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13.02.1987

Schmus bleibt Schmus

"Die DV-Spezialisten wollen nicht ständig ihre vermeintliche Unfähigkeit um die Ohren geschlagen bekommen, Und man muß akzeptieren, daß sie sich nicht selbst wegorganisieren können. ,Schwamm drüber' kann es Indes nicht geben. In dieser Phase brauchen die Org./DV-Leiter Rückhalt beim Management.

Aus: CW vom 19. Dezember 1986, Kolumne

Rebellische Anwender, progressive Topmanager vor dem Final Countdown (Integration hier, Integration da!) befinden sich die DV-Spezialisten in der vermeintlich schlimmsten Krise seit der Erfindung der Lochkarte und der 1370-Architektur. Was viele Nicht-Datenverarbeiter imitiert, faßte der Diebold-Kongreß "Strategische Waffe Informationstechnik" (CW Nr. 6 vom 6. Februar 1987) in zwei Punkten zusammen: "wie die klassischen Datenverarbeiter Unternehmenspolitik auf eigene Faust betrieben" und "die maßlose Überforderung der bisherigen Entscheidungsträger" - DV-, Organisations- und RZ-Leiter - durch die anstehenden Integrationsaufgaben. Wie der stellvertretende Geschäftsführer der IBM Deutschland, Bernhard Dom, feststellte, kann der DV-Manager die Verantwortung über den Einsatz, von Informationstechnik nicht mehr allein tragen". Amen.

Noch spitzfindiger urteilte ein Ex-IBMer, der heutige Bundesbahn-Präsident Reiner Gohlke: "Die Informationstechnik und vor allem deren Anwendung ist zu bedeutend, um sie den DV-Spezialisten allein zu überlassen." Es ist müßig, darüber zu streiten, ob Gohlke das bereits für eine gute Idee hielt, als er noch bei Big Blue arbeitete. Erfreulicherweise sind viele Aussagen früherer IBM-Größen zu diesem Thema erhalten. So exakt unpräzise (DV ist Chefsache) waren die nie gemeint. Schließlich wußten die IBM-Strategen immer, daß die Org./DV-Leiter wußten, wem sie ihren Aufstieg zu verdanken hatten. Mehr noch: Sie (die IBMer) wußten, daß die Topmanager nichts wußten.

Aber heißt das, daß die DV-Manager haften sollen. jetzt. da das Versagen der IBM als Problemlöser (Inkompatibilität hier, Inkompatibilität da) offenkundig wird? Welcher Unterlassung haben sie sich schuldig gemacht? Die Doms der IBM hätten es gern, wenn sich die DV-Chefs Asche aufs -Haupt streuen würden. Doch dazu besteht kein Anlaß - jedenfalls nicht dieser.

Es ist äußerst unwahrscheinlich - weil schlichtweg widersinnig -, daß sich das Management zu einem Pool des informationstechnischen Mittelmaßes entwickelt, in dem dünne DV-Bretter gebohrt werden. Strategie ist Managementsache - für das spröde Holz der DV-Technik gibt's Gott sei Dank Fachleute.

Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß eine hochqualifizierte DV-Intelligentia neue Bedürfnisse der Unternehmensleitungen und der Fachbereiche zur Kenntnis nimmt und neue DV-Verfahren durchsetzt. Bisher fehlte es an dem nötigen Selbstverständnis (Selbstbewußtsein!) - eine Unterlassung (siehe oben), wenn man so will. Doch daran wird Dom kaum gedacht haben.

Daß die IBM versucht, die hellhörig gewordenen DV-Spezialisten zu umgehen, um im Top-management erneut Dumme zu finden, ist zwar legitim. Nur wird sie auch dort mit ihren traditionalistischen DV-Vorstellungen nicht landen können.

Wichtig, aus Wettbewerbsgründen, ist doch nur, daß die Informationstechnik als Weg - nicht als Ziel - von den Vorständen endlich ernst genommen wird. Das Wie können sie getrost den DV-Spezialisten überlassen.