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03.11.2000 - 

Personalarbeit bei Porsche

Schnelle Autos und dynamische Mitarbeiter

Eigeninitiative ist beim Sportwagenhersteller Porsche in Stuttgart gefragt. Nach einer Talfahrt Anfang der 90er Jahre befindet sich das Unternehmen wieder auf der Überholspur. Neben der konzernweiten SAP-Einführung stehen im IT-Bereich zahlreiche neue Projekte an, für die Michael Merklinger noch neue Mitarbeiter sucht. Im CW-Gespräch* erläuterte der Personalexperte die Anforderungen an neue Kollegen.

CW: Welche Qualifikationen bringt ein Bewerber idealerweise mit?

MERKLINGER: Der ideale Bewerber für Porsche hat Wirtschaftsinformatik studiert. Aber auch Betriebswirte und Maschinenbauer, die die Kundenseite kennen und zusätzlich die Informatikseite vertieft haben, können wir hier gut einsetzen. Reine Informatiker sind dagegen seltener, da wir keine reine Anwendungsentwicklung haben.

CW: Welche sonstigen Qualifikationen sollten die Interessenten vorweisen können?

MERKLINGER: Wir suchen pragmatische Leute, denn wir sind ein umsetzungsorientiertes Unternehmen. Die Soft Skills sollten deshalb sehr ausgeprägt sein. Uns kommt es darauf an, dass die Leute von der Person her optimal zu uns passen.

CW: Wie erkennen Sie im Vorstellungsgespräch, ob ein Bewerber über diese Fähigkeiten verfügt und zu Ihnen passt?

MERKLINGER: Beim Lebenslauf kommt es uns auf Praktika, Auslandsaufenthalte und Interesse für die Automobilbranche an. Noten sind dabei nicht unwichtig, denn sie geben einen Hinweis auf die logisch-analytischen Fähigkeiten. Außerdem achten wir darauf, ob sich der Bewerber breit orientiert hat, welche Fremdsprachen er spricht und auch welche Hobbys er hat.

CW: Wie integrieren Sie die neuen Mitarbeiter ins Unternehmen?

MERKLINGER: Die Einarbeitung beginnt direkt "on the job". Die Neuen bekommen in einem Projektteam eine Aufgabe übertragen, die im Vorstellungsgespräch schon andiskutiert wurde. Ein Pate unterstützt den neuen Mitarbeiter. Die Leute sollen hier aktiv an die Aufgabe herangehen.

CW: Bieten Sie zusätzlich ein Trainee-Programm an?

MERKLINGER: Nein. Das Unternehmen ist recht übersichtlich. Wenn ich hier an einem Rädchen drehe, dann sehe ich da hinten auch noch, dass sich etwas bewegt. Das ist ein großer Vorteil. Innerhalb von zirka vier Wochen kennen die neuen Mitarbeiter alle wichtigen Leute.

CW: Wie sehen die Weiterbildungsmöglichkeiten bei Ihnen aus?

MERKLINGER: Wir möchten, dass sich die Mitarbeiter aktiv um ihre Weiterbildung bemühen und sich nicht zurücklehnen und es der Firma überlassen, nach dem Motto: "Jetzt zeig mir mal, was Du zu bieten hast." Das passt weder zu unserer Größe noch zu unserem Selbstverständnis. Wenn ein Mitarbeiter eine neue Technologie erkennt und sagt, da könnte künftig ein Schwerpunkt sein, und eine Zielorientierung vorhanden ist, kann er in Absprache mit seinem Vorgesetzten entsprechende Seminare besuchen.

CW: Haben Quereinsteiger bei Ihnen eine Chance?

MERKLINGER: Von Quereinsteigern erwarten wir neben fundierten Kenntnissen mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung in einer renommierten Firma und in verantwortungsvoller Position. Eine Umschulung alleine reicht nicht aus.

CW: Welche finanzielle Anreize bieten Sie Ihren Mitarbeitern?

MERKLINGER: Wir bieten keine Aktienoptionen, dafür interessante Projekte in einem dynamischen Umfeld. Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, große Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten. Eine wichtige Motivation ist unsere Erfolgsgeschichte. Was uns von vielen anderen unterscheidet: Die Mitarbeiter identifizieren sich zu 100 Prozent mit Porsche.

CW: Die Bindung an das Unternehmen erhöht sich vermutlich auch durch Ihr Produkt. Wie lange müssen Mitarbeiter darauf warten, bis sie selbst diesen Wagen fahren können?

MERKLINGER: Den ersten Porsche kann der neue Mitarbeiter nach gut zwei Jahren leasen. Das hängt natürlich von der Leistung und der Gehaltsgruppe ab.

CW: Engagieren Sie sich auch im Umfeld von Hochschulen?

MERKLINGER: Unser Praktikantenprogramm ist ein klassisches Recruiting-Instrument. Hat sich jemand im ersten Praktikum bewährt, bieten wir ein zweites oder eine Diplomarbeit im Haus an. Das Praktikum dauert idealerweise sechs Monate, und der Bewerber sollte das Vordiplom bereits in der Tasche haben.

*Das Gespräch führte Ingrid Weidner, freie Journalistin in München.