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Dienstleistungen und Produkte werden getrennt

Schlumberger restrukturiert sein IT-Geschäft

20.12.2002
MÜNCHEN (CW) - Der US-amerikanische Mischkonzern Schlumberger Ltd. hat einen nachhaltigen Umbau seiner IT-Aktivitäten angekündigt. Die Maßnahmen betreffen zum Großteil den Anfang 2001 übernommenen französischen IT-Dienstleister Sema und führen zu einem Abbau von 1600 Arbeitsplätzen.

Der Konzernbereich Test & Transactions, in dem bis dato die Aktivitäten von Sema sowie das eigene Smartcard-Geschäft zusammengefasst waren, wird wieder aufgespalten. Künftig werde sich eine neue Unit namens Schlumberger Sema ausschließlich um IT-Services (Rechenzentren, Application- und Desktop-Management) für globale Kunden, vorwiegend im Energiesektor, kümmern.

Das Smartcard-Business sowie der Vertrieb von Bankterminals, Lösungen für mobile Internet-Zugriffe und Billing-Software für Telco-Provider sollten getrennt davon operieren, teilte das Unternehmen mit. Letztgenanntes Geschäft war bis dato Teil von Sema. Für die Restrukturierung, die mit einem Abbau von 1600 Arbeitsplätzem in den USA und in Europa einhergeht, seien Sonderaufwendungen in Höhe von 2,88 Milliarden Dollar fällig. Rund 2,6 Milliarden Dollar entfielen dabei auf Goodwill-Abschreibungen für den Kauf von Sema, der Rest seien "operative Kosten der genannten Maßnahmen", hieß es weiter.

Mit der Ankündigung des Konzernumbaus und den milliardenschweren Abschreibungen zieht das Schlumberger-Management nun recht spät die Konsequenz aus dem überteuerten Kauf von Sema und dem extrem schwierigen Marktumfeld für IT-Services und auch Smartcards. Viele Branchenbeobachter hatten schon im Februar 2001 den Preis von 5,2 Milliarden Dollar für Sema als "weit überzogen" kritisiert. Erschwerend kam hinzu, dass sich der französische IT-Dienstleister vorher selbst durch Management-Fehler in eine kritische Lage gebracht hatte.

So hatte Sema erst im Jahr 2000 den deutsch-amerikanischen Billing-Spezialisten LHS für einen "Mondpreis" von 4,7 Milliarden Dollar übernommen. Das Abrechnungsprogramme-Segment kam jedoch kurze Zeit später angesichts der besonders dramatischen Krise im TK-Sektor gehörig unter die Räder und stellt ohnehin nur einen Nischenmarkt dar. Gleichzeitig kämpft(e) Sema auch unter dem Dach von Schlumberger mit einem an allen Ecken und Enden bröckelnden IT-Dienstleistungsgeschäft.

Schlumberger indes hatte Anfang 2001 parallel zum Sema-Kauf auch noch die damalige Bull-Tochter CP8 für rund 325 Millionen Dollar geschluckt - ein Unternehmen, das Chiplösungen speziell im Banken- und Telco-Sektor anbietet. Mit diesem Deal wollte man ursprünglich die eigene Smartcard-Division stärken, doch auch dieser Merger passt nicht mehr in die Landschaft. Schließlich kämpfen in diesem Marktsegment derzeit alle führenden Anbieter, etwa die französische Gemplus oder die in München ansässige Giesecke & Devrient GmbH, mit drastisch sinkenden Margen.

Auch die Kombination von IT-Services und Produkten im Verantwortungsbereich einer einzigen Division habe letztlich "nicht funktioniert", äußerte sich eine Schlumberger-Sprecherin gegenüber dem Branchen-Informationsdienst "Computergram".

Offen für Partnerschaften oder den Verkauf von Produktbereichen

Für weitergehende Lösungen, etwa den Verkauf einzelner Produktbereiche oder aber umgekehrt die Hinzunahme eines Partners samt späterem Börsengang, sei man deshalb "offen". Mit einem Umsatz von rund 210 Millionen Dollar im dritten Quartal (Ende: 30. September) und damit einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent hatte sich das IT-Produktgeschäft von Schlumberger zuletzt jedoch wieder stabilisiert.

Gleichzeitig mit dem Großreinemachen im IT-Sektor kündigte der Schlumberger-Konzern, der den Löwenanteil seiner Einnahmen nach wie vor mit Ölförderdiensten erzielt, auch noch die Entlassung von 1700 Mitarbeitern im Geschäftsbereich Western Geco an, der seismographische beziehungsweise nautische Messgeräte herstellt. Insgesamt kommt es deshalb im laufenden vierten Quartal (Ende: 31. Dezember) zu Sonderabschreibungen in Höhe von 3,17 Milliarden Dollar. Inwieweit sich diese Belastungen auf das Ergebnis auswirken, teilte Schlumberger nicht mit. (gh)