Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.08.1999 - 

Thema der Woche

Schnelle Alternativen für private Internet-Surfer

Rund um die Uhr online Waren bestellen, Filme anschauen, wenn man gerade Lust hat, zur Entspannung ein Online-Spielchen mit Freunden in aller Welt - das Internet verspricht neue Geschäftsfelder und Freizeitvergnügen. Doch die Sache hat einen Haken: Das Ortsnetz der Telekom ist hierzulande ein teures Nadelöhr auf dem Weg in den Cyberspace. Kein Wunder, daß Internet-Provider und E-Commerce-Anbieter nach schnelleren und billigeren Alternativen suchen.

Trailer zu Kinofilmen wie Starwars Episode 1 als Appetithappen, Börsengeschäfte online rund um die Uhr, die wichtigsten News aus aller Welt auf dem Rechner oder eine multimediale Präsentation der neuesten Mode auf dem Bildschirm zum Homeshopping - die Phantasie der Propagandisten in Sachen E-Commerce kennt keine Grenzen. Die physikalische Netzrealität setzt aber diesen Szenarien momentan noch Schranken.

Das Internet-Backbone ist keine Bremse mehr. Unternehmen wie Level 3, KPN Qwest oder I 21, um nur einige zu nennen, investieren europaweit in den Ausbau von Glasfasernetzen. Gigabit-Highways gehören zum Standard, die nächste Ausbaustufe sieht bereits einen Datenverkehr im Terabit-Tempo vor, und selbst der Vorstoß in Richtung Pentabit ist wohl nur eine Frage der Zeit. Anders sieht es dagegen mit den Auffahrten zu diesen Datenautobahnen aus. Während sich mittlere und große Unternehmen dank City-Carriern und neuer TK-Gesellschaften noch Zufahrtswege in Bundesstraßenqualität (Standleitungen mit mehreren Mbit/s) leisten können, leben die privaten Anwender in den verkehrsberuhigten Zonen der Telekom-Ortsnetze. Sie machen sich entweder in Schrittgeschwindigkeit (Modem) oder mit Tempo 30 (ISDN) auf die Reise in die Weite des Cyberspace auf.

Suche nach Alternativen

Das schmälert das Vergnügen. So bringt manche einfallsreiche multimediale Web-Präsentation, die über den professionellen Internet-Zugang einer Firma schnell empfangen ist, den privaten Surfer zu Hause auf die Palme. Mit seinem schmalbandigen Internet-Zugang wartet er sehr lange, bis etwa das Video vom potentiellen Urlaubsort aus dem Online-Reisebüro heruntergeladen ist. Zudem verzögert der langsame Zugang auch Anwendungen wie Netzspiele oder Auktionen, bei denen es auf den Echtzeitkontakt ankommt. Dritter Problempunkt, den mancher standleitungsverwöhnte Web-Designer gerne vergißt: Der Empfang großer Multimedia-Dateien kostet den Consumer nicht nur Zeit, sondern auch Geld, denn der Gebührenzähler der Telekom tickt unerbittlich.

Angesichts dieser Schwierigkeiten suchen Industrie und Netzbetreiber für den Local Access nach Alternativen zur Telekom, um die Consumer länger und kostengünstiger online zu halten. Aufgrund des De-facto-Monopols der Telekom im Ortsnetz ist diesen Anbietern aber der direkte Zugang zu den Privatkunden verwehrt. Zwar ist die Telekom verpflichtet, die letzten Meter zu den privaten Haushalten als "entbündelten Teilnehmerzugang" an ihre Konkurrenten zu vermieten, doch dies ist teuer. Letztlich bleibt nur die Suche nach neuen Übertragungswegen. Derzeit werden vor allem fünf Alternativen diskutiert: Asymmetric Digital Subscriber Line (ADSL), das höhere Bandbreiten im vorhandenen Telefonnetz offeriert; der Zugang über das Fernsehnetz; die Anbindung via Funk; der Umweg über das Weltall via Satellitenübertragung sowie die Option, Daten über das Stromnetz zu transportieren.

Lange Zeit galt das in den USA hochgelobte ADSL als eine Möglichkeit, Privatkunden einen breitbandigen Internet-Zugang bereitzustellen. Versprach doch diese im Gegensatz zum verbindungsorientierten Telefonnetz verbindungslose Technologie eine ständige Verbindung zum Internet auch für Privatkunden: also eine Art Standleitung für den kleinen Geldbeutel. Der Clou dabei: Die Technik setzt auf das bereits vorhandene Telefonkabel auf. So genial dies auf den ersten Blick erscheint, hier liegt auch einer der größten ADSL-Schwachpunkte: Mit steigender Länge des Telefonkabels sinkt die Übertragungsrate drastisch. Gleichzeitig kämpft die Technologie, die einen höheren Frequenzbereich als das normale Telefon benutzt, mit Störungen durch benachbarte Kabel. Während die Telekom sich zutraut, in den Ballungsgebieten etwa 80 Prozent der Teilnehmer mit "T-ISDN dsl", wie die ADSL-Technologie im Telekom-Jargon heißt, zu versorgen, behaupten andere Anbieter, daß der Bonner Carrier bei wohlwollender Betrachtung gerademal 50 Prozent der Anwender diesen Dienst offerieren könne, bevor es zu Störungen komme.

Ein weiteres Manko ist hierzulande schlicht und einfach der Preis: Der Einstieg in die schnelle ADSL-Technik ist beim Telekom-Angebot nur in Kombination mit einem ISDN-Anschluß zu haben. Summa summarum kostet den Privatkunden das schnelle Vergnügen mindestens 197 Mark pro Monat. Dafür bekommt er 50 Online-Stunden, in denen die Daten mit 768 Kbit/s, also rund zwölffacher ISDN-Geschwindigkeit, zu ihm rauschen. In umgekehrter Richtung, also in das Internet hinein, sind immer noch 128 Kbit/s möglich. Wer nun glaubt, aufgrund der hohen Transferraten könne er multimediale Inhalte schnell aus dem Internet herunterladen und dann kostensparend offline betrachten, hat sich gründlich verspekuliert. Die Telekom pervertiert nämlich den ADSL-Gedanken einer ständigen Anbindung an das Internet dadurch, daß sie für jeden Verbindungsaufbau ein Entgelt von sechs Pfennig verlangt und zudem einen Minutenpreis von sechs Pfennig berechnet.

Angesichts dieser Preispolitik dürfte ADSL hierzulande für breite Consumer-Kreise wohl kaum eine bezahlbare Alternative zu Modem oder ISDN sein. Beim normalen Surfen durch das Internet kommt ISDN in Kombination mit dem Pauschalangebot eines Internet-Providers günstiger. Ein anderes Bild zeigt sich in den USA: Dort hat sich ADSL dank bezahlbarer Pauschaltarife (etwa 60 Dollar pro Monat bei Bell South) im Consumer-Bereich zu einer ernsthaften Alternative zum Internet-Zugang via TV-Kabelnetz entwickelt.

Fernsehnetz

In Deutschland könnte dagegen dank der Preispolitik der Telekom genau das Gegenteil eintreten. Das Fernsehnetz mit seinen rund 17 Millionen angeschlossenen Haushalten ist eine der Alternativen, um im Ortsnetz auf den letzten Metern zum Privatkunden ohne den Bonner Carrier auszukommen. Entsprechend zeigt eine illustre Schar von Investoren Interesse an dem zum Verkauf anstehenden TV-Kabelnetz, das theoretisch Transferraten zwischen 10 und 30 Mbit/s erlaubt. So haben etwa Bertelsmann, die Deutsche Bank, ein Konsortium aus anderen Banken, Microsoft über die Banken und der mittelständische Kabelnetzbetreiber EWT-TSS Kaufabsichten für das 460000 Kilometer umfassende Netz oder Teilabschnitte bekundet.

Aufgrund seiner ursprünglichen Konzeption als Verteilnetz für Fernseh- und Radioprogramme hat das Kabelnetz in Sachen Internet-Zugang einen gravierenden Nachteil. Ihm fehlt der Rückkanal ins Internet, es ist sozusagen eine Einbahnstraße. Deshalb sind Internet-Zugänge, wie sie etwa die Münchner Medien & Kabel Service GmbH anbietet, noch auf das Modem oder ISDN als Rückkanal angewiesen. Dafür empfangen aber die rund 400 Anwender, die das Münchner Angebot nutzen, die Daten mit bis zu 500 Kbit/s, dies entspricht in etwa achtfacher ISDN-Geschwindigkeit.

Noch Einbahnstraße

Für den raschen Datenempfang müssen die Münchner eine Monatspauschale von 85 Mark berappen. Außerdem fallen einmalig die Kosten für eine Kabelmodemkarte (395 Mark oder 17,90 Mark Monatsmiete) sowie ein Modem oder eine ISDN-Karte für den Rückkanal an. Letztlich kommt der Anwender also auch hier nicht ohne das Ortsnetz der Telekom aus, aber er empfängt seine Daten schneller. Ist jedoch keine Interaktion mit dem Internet gefragt, sondern nur die Realisierung von Einwegübertragungen, so kann auf Modem oder ISDN verzichtet werden. So könnten Stadtinformationsdienste oder die Verteilung der neuesten Preislisten an die Filialen einer Handelsgruppe funktionieren.

Eine Aufhebung der Einbahnstraßenregelung im TV-Netz ist allerdings bereits in Sicht. So will die Münchner Medien & Kabel Service GmbH noch im Herbst im Olympiadorf sowie dem Stadtteil Westend einen bidirektionalen Internet-Zugang über das TV-Breitbandkabel offerieren. Für die nächsten zwei Jahre ist dann der Ausbau in 40 weiteren Stadtvierteln geplant. Bei dem Versuch, das Kabelnetz als Internet-Zugang zu etablieren, stellt der fehlende Rückkanal nicht die einzige Hürde dar. Unisono bestätigen die Kabelgesellschaften, daß es ihnen derzeit im Netz für einen breitbandigen bidirektionalen Zugang auch an Bandbreite mangelt. Rund 30 TV-Sender sowie die ersten digitalen Fernsehangebote lassen nicht mehr viel Platz für Internet-Dienste.

Deshalb müssen die Betreiber in den Ausbau des Netzes kräftig investieren, um die Frequenz von 450 Megahertz auf die benötigten 862 Megahertz zu erhöhen. Franz Arnold, Beauftragter für den Verkauf des TV-Kabelnetzes der Telekom, schätzt, daß die künftigen Eigner rund fünf Milliarden Mark ausgeben müssen, wenn sie 70 Prozent des Netzes ausbauen.

Investitionen, die beispielsweise das Familienunternehmen EWT-TSS mit Sitz in Augsburg und Berlin bereits getätigt hat. In Berlin hat das Unternehmen Teile des TV-Netzes auf 862 Megahertz ausgebaut. Nach Abschluß der Pilotphase werden jetzt rund 10000 Wohnungen rund um den Alexanderplatz in diese Versorgung aufgenommen. Mit Rückkanal und höherer Bandbreite können die dortigen TV-Kabelnetzkunden über das Fernsehnetz sogar bereits telefonieren. Sie zahlen hierfür eine Grundgebühr von 19,90 Mark pro Monat. Ein breitbandiger Internet-Zugang mit 2 Mbit/s folgt im Herbst. Der permanente Zugang zum globalen Netz kostet dann, so schätzt Dieter Richter von EWT-TSS, mit Volumenbegrenzung zwischen 50 und 60 Mark im Monat. Wer unbeschränkt im Netz zu surfen wünscht, sollte Kosten um die 100 Mark einkalkulieren. Dabei dürfte das EWT-TSS-Engagement in der Bundeshauptstadt nur ein erster Schritt sein. In Branchenkreisen kursiert nämlich das Gerücht, daß es Pläne gebe, das TV-Netz in ganz Berlin auszubauen. Mit einer entsprechenden Ankündigung wird auf der Internationalen Funkausstellung gerechnet.

Richtfunk

Angesichts der langwierigen Verhandlungen mit der Telekom über den Verkauf des Kabelnetzes und den notwendigen Investitions- summen in den Netzausbau reibt sich derweil eine dritte Gruppe die Hände. Die Anbieter von Richtfunkdiensten, im Fachjargon auch als Wireless Local Loop bezeichnet, stehen bereit. Ihr größter Vorteil, so Christian Irmler, technischer Geschäftsführer bei Sandner Airdata in Stuttgart, "ist die Möglichkeit, sehr schnell eine Infrastruktur aufzubauen, und der potentielle Kundenkreis". Um beispielsweise in der Stuttgarter Innenstadt 180 000 mögliche Anwender zu erreichen, benötigte Airdata nur eine zentrale Sendestation auf einem hohen Gebäude. Bei den Benutzern ist dann noch eine kleine Basistation mit Sende- und Empfangsantenne erforderlich.

Daten transportieren die Stuttgarter, die derzeit mit 2,4 Gigahertz senden, mit 128 Kbit/s. Im Herbst erfolgt dann die Aufrüstung auf 512 Kbit/s, und für Mitte 2000 sind Transferraten von 2 Mbit/s angestrebt. Aufgrund seiner Preisstruktur (1495 Mark für die Installation und 450 Mark Monatspauschale für 1 GB Datentransfer sowie 180 Mark für jedes weitere GB) ist das Angebot aber eher für kleinere und mittlere Unternehmen konzipiert. Irmler bezeichnet sein Angebot gerne als drahtlose Standleitung und glaubt, bereits Mitte 2000 für Privatanwender attraktiv sein zu können. "Zumal mit einem Massenmarkt auch die Preise für die Geräte sinken", so der Technikchef, der sein Angebot auf 24 weitere Regionen ausdehnen will. Andere Impulse Richtung Massenmarkt könnten auch von einem der Kooperationspartner von Airdata kommen: Das Unternehmen kooperiert in Sachen Internet-Zugang mit dem Internet-Service-Provider Uunet, der wiederum der Telefongesellschaft MCI-Worldcom gehört. Was liegt also näher, als via Funk die letzte Meile zu überbrücken, um dann per Voice over IP Telefondienste für Privatkunden anzubieten.

Während Airdata mit seiner "Wiman"-Technologie bereits im 2,4-Gigahertz-Bereich sendet, hocken andere Anbieter noch in den Startlöchern. Sie warten auf die für Anfang September angekündigte Vergabe einer Funklizenz für das 26-Gigahertz-Band durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP). 32 Unternehmen bewarben sich um eine Lizenz, wobei vier davon (Viag Interkom, Star One, Callino und Firstmark) sogar alle 262 Regionen versorgen wollen. Im Gegensatz zu seinem Stuttgarter Wettbewerber glaubt Ulrich Wößner von der Callino GmbH in München nicht an den Anschluß der Privatkunden vor dem Jahr 2001/2002. Er sieht als typische Klientel eher kleinere bis mittlere Unternehmen, denen er ein skalierbares Angebot von 2 bis 30 Mbit/s offeriert.

Auf mögliche Grenzen ihrer Technologie angesprochen, sehen die Funknetzbetreiber in spe ihr Übertragungsverfahren als für alle Kommunikationsformen von der Videoübertragung über die Telefonie bis hin zur Datenübertragung geeignet. Kritiker, die an der Zuverlässigkeit der drahtlosen Übertragung zweifeln, beruhigen die Betreiber mit einem Hinweis auf die Richtfunkstrecken der klassischen Carrier. Via Richtfunk wurden und werden nämlich teilweise auch Ferngespräche transportiert.

Satelliten-Zugang

Nicht ganz so einfach können die Anbieter einer vierten Zugangstechnologie Zweifler zufriedenstellen. Die Satellitenbetreiber haben nämlich mit langen Verzögerungszeiten (bei ungünstigen Konstellationen fast eine Sekunde) zu kämpfen, die auf dem Weg von der Bodenstation zum Satelliten und zurück entstehen. Was in der Sprachkommunikation gerade noch hinnehmbar ist, stellt bei der Datenkommunikation in Echtzeit ein Problem dar. Zudem haben Anbieter wie Hot Telecommunications (Direc PC) oder die Berliner Strato AG (Sky DSL) noch eine andere Schwierigkeit. Während die Satellitenanlagen zum Empfang der Daten aus dem All relativ preisgünstig sind, kosten Geräte, die auch Daten zum Satelliten senden, derzeit noch rund 3000 Mark. Deshalb verwenden die Betreiber in der Regel ebenfalls Modems oder ISDN als Rückkanal, wenn interaktive Internet-Angebote gefragt sind. Für den Anwender lohnt es sich vor allem, wenn er häufig große Datenmengen empfängt. So rechnen die Berliner, die Sky DSL mit einer Bandbreite von 400 Kbit/s bis 4 Mbit/s offerieren, vor, daß der Surfer beim Empfang von 100 MB Daten gegenüber ISDN um drei Mark günstiger wegkommt. Noch höher fällt die Ersparnis bei größeren Datenmengen aus. Bei 2 GB soll der Vorteil gegenüber ISDN bereits 60 Mark betragen. Die Paketpreise reichen dabei von 59 Mark pro Monat (400 Kbit/s mit 20 Online-Stunden) bis 399 Mark (4 Mbit/s mit 50 Online-Stunden).

Während die Satelliten bei interaktiven Angeboten wie Online-Spielen keinen Vorteil bieten, entfalten sie ihre Vorzüge bei anderen Anwendungen. Bei entsprechender Konfiguration sind Mail-Empfang, Download-Service oder Web-Broadcast ohne Telefonkosten realisierbar. Sky-DSL-Betreiber Strato, der sein Angebot auf der Berliner Funkausstellung einer breiten Öffentlichkeit präsentiert, will etwa ab September die 500 meistgefragten Software-Abrufe automatisch ohne Verbindung ins Internet an seine Kunden übertragen. Via Web-Broadcasts werden zudem gleich die 100 beliebtesten Internet-Sites mitgeliefert und auf der Festplatte des Anwenders zwischengespeichert. Dieser kann sie ohne Online-Kosten lesen.

Daten via Stromnetz

Haben alle bisher vorgestellten Alternativen zum Ortsnetz der Telekom das Pilotstadium bereits hinter sich gelassen, so steckt ein fünftes Verfahren noch in den Kinderschuhen: die Datenübertragung über das Stromnetz, auf Neudeutsch auch als Powerline Telecommunications bekannt. Hierbei werden die Daten wie etwa im Pilotversuch von Nortel Dasa und Tesion im schwäbischen Herrenberg in den Umspannstationen ins Stromnetz eingespeist und zum Endkunden transportiert. Dort filtert eine neben dem Stromzähler installierte Koppeleinheit die Daten wieder heraus und leitet sie via Koaxialkabel an eine Kommunikationsbox am PC weiter. Da sich der Anwender die Bandbreite mit allen anderen Teilnehmern teilen muß, geht man davon aus, daß eine Transferrate von 1 Mbit/s in beide Richtungen realistisch ist. So zumindest die Marketiers der Powerline-Technologie. Kritiker halten selbst diesen Wert für maßlos übertrieben, da bereits eine alte, schlecht gewartete Mikrowelle mit ihren Störstrahlungen zu einem Zusammenbruch der Kommunikation führen werde. Für diese Skeptiker taugt die Technik gerademal zur Fernwartung oder Zählerablesung, aber nicht für Dienste wie Telefonie oder Internet-Zugang.

Eigenes Glasfasernetz

Anwender, denen alle vorgestellten Verfahren noch zu unsicher oder mit zu vielen offen Fragen versehen sind, haben - etwa in Norderstedt - demnächst noch eine sechste Alternative. Der Ort vor den Toren Hamburgs baut in Kooperation mit dem City-Carrier Colt ein eigenes, 380 Kilometer langes und 65 Millionen Mark teures Glasfasernetz. Es ist nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatkunden konzipiert. Ab April 2000 sollen die Norderstedter Bürger von Übertragungsraten bis zu 622 Mbit/s profitieren. Damit sind neben dem Internet-Zugang Anwendungen wie Videokonferenzen, Teleworking, Bildtelefonie oder Video on demand möglich. Internet-Zugang und Ortsgespräche erhalten die Norderstedter dann von ihrer lokalen Telefongesellschaft Wilhelm.tel zum Pauschaltarif.