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17.11.2004

Schnell einfach digital

Zeit ist Geld auch in der Werbebranche. Die Markenfilm Gruppe machte ein Prinzip daraus.

Wie fast alle Industriezweige hat auch die Werbebranche wirtschaftlich bittere Jahre hinter sich. Produktionsfirmen, die Werbefilme, Videoclips, Trailer oder Firmen-Imageportraits abdrehen, spüren diesen Druck erheblich. Neben der flauen Laune am Markt fühlen hiesige Produktionsfirmen auch verstärkt die Konkurrenz aus Osteuropa. Niedrigere Studiomieten und geringere Personalkosten dieser Mitbewerber drücken die Preise auch hier. In dieser Situation ist es geradezu überlebenswichtig, innerhalb kürzester Zeit auf die Produktionsanfragen von Werbeagenturen reagieren zu können.

Wenn eine Werbeagentur beispielsweise von einem Kunden wie etwa einem Autokonzern den Auftrag erhält, einen Werbe-TV-Film für ein neues Automodell drehen zu lassen, spricht die Agentur verschiedene Produktionsfirmen an. Die reichen Angebote - so genannte Musterrollen - ein. Auf denen werden beispielhaft Filmsequenzen von verschiedenen, mit der jeweiligen Produktionsfirma arbeitenden Regisseuren zusammengestellt. Diese Musterrollen sollen der Werbeagentur einen Eindruck über die Arbeitsweise und speziellen Fähigkeiten eines oder mehrerer Regisseure vermitteln und zudem kenntlich machen, wie diese das Werbefilmkonzept des Autokonzerns zu einem bestimmten Produkt umsetzen würden.

Neben den Produktionskosten zählt beim Zuschlag für eine Produktionsfirma vor allem, wie kreativ deren Vorschläge sind. Eine Auswahl von Regisseuren, die ein Werbekonzept umsetzen könnten, ist dabei von entscheidender Bedeutung. Schließlich sollten diese Vorschläge auch noch so schnell wie möglich bei der Werbeagentur eingereicht werden.

Hier setzte die Überlegung der Markenfilm Gruppe an, als sie ihr Projekt der digitalen Filmarchivierung in Angriff nahm. Das Unternehmen ist - zumindest in Deutschland - in seinem Segment Marktführer. Im Gegensatz zu kleineren Produktionsfirmen, die mit einer übersichtlichen Zahl von Regisseuren zusammenarbeitet, pflegt Markenfilm Kontakte zu über 1000 Regisseuren und Kameraleuten. Diese große Auswahl kann auch Probleme schaffen. Markenfilm war es ohne informationstechnische Werkzeuge kaum mehr möglich, einen Überblick über die vielen Regisseure, Kameramänner und sonstigen Filmleute zu behalten und gezielt und schnell die Anfragen von Werbeagenturen zu beantworten.

Produktionsfirmen haben Archive - so genannte Bandlager - , in denen die Filme ihrer Regisseure abgelegt werden. Um einer Werbeagentur beziehungsweise einem Kunden einen Regisseur für ein Projekt vorzuschlagen, fertigt die Produktionsfirma eine individuelle Musterrolle für dieses Projekt an. Auf dieser sind mehrere kurze Filmausschnitte, Spots, von Arbeiten eines oder mehrerer Regisseure zusammen geschnitten. Diese sollen dem Kunden schnell einen Eindruck darüber vermitteln, wie diese Regisseure arbeiten.

Solche Musterrollen zusammenzustellen, ist nicht trivial, denn in der vordigitalen Zeit bestanden die Bandlager ausschließlich aus analogem Videobändern (U-Matics). Markenfilm-Angestellte mussten an Videoschnittplätzen die benötigten Teile verschiedener Bänder zurechtspulen und auf ein neues Band kopieren. Die rein analoge Technik erzwang eine zeitraubende und umständliche Arbeitsweise. Pro Tag konnte Markenfilm so einige wenige Musterrollen erstellen. Entsprechend lang dauerte es, einem Kunden ein Angebot zu unterbreiten.

Die Markenfilm Firmengruppe wollte deshalb seit einiger Zeit ihre Arbeitsabläufe komplett auf digitale Verfahren umstellen und entschied sich dafür, selbst ein System zu entwickeln.

Heute besitzt die Markenfilm Firmengruppe ein komplett digitalisiertes Filmarchiv auf Basis einer Anwendung, die den Mitarbeitern sehr schnell weitreichende Recherchemöglichkeiten in einer SQL-Datenbank an die Hand gibt. Die Vorteile des computerunterstützten Systems sind dabei eindeutig: Zum einen lässt sich das Archivmaterial, das jetzt nicht mehr in analogen Bandlagern gehortet wird, viel schneller recherchieren. Genauso können die Mitarbeiter heute neue Bänder viel kurzfristiger zu einer Demo- beziehungsweise Musterrolle zusammenschneiden. Durch das digitale Filmarchivierungssystem konnte Markenfilm die Zahl der pro Tag produzierten Musterrollen etwa verfünffachen.

Beste Recherchemöglichkeiten

Außerdem ließ sich die Qualität der Recherche - also die Suche nach geeigneten Filmproben von Regisseuren, die auf der Musterrolle dann zusammengefasst werden - erhöhen.

Ein weiterer, wesentlicher Vorteil der neuen Lösung von Markenfilm ist, dass mit der Digitalisierung des Filmarchivs und sämtlicher Arbeitsabläufe (Workflow) Demobänder auf verschiedenste Medien übertragen werden können. Hier sind vor allem zeitgemäße digitale Medien wie beispielsweise Digital Video Discs (DVDs) zu nennen.

Schließlich reduzieren sich auch die Zeit und die Kosten, die bei der digitalen Übermittlung der Demobänder zu den Agenturen und zu Kunden anfallen. Denn hierzu nutzt Markenfilm heute das Internet beziehungsweise ein Intranet zwischen den sechs Firmen, in die sich das Gesamtunternehmen aufsplittet. An den Standorten in Düsseldorf und Berlin unterhält Markenfilm zudem gespiegelte Datenbestände, so dass die Mitarbeiter in diesen beiden Niederlassungen auf zeit- und kostspielige Datenübertragungen verzichten können. Neu archivierte Filme werden nur einmal zwischen den Standorten synchronisiert.

Wie funktioniert die Lösung?

Die digitale Speicherung von Spots und Musterrollen stellt einen komplett neuen Arbeitsansatz in einer Produktionsfirma dar, sagt IT-Leiter Ralf Nyenhuis. Durch die große Anzahl von Mitarbeitern, die das Archiv an verschiedenen Standorten nutzen sollten, war die Topologie der IT-Infrastruktur vorgegeben: In Frage kam nur eine Client-Server-Architektur mit einer Reihe unterschiedlicher Komponenten.

So mussten Archivierungsplätze eingerichtet werden, an denen Spots eingelesen und mit Metadaten versehen werden können. Bei den Metadaten handelt es sich um eine Volltextbeschreibung des Films sowie um Suchbegriffe, die in der Werbebranche üblich sind wie Car, Fashion etc. Man kann einen Regisseur zudem mit seinen Spezialgebieten erfassen und entsprechende Suchbegriffe, also eben Metadaten, festlegen.

Die Recherche zu solchen Begriffen ist im Übrigen erst durch das digitale Filmarchivierungssystem von Markenfilm möglich geworden. Da die Metadaten standardisiert in einer relationalen Datenbank (Microsoft SQL Server) gespeichert werden, können sie in beliebige andere Anwendungen integriert werden.

An verschiedenen Ausspielplätzen können darüber hinaus vorher zusammengestellte Musterrollen auf ein beliebiges Format (beispielsweise U-Matic, DVD, DV, VHS, DigiBeta) ausgegeben beziehungsweise kopiert werden. Ein zentraler Server übernimmt die Konvertierung und Aufbereitung der Spots. Ferner musste eine Schnittstelle zum Intranet implementiert werden, damit jeder autorisierte Mitarbeiter von seinem Arbeitsplatzrechner aus im Archiv recherchieren und Musterrollen zusammenstellen kann.

Die Spots archiviert Markenfilm in zwei Formaten: Im hochauflösendem Digitalvideo (DV) und einer Vorschauversion in MPG1.Das DV-Format garantiert eine nahezu verlustfreie und schnittfähige Qualität, ohne dass hierfür zusätzliche, teure Hardware angeschafft werden musste. Via MPG1 lassen sich die Spots in einer Internet-fähigen Qualität auf jedem beliebigen Mediaplayer abspielen.

Der zentrale Archivserver bietet die Möglichkeit, das vorliegende DV-Material in diverse andere Formate mit unterschiedlichen Qualitätsanforderungen zu konvertieren. So können auch Videoclients im Intranet mit dem MPEG2-Codec oder dem zukunftsweisenden H.264-Format beschickt werden. Ohne zusätzlichen Aufwand lassen sich zudem Präsentations-DVDs erstellen. Der Server übernimmt auch hier alle anfallenden Konvertierungs- und Authoring-Aufgaben samt automatischer Kapitelerstellung.

Um die Daten zu erfassen und auch auszuspielen, benötigt Markenfilm PCs und die dazugehörige Software, die mit heute üblichen Standardkomponenten (etwa eine IEEE1394-Schnittstelle) ausstaffiert sind.

Für die Digitalisierung der Filme nutzt Markenfilm einen professionellen DV-Recorder, der die analogen Signale der angeschlossenen Geräte in Echtzeit in einen DV-Datenstrom wandelt. Zusätzlich werden auch weiterhin die bereits für den manuellen Schnitt genutzten Geräte (also ein DV-Player und Recorder, ein U-Matic-Recorder sowie ein VHS-Recorder) verwendet. Die Kosten für den PC samt DV-Karte betrugen rund 2000 Euro.

Wegen der geringen Lizenzkosten und der geforderten Web-Fähigkeit entschied sich Markenfilm zudem für einen Linuxserver und den Einsatz verschiedenster Open-Source-Software. Neben dem Apache-Webserver und der Scriptsprache PHP werden auch für die Aufbereitung der Filme freie Tools verwendet.

Übersichtliches Team

Als Massenspeicher kommt ein SCSI-to-IDE-Raid5-System mit 3,6 TB Kapazität zum Einsatz. Die Kosten hierfür betrugen etwa 10000 Euro. Umgesetzt wurde das Projekt in Kooperation mit der Fachhochschule Wedel im Rahmen einer Diplomarbeit. So übernahm der angehende Medieninformatiker Christoph Czeplak in Zusammenarbeit mit Nyenhuis und dem Leiter der Videotechnik, Bernd Jurksch, den konzeptionelle Entwurf und die Entwicklung.