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Nach WLAN kommt Wimax


19.03.2004 - 

Schneller Datenfunk für die City

MÜNCHEN (hi) - Kaum haben sich die Anwender an Abkürzungen wie WLAN, Wifi, WEP oder WPA gewöhnt, da propagiert die Industrie die nächste Wireless-Technologie: Noch Ende 2004 soll erstes Wimax-Equipment auf den Markt kommen. Der regionale Datenfunk soll Transferraten von bis zu 70 Mbit/s erzielen.

Hinter dem neuen Kürzel Wimax verbirgt sich ein alter Bekannter: der IEEE-Standard 802.16, der als a-Variante bereits vor längerer Zeit verabschiedet wurde. Aufgrund von Interoperabilitätsproblemen und wegen des hohen Preisniveaus offerieren allerdings nur wenige Exoten wie etwa Redline entsprechende Geräte.

Hinter Wimax, das noch im dritten Quartal 2004 als IEEE-Standard 802.16d verabschiedet werden soll, steht nun laut Dan Sweeney, Director Business Development bei Intels Broadband Wireless Division, der Plan, den Erfolg von Wifi zu wiederholen. Ähnlich wie das Wireless LAN erst ins Fliegen kam, als sich die Hersteller in der Wifi-Alliance auf gemeinsame Kompatibilitätsanforderungen einigten, soll die Industrievereinigung Wimax dies für die MAN-Varianten der breitbandigen Funktechnik gewährleisten.

Glaubt man Intel-Manager Sweeney, dessen Unternehmen unter dem Codenamen "Rosedale" an ersten Wimax-Chipsätzen arbeitet, hat der neue Funkstandard eine Reichweite von etwa 20 Meilen und wartet im Maximalfall mit Bandbreiten von bis zu 70 Mbit/s auf. Die hohen Übertragungsraten erzielt Wimax dadurch, dass verglichen mit dem Standard 802.11, ein breiteres Frequenzband von 20 Megahertz verwendet wird. Weitere Spielarten sind 35 Mbit/s bei 10 Megahertz und 15 Mbit/s mit rund 5 Megahertz. Als verwendete Frequenzen stehen dabei der 2,5-Gigahertz-Bereich sowie die Bänder im 3,5- und 5,8-Gigahertz-Spektrum zur Verfügung. Angesichts der Reichweite und verfügbaren Bandbreiten sieht Sweeney für Wimax drei typische Einsatzgebiete: Zum einen Märkte, in denen sich der Bandbreitenbedarf schnell entwickelt, aber keine Telefon-Kupferkabel-Infrastruktur für DSL vorhanden ist. Zum anderen sei die Technologie eine Alternative für ländliche Gebiete, in denen DSL für die Carrier zu teuer ist und sich für den Anwender der Internet-Zugang via Satellit aufgrund der Telefonleitung als Rückkanal nicht rechnet. Ferner sei Wimax auch für Internet-Service-Provider interessant, denen etwa die Miete für die Teilnehmeranschlussleitung der Deutschen Telekom zu hoch ist, um eigene Dienste wirtschaftlich zu offerieren. Angesichts dieses Einsatzpotenzials ist Paul Otellini, President und COO von Intel, überzeugt, dass Wimax sich in zwei bis vier Jahren ähnlich ausbreitet wie die WLAN-Technik heute.

Anfangs hohe Einstiegspreise

Diese Zeit wird Wimax auch benötigen, um sich am Markt durchzusetzen, denn der Investitionsaufwand ist anfangs beträchtlich. Sweeney beziffert die Kosten für eine Basisstation auf 40000 bis 250000 Dollar und das Customer Premise Equipment (CPE), also die Sende- und Empfangstation beim Endanwender, dürfte zwischen 300 und 500 Dollar liegen. Doch bereits 2005, so die Prognose des Intel-Manns, sinken die Preise für das CPE auf 150 Dollar. Eine Basisstation siedelt er dann in der Preisregion zwischen 10000 und 20000 Dollar an. Ferner sind im nächsten Jahr vermutlich erste Basisstationen für Pico-Zellen um die 2500 Dollar erhältlich. Mit diesen lassen sich dann, vereinfacht ausgedrückt, große Hotspots aufbauen, die wohl eine Reichweite von ein bis zwei Meilen haben. Allerdings warnt Sweeney vor dem Trugschluss, dass Wimax damit die bisherigen WLANs ablöst. Aufgrund der benutzten hohen Frequenzen durchdringen die Funkwellen nämlich keine massiven Mauern. Ferner, so unterstreicht der Intel-Manager seine Argumentation, sind die ersten Wimax-Antennen nur für den Einsatz im Freien konzipiert und müssen etwa an der Hauswand installiert werden. Ein Szenario, in dem dann ein Wimax-Router erforderlich ist, um innerhalb eines Gebäudes den Datenverkehr per WLAN weiterzuverteilen.

Die Entwicklung bis 2006

Für 2006 rechnet Sweeney schließlich mit Wimax-Preisen, die sich dem Niveau von heutigem WLAN-Equipment annähern. Karten zum Wimax-Empfang sollen bei rund 100 Dollar liegen, während sich die Kosten für eine Wimax-Pico-Zelle mit unter 1000 Dollar in den Preisregionen professioneller WLAN-Access-Points bewegen. Eine Basisstation dürfte dann um die 10000 Dollar kosten.

Zu diesem Zeitpunkt soll die Wimax-Technik so weiterentwickelt sein, dass das CPE keine Freiluftantenne ist, sondern als PC-Card hergestellt werden kann oder gleich im Chipsatz der Notebooks integriert wird. Fortschritte, die besonders in Kombination mit dem für 2005 erwarteten IEEE-Standard 802.16e interessant sind. Diese Spezifikation ermöglicht nämlich auch bei Wimax ein Roaming zwischen den einzelnen Funkzellen. Damit wäre der Wimax-Anwender zumindest in den Großstädten beweglich. Spinnt man diesen Gedanken weiter, dann liegt eigentlich eine Kombination von Wimax mit Voice over IP auf der Hand, um mobiles Telefonieren zu ermöglichen. Sweeney zufolge arbeiten Intel-Ingenieure im Labor bereits an Chipsätzen für die übernächste Handy-Generation, die sowohl GSM, UMTS, WLAN als auch Wimax unterstützen. Wimax könnte sich dann in den Großstädten als breitbandiges Funk-Access-Medium etablieren, während UMTS in der Fläche als Übertragungsmedium dient.

Wimax und UMTS

Gegenargumente, wie Wimax sei aufgrund seiner Charakteristik als "Shared Medium" gar nicht in der Lage, so viele Anwender wie UMTS zu versorgen, kontert Sweeney mit einem Hinweis auf die Skalierbarkeit der Technologie. Seinen Worten zufolge lässt sich die Abstrahlung der Antennen durch eine geschickte Einteilung in Sektoren so segmentieren, dass mehr User bedient werden können.

Vor dem Hintergrund der Fortschritte in Sachen VoIP, auf der CeBIT wird beispielsweise auf mehreren Ständen die Telefonie im Hotspot demonstriert, ist die Meinung von Intels President Otellini nur schwer nachzuvollziehen, dass Wimax keine Konkurrenz für UMTS sei. "Wimax ist für Daten optimiert, UMTS für die Sprachübertragung", betont Otellini. Böse Zungen spekulieren darüber, ob Otellini deshalb in falscher Bescheidenheit das Wimax-Potenzial herunterrede, um potenzielle Kunden aus dem Mobilfunkbereich nicht zu verärgern. Die Chipschmiede will nämlich mit der neuen Prozessorfamilie "Hermon" groß mit den Handy-Herstellern ins Geschäft kommen.

Plus - Minus

+ Breitbandige Funktechnik mit hoher Flächenabdeckung;

+ DSL-Alternative in ländlichen Gebieten;

+ Ersatz für den entbündelten Teilnehmeranschluss;

+ erlaubt Aufbau von "Riesen"-Hotspots;

+ höhere Datenraten als bei UMTS.

- Junge Technik;

- anfangs hohe Investitionskosten;

- Frequenzbänder noch nicht in allen Ländern frei;

- Funktionen wie Roaming noch nicht definiert.

Abb: Für die mittlere Distanz

Wimax schließt bei den Funkstandards die Lücke zwischen Funk-LANs und UMTS. Quelle: Intel