich beherrschen kann, so entwickelt sich im Bewußtsein der Öffentlichkeit die Befürchtung, daß große Systeme aus dem Ruder laufen und zu Lasten des einzelnen Individuums funktionieren und wirken können.

Die Frage, ob unsere automatisierten Datenverarbeitungssysteme aus der Beherrschbarkeit herauswachsen, möchte ich wie folgt beantworten: Ich meine, daß diese Gefahr groß ist, wenn wir uns dieses Problems nicht annehmen und wenn wir nicht geeignete Strategien entwickeln, die die Sicherung der Beherrschbarkeit zum Ziel haben.

Ich meine auch, daß Datenschutz zukünftig nicht zu praktizieren ist, wenn nicht für DV-Systeme die Beherrschbarkeit verbessert wird beziehungsweise gesichert bleibt.

Ich meine weiterhin, daß es bereits mittelfristig für die Betreiter großer ADV-Systeme keine Alternative zu konkreten Bemühungen hierfür gibt. Möglicherweise sind Systeme den Betreibern schon entglitten, ohne daß diese es bisher gemerkt haben.

Möglicherweise ist die wirkliche Instabilität von Systemen, von denen das Wohl und Wehe von Wirtschafts- oder Verwaltungseinheiten abhängt, schon eingetreten. Vielleicht wissen wir es nur noch nicht.

Deutlich werden muß, daß es nicht ausreicht, Maßnahmen zur Sicherung der Systemstabilität nur im Rahmen der Hardware zu sehen, so wichtig diese sind. Die größeren Probleme und damit Risiken können in der Software, den Anwendersystemen, liegen. Hier ist eine erhöhte Sicherheit nicht einfach durch eine Verdoppelung (wie bei der Hardware möglich) oder ein Splitting zu erreichen.

Ein Programmsystem, in dem sich betriebliche, wirtschaftliche Prozesse abbilden, ist immer ein Unikat. Die Sicherheit der Beherrschung hängt davon ab, wie transparent wir es machen können, um im Falle von Störungen, notwendigen Änderungen oder Erweiterungen deren Auswirkungen, Ansatzpunkte und Fehler sicher zu erkennen. Daß hierbei Abhängigkeiten von einzelnen Personen vermieden werden müssen, versteht sich von selbst.

Daß eine Systemtransparenz, die zum Beispiel erkennen läßt, welche Daten in welchen Dateien wofür nach welchen Regeln verarbeitet werden, datenschutzlike ist, dürfte einsehbar sein. Eigentlich muß daran jeder Betreiber interessiert sein.

*G. Reusch ist Beauftragter der BP AG, Hamburg,