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30.01.1981 - 

Anwenderbericht Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen:

Schneller Tagesstart mit Auto-Operator

ETTLINGEN (ub) - In ihrem Gutachten "Weiterentwicklung der Gemeinsamen Kommunalen Datenverarbeitung (GKD)" registriert die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) eine gewisse Tendenz der Kommunen zu eigenen Rechenzentren. Die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen liefern ein Beispiel dafür, daß für den eigenen Computer sowohl funktionelle als auch wirtschaftliche Gründe sprechen und mit Standard-Software auch individuelle Anwenderwünsche abgedeckt werden können. Eingesetzt ist das System "EVU" des Ettlinger Softwarehauses Schleupen. Das "Gemeindeprogramm" läuft auf einer MAI-Anlage.

Die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen sind ein Eigenbetrieb des gleichnamigen Kurortes zu Füßen des Wettersteinmassivs. Die Einwohnerzahl von 28 000 ist schon seit Jahren nahezu konstant und damit auch die "Geschäftsgrundlage" der Gemeindewerke. Das kommunale Versorgungsunternehmen hat fünf Betriebszweige zu verwalten: Strom (17 000 Zähler), Wasser (etwa 5000 Zähler), Verkehr (12 Omnibusse, die ein Streckennetz von 22 Kilometer Länge befahren), Hallen-Freibad (mit der größten Wasserfläche Europas) und Olympia-Eisstadion. Organschaftlich mit den Gemeindewerken verbunden und ebenfalls abzurechnen ist die Wank-Bahn Aktiengesellschaft, die zwei Großkabinenbahnen, eine Kleinkabinenbahn, zwei Sessellifte und 12 Schlepplifte betreibt.

Einige Daten zum DV-Mengengerüst der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen: Materialwesen: 3000 Artikel (je 1500 für die Betriebszweige Strom und Wasser, durchschnittlich 1500 Materialbewegungen monatlich); Finanzbuchhaltung: rund 5000 Bewegungen monatlich; Auftragsabrechnung: etwa 1800 "laufende" zu verwaltende Aufträge; Kostenstellenrechnung mit Betriebsabrechnungsbogen; 300 Kostenstellen; Lohnverteilung: um die 250 Mitarbeiter, davon 160 bei den Gemeindewerken und 90 bei der Wank-Bahn; Verbrauchsabrechnung: rund 22 000 Zähler.

Als sich die Gemeindewerker vor gut drei Jahren erste Gedanken wegen eines eigenen Computers machten, hatte das kommunale Versorgungsunternehmen folgenden DV-Status: Über EDV außer Haus (in zwei verschiedenen Rechenzentren) würden Verbrauchsabrechnung, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie Materialbuchhaltung verarbeitet. Auf einem Buchungsautomaten machte man die Finanz- und die Anlagenbuchhaltung. Manuell erledigten die Gemeindewerker die Kostenstellen- und trägerzuordnung der Löhne und Gehälter, die Kostenstellenrechnung mit BAB, die Auftragsabrechnung, die Erfolgsrechnungen der EBV, die Bilanz, die Vermögensplan-Überwachung und die Umsatzsteuer-Voranmeldung.

Den Anstoß zur Reorganisation der betriebliche DV gab vor allem das Bedürfnis nach kurzfristigen Erfolgsrechnungen, die in den meisten Betriebszweigen nur durch den Einsatz maschineller Hilfsmittel "machbar" waren. Zudem zeigte der Buchungsautomat starke Alterserscheinungen. Für die grundsätzliche Entscheidung zwischen EDV außer Haus und eigenem Computer machten die Gemeindewerke Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die für die Intern-Variante sprachen. Ein weiteres Kriterium pro eigene DV war der hier mögliche unmittelbare direkte Zugriff zu allen abgespeicherten Daten.

Rund zwei Jahrzehnte Erfahrung mit der EDV außer Haus setzten die Gemeindewerke in die Lage, bei der Systemauswahl die Software zu beurteilen. Für den Hardware-Vergleich schaltete man zwei Gutachter ein, die aufgrund eines auf einer Ist-Analyse und eines Soll-Konzeptes basierenden Anforderungsprofils geeignete Systeme vorschlugen und Daten für einen Vergleich des organisatorischen Spielraums und des Preis-/Leistungsverhältnisses lieferten.

Die Entwicklung eines eigenen integrierten Programmpaketes war aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Die Hardware-Hersteller wurden daher immer gleich auf Standard-Software "abgeklopft", die auf die Bedürfnisse der Versorgungswirtschaft zugeschnitten ist. Von den zehn kontaktierten Herstellern mußten da gleich sechs passen. Die Entscheidung fiel schließlich nur noch zwischen zwei Anbietern. Das Tandem MAI/Schleupen machte schließlich fast vorwiegend unter Software-Gesichtspunkten das Rennen. Das dem EVU-Programmpaket zugrunde liegende Organisationskonzept entsprach weitgehend der vorhandenen Organisationsstruktur der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen. Individuelle Anwenderwünsche konnten mit relativ wenig Modifizierungsaufwand berücksichtigt werden. Zudem konnte man sich von der Praxisnähe der Problemlösungen bei anderen Anwendern überzeugen. Mitarbeiter der Gemeindewerke besuchten die Stadtwerke Elmshorn und Rendsburg und ließen sich dort die bereits implementierten Programme vorführen. Ferner sprachen sie mit den zuständigen Sachbearbeitern und waren so sicher, nicht die berühmte "Katze im Sack" zu kaufen.

Für den Umstieg auf einen eigenen Computer waren bei dem angehenden Anwender gute Voraussetzungen vorhanden. Durch die teilweise schon DV-gemäße Organisation reduzierte sich der Umstellungsaufwand erheblich. Und im Materialwesen konnten die beim externen Rechenzentrum vorhandenen Stammdaten konzertiert und damit eins zu eins übernommen werden. Die Gemeindewerke ließen sich außerdem von der Erkenntnis leiten, je besser die eigenen Vorarbeiten, desto geringer der Umstellungsaufwand. Ein Sprecher: "Wichtiger als DV-Spezialwissen ist hier Organisationssachverstand." Aufgrund des Anforderungsprofils wurde jeweils im Detail entschieden, wo sich der Betrieb dem Computer anzupassen hatte, und wo die Programme modifiziert werden mußten.

Umstellung in Etappen

Die der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, vollzieht sich in Etappen, wobei jeweils ausreichend Zeit für Paralelläufe mit, dem vorher praktizierten Verfahren eingeplant wird. Noch im Monat der Installation des Systems (November 1978) wurden die ersten Dateien eröffnet. Inzwischen implementiert sind die Programme für das Materialwesen, die Finanzbuchhaltung, die Auftragsabrechnung, die Kostenstellenrechnung mit Betriebsabrechnungsbogen, die Kostenstellen- und -trägerzuordnung der Löhne und Gehälter und die kurzfristigen Erfolgsrechnungen sowie die Vermögensplan-Überwachung und die Anlagenbuchhaltung. Die Umstellung der Verbrauchsabrechnung ist zum Januar 1981 vorgesehen. Dabei wird gleichzeitig die rollierende Jahresabrechnung eingeführt. Das Programmmsystem "JVA" (Jahresverbrauchsabrechnung) ist bereits installiert und wird zur Zeit von den Gemeindewerken mit Hilfe von eigenen Testdaten auf eventuell erforderliche Anpassungen und Ergänzungen geprüft. Noch einige Zeit auf sich warten lassen dürfte die Umstellung der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Sie ist durch die vielen Betriebszweige die teilweise für die teilweise für kommunale Versorgungsunternehmen typisch sind (Bergbahnen), und die dadurch erforderliche Berücksichtigung unterschiedlicher Tarifverträge etwas problematisch.

Die ursprünglich installierte MAI-Anlage wurde zwischenzeitlich aufgestockt. Jetzt ist ein Modell 730 mit 96 KB Anwenderspeicher, zwei Magnetplattenlaufwerken von je 80 MB, einem Matrixdrucker (Leistung 300 Zeilen pro Minute) und sieben Bildarbeitsplätzen installiert.

"EVU" für kommunale Versorgungswirtschaft

Das Standard-Programmsystem "EVU" des Softwarehauses Leo Schleupen Systemanalyse GmbH ist auf die DV-Bedürfnisse kommunaler Versorgungsunternehmen zugeschnitten, die in der elektronischen Datenverarbeitung autark oder im Verbund mit einem Rechenzentrum arbeiten wollen. Sie wurden inzwischen schon bei 14 verschiedenen Stadtwerken implementiert. Vier weitere kommunale Versorgungsunternehmen befinden sich gerade in der Umstellungsphase. Durch seinen modularen Aufbau ermöglicht es "EVU"

dem Anwender, eine Art Menü-Auswahl zu treffen beziehungsweise die Programme schrittweise zu implementieren, wobei das Konzept einer integrierten Gesamtlösung erhalten bleibt. Die Programme sind mandantenfähig. Der Kontenplan ist frei gestaltbar. Zuordnungen zu Buchungsperioden werden durch Parameter gesteuert. Die Programme der JVA sind so ausgelegt, daß innerhalb des Systems die einzelnen Stammdaten nicht nach Betriebszweigen getrennt werden müssen und über eine Datenbank ein Kundeninformations-System realisiert werden kann. Ändern sich Abrechnungsparameter (etwa Arbeits- oder Grundpreise), so werden die Verbräuche ohne Ablesung anhand von Gewichtungstabellen tagegenau abgegrenzt. Die Bestabrechnung nimmt automatisch die Einstufung des Kunden in den jeweils für ihn günstigsten Tarif vor.

Ein von Schleupen entwickelter "Auto-Operator" auf Software-Basis führt den Bediener vom Tagesstart bis zur Beendigung der Arbeiten durch das gesamte System und macht besonders geschultes EDV-Personal überflüssig.

In CW 37 vom 12. September 1980 vertritt Heinrich Adolphs, Verwaltungsrat bei der Kreisverwaltung Siegburg, die Ansicht, es gebe noch nicht in ausreichendem Maße ausgereifte Programmpakete für kommunale Aufgaben. Die Gemeindewerke Garnisch-Partenkirchen sind da anderer Ansicht. Das gilt auch für die Jahresverbrauchsabrechnung, wie man sich bei den Stadtwerken Landshut überzeugt hat. Der Anwender ist mit der vom Softwarehaus Schleupen gelieferten Benutzer-Software rundherum zufrieden. Er hat im Rechnungswesen keine Zeitprobleme mehr. Das trifft auch für den Jahresabschluß und die kurzfristigen Erfolgsrechnungen der verschiedenen Betriebszweige zu. Organisatorisch vorteilhaft macht sich der Nutzen der integrierten DV bemerkbar, die zu einer besseren Koordination innerhalb des Rechnungswesens geführt hat. In einem kurzen Exposé über ihre hauseigene EDV-Organisation stellen die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen fest: "Bezüglich der bereits übernommenen Programme kann unsererseits gesagt werden, daß unsere Entscheidung richtig war. Wir würden sie wieder so treffen."