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26.06.1992 - 

Eigenentwicklung aufgegeben, Systemvertrieb aufgelöst

Schneider setzt im PC-Bereich künftig auf Standardkomponenten

MÜNCHEN (bk) - Die Schneider Rundfunkwerke AG, Türkheim, wird auch 1992 rote Zahlen sehreiben. Nach dem "Debakel-Jahr" 1991, für das man jetzt einen Gesamtverlust von 144,1 Millionen Mark ausweisen mußte, erwarten die Allgäuer für das laufende Geschäftsjahr allerdings eine drastische Reduzierung des Fehlbetrages. Derzeit geht das Schneider Management von zehn bis 20 Millionen Mark aus.

Als "erdrutschartigen Einbruch" bezeichnete Vorstandssprecher Hans-Jürgen Thaus - Nachfolger des Ende Dezember zurückgetretenen Bernhard Schneider - das Ergebnis des zurückliegenden Geschäftsjahres 1991. Zwar hatte der Schneider-Chef` noch vor Weihnachten letzten Jahres den Aktionären mitgeteilt, daß der Konzernverlust aufgrund des Desasters im Computerbereich und der dadurch erforderlichen Umstrukturierung noch weit höher liegen würde, als der zu jenem Zeitpunkt geschätzte operative Fehlbetrag von rund 70 Millionen Mark, da noch Schließungs- und Sozialplankosten sowie Wertberichtigungen auf die hohen Lagerbestände in beträchtlicher Höhe hinzukommen würden. Doch die jetzt ausgewiesenen 144,1 Millionen Mark, der erste Verlust in Schneiders Firmengeschichte, haben selbst die schlimmsten Befürchtungen der Türkheimer übertroffen. Damit ist Schneider das Abenteuer PC-Eigenentwicklung teuer zu stehen gekommen.

Immerhin reden sich die Verantwortlichen nicht länger nur mit drastischem PC-Preisverfall und starker fernöstlicher Konkurrenz heraus. Eigene strategische Fehler werden eingestanden. So haben sich die Allgäuer mit der PC-Eigenentwicklung schlichtweg übernommen. Thaus: "Unsere Entwicklungsaktivitäten gingen in große Tiefe. Dies verhalf uns zwar zu den leistungsfähigsten PCs in der jeweiligen Klasse am Markt, aber mit jeder neuen Prozessorgeneration standen wir vor einem ebenso tiefgreifenden Anpassungsaufwand, dem wir nicht zeit- und damit auch nicht weltbewerbsgerecht folgen konnten. Deshalb kamen unsere Neuanläufe meist verspätet." Außerdem sei man 1991 gezwungen gewesen, die zum Teil Schneider-spezifischen Komponenten bei den Zulieferern mit Vorlaufzeiten von mehreren Monaten zu bestellen. Aufgrund des "gigantischen Preisverfalls innerhalb kürzester Zeit aber habe man die kalkulierten Einstandskosten mit dem Monate später erzielbaren Marktpreis nicht abdecken können.

Dem Systemvertrieb blieb der Erfolg versagt

Völlig daneben ging der Versuch, mit dem Einstieg in das Systemgeschäft Großkunden zu ködern, um so die rasch fallenden PC-Margen zu kompensieren.

Schon im Dezember hatte Bernhard Schneider erklärt: "Einige der Probleme des völlig verhagelten Jahres 1991 haben wir uns selbst geschaffen. Das neue Computerkonzept System- vertrieb konnten wir nicht durchsetzen - ich saß hierbei einer Illusion auf." Auch Thaus bestätigt: "Wir haben geglaubt, bei Industrie, Banken und Versicherungen mit unseren PCs ankommen zu können. Mit den sich dann ergebenden Akzeptanzproblemen haben wir nicht gerechnet." Somit war der Aufwand, den die Türkheimer für der Aufbau des Systemvertriebes und den damit einhergehenden Einstieg in das Dienstleistungsgeschäft - die Gründung neuer Büros und Vertragsabschlüsse mit Softwarepartnern - betrieben, völlig umsonst und verschliang zudem jede Menge Geld.

Die Fehler sollen nun korrigiert werden. Der Ausstieg aus der PC-Eigenentwicklung ist genauso vollzogen wie der aus dem Systemvertrieb. Künftig wird Schneider auf dem Weltmarkt Standardkomponenten einkaufen um daraus in Türkheim PCs zusammenbauen. "Dies versetzt uns in die Lage, die Order kurzfristig zu aktuellen Marktpreisen zu erteilen, und damit minimiert sich bei Aufbau von Lagerbeständen das Risiko des Preisverfalls", gibt sich Thaus optimistisch. Die neuen Schneider-PCs sollen bereits ab Ende Iuni in Türkheim vom Band laufen und um rund ein Drittel billiger sein als vergleichbare eigengefertigte Rechner.

Die Vermarktung erfolgt wie gehabt über den Fachhandel. Abgebrochen wurden mittlerweile die Verhandlungen mit der Augsburger NCR GmbH über eine mögliche Weiterentwicklung und Produktion von Schneider-PCs, aber auch über eine eventuelle OEM-Partnerschaft. Thaus: "Es gab verschiedene Ansatzpunkte für eine Kooperation. Doch letztlich kamen wir zu keinem Ergebnis."

Daß die Schneider Rundfunkwerke AG die Talsohle hinter sich läßt, daran hat Thaus keinen Zweifel. Er erwartet für 1993 wieder schwarze Zahlen. "Auch wenn wir strategische Fehler gemacht haben, wir haben nicht verlernt, wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen."