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02.04.1999 - 

Kühlkostkonzern Schöller führt Supply-Chain-Management ein

Schnelle Planung entschädigt für ein gewisses Risiko

MÜNCHEN (qua) - Im Hinblick auf mögliche IT-Probleme im Zusammenhang mit dem Jahrtausendwechsel hat die Schöller Lebensmittel GmbH & Co. KG, Nürnberg, entschieden, ihre alten, nicht datumsfesten Planungswerkzeuge durch ein Supply-Chain-Management-System zu ersetzen. Ihre Wahl fiel dabei auf die Produkte von Manugistics.

Ob ihm noch wohl bei der Entscheidung für Manugistics ist, will der mit Produktion, Planung und Logistik befaßte Referatsleiter Markus Beck lieber für sich behalten. Aber selbstverständlich hat er die Nachrichten registriert, die in den vergangenen Monaten über den in Rockwell, Maryland, ansässigen Spezialisten für das Supply-Chain-Management (SCM) zu lesen waren. Von Verlusten ist da die Rede und von Spekulationen um eine mögliche Übernahme des Software-Anbieters (siehe CW 1/99, Seite 1).

Die Schöller-Entscheidung fiel schon im vergangenen Jahr - zu einem Zeitpunkt, als professionelle Branchenbeobachter Manugistics als den führenden Lieferanten von SCM-Systemen sahen. Mittlerweile hat der in Irving, Texas, beheimatete Mitbewerber i2 Technologies bei den Analysten - und an der Börse - die Nase vorn. Allerdings liegt Manugistics in der jüngsten Einschätzung der Gartner Group nur knapp hinter i2; beide Anbieter führen souverän das Feld der SCM-Experten an.

Neben den guten Noten von Gartner Group und Co. sprachen für die Manugistics-Lösung "umfangreiche Prüfungen der Software" sowie eine "neutrale Empfehlung" des Fraunhofer Instituts für Automatisierung und Produktionstechnik (IPA), erläutert Beck. Weiter habe die langjährige Erfahrung des Anbieters im Kundensegment Konsumgüter dazu beigetragen, Schöller für das Produkt einzunehmen. So hatte sich der Mitbewerber Eskimo-Iglo Ges.m.b.H, Groß-Enzersdorf bei Wien, ebenfalls für Software von Manugistics entschieden (siehe CW 22/98, Seite 81) - allerdings in begrenztem Umfang; er nutzt lediglich die "Demand Planning Extended Edition" (DP/EE) als Tool für die Bedarfsplanung.

Bei Schöller wird die Manugistics-Software zunächst nur in Deutschland zum Einsatz kommen - für die Produktion von Speiseeis und Tiefkühlkost, also in den beiden größten Bereichen der Unternehmensgruppe. Mit Simulations- und Optimierungstechniken sollen die SCM-Werkzeuge die Absatzplanung und Prognose, die zentrale Disposition der Läger sowie die Produktionsprogramm-Planung verbessern helfen. Darüber hinaus ist das System dazu ausersehen, Schöller bei der strategischen Unternehmensplanung zu unterstützen (siehe Kasten "Die Werkzeuge im Detail").

Die Daten, die für die Geschäftsprozeß-Optimierung herangezogen werden, stammen aus den betriebswirtschaftlichen Standardsoftware-Systemen R/2 und R/3 von der SAP AG, Walldorf. Für den Datenaustausch zwischen der SAP-Software und den Planungssystemen stellt Manugistics zertifizierte Schnittstellensoftware und Plug-ins zur Verfügung.

SAP hat unter der Bezeichnung "Advanced Planning Option" (APO) ebenfalls ein Toolkit im Angebot, das den Produktionsplanern helfen soll, die SCM-typischen Berechnungen anzustellen. Allerdings ist APO erst seit wenigen Wochen auf dem Markt und deshalb noch nirgendwo im operativen Einsatz.

Becks Angaben zufolge hat sich Schöller die SAP-Lösung ebenfalls angesehen. Doch das Unternehmen entschied sich lieber für ein System mit einer Vielzahl von Referenzanwendern und einem gewissen Reifegrad. Immerhin soll die Manugistics-Software in diesem Jahr bereits in der sechsten Vollversion auf den Markt entlassen werden.

Für Experimente ist der Zeitrahmen, den Schöller sich gesteckt hat, ohnehin zu eng. Angesichts der Jahr-2000-Bedrohung möchte das Unternehmen möglichst schnell sein mehr als zehn Jahre altes Mainframe-Tool ersetzen, das er bislang für die Planung seiner Produktionsprogramme nutzt.

Als Standsystem angeschafft, hat sich dieses Werkzeug im Laufe der Jahre durch Anpassungen und Erweiterungen nach und nach in eine Individualsoftware verwandelt. Wollte Schöller dieses Softwarewerkzeug noch länger benutzen, wäre der Lebensmittelproduzent nicht umhingekommen, es mühsam von zwei- auf vierstellige Jahreszahlen umzustellen.

Der Wechsel zu einer modernen Applikation auf Basis einer Client-Server-Architektur verspricht bei ähnlichem Aufwand auch ein gerüttelt Maß an zusätzlicher Funktionalität. "Ein integriertes System für die Absatz-, Distributions- und Produktionsprogramm-Planung kann wesentlich dazu beitragen, die gewachsenen Anforderungen innerhalb der Geschäftsprozesse zu unterstützen und zu optimieren", beschreibt Beck seine Ziele. Die Manugistics-Software wird, so hofft der Referatsleiter, die Prognosequalität erhöhen und die Planungsprozesse beschleunigen. "So können wir auf Veränderungen im Markt schneller und effektiver reagieren."

Noch in diesem Monat will Schöller mit der Einführung der Software beginnen. Im März des kommenden Jahres soll das System laufen. Datumssensible Bereiche, beispielsweise die Absatzplanung, müssen selbstverständlich noch in diesem Jahr funktionsfähig sein und werden deshalb forciert.

Ganz schön cool

Die zur Südzucker-Gruppe gehörende Schöller Lebensmittel GmbH & Co. KG hat sich vor allem als Produzent von Speiseeis- und Tiefkühlkost-Produkten einen Namen gemacht - beispielsweise mit dem "Eismann"-Heimdienst und den "Möwenpick"-Spezialitäten. Die Nürnberger Schöller-Gruppe setzte im Geschäftsjahr 1997/98 rund 2,7 Milliarden Mark um - drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Knapp die Hälfte des Umsatzes entfällt auf das Eiskremgeschäft, mit dem Schöller im Inland einen Marktanteil von 34 Prozent hält. Die andere Hälfte der Einnahmen geht zum großen Teil auf das Konto der Tiefkühlprodukte.

Die Werkzeuge im Detail

Fünf Anwendungsbereiche wird Schöller mit Hilfe der Manugistics-Software abdecken:

- Für die Absatzplanung und Prognose kommt das Tool "Demand Planning Extended Edition" (DP/EE) zum Einsatz.

- Bestands-Management, Distributionsplanung und Produktions-Grobplanung sind die Domäne der Komponente "Constraint-based Master Planning" (CBMP).

- Die Feinplanung der Produktion soll mit Hilfe der Funktion "Advanced Manufacturing Scheduling" (AMS) optimiert werden.

- Aufgabe des "Supply Chain Navigator" ist es, Schöller bei der strategischen Planung zu unterstützen.

- Zum Datenaustausch mit der betrieblichen Standardsoftware dienen schließlich die von Manugistics entwickelte Schnittstellen-Software "Open Application Integration" (OAI) sowie ein "SAP-Plug-in", das von der Oberon Software Inc., Cambridge, Massachusetts, entwickelt wurde.