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Interview

"Schnelles Wachstum ist die einzig wahre Strategie"

07.01.2000
Mit William Coleman, CEO und Mitbegründer von Bea Systems, sprachen die CW-Redakteure Sascha Alexander und Hermann Gfaller

CW: Sie sind mit Ihrem Ruf als Tuxedo-Company nicht mehr zufrieden. Was ist schlecht daran, ein Transaktionsspezialist zu sein?

Coleman: Nichts. Unsere Bemühungen gelten dem Ziel, uns als E-Business-Transaktions-Company zu etablieren. Wie die Bezeichnung signalisiert, gehören Transaktionssysteme weiter zu unseren Kernkompetenzen, aber wir wollen zeigen, dass wir diese Funktion auch für den E-Commerce anbieten können.

CW: Ihre Corba-Technik soll nicht für große Transaktionslasten geeignet sein...

Coleman: Die Konkurrenten machen sich Sorgen und streuen daher solche Gerüchte. Amazon nutzt unsere Software, und das ist kein Leichtgewicht. Wir haben kein Qualitätsproblem.

CW: Was macht Sie so sicher?

Coleman: Seit über einem Jahr messen wir die Corba-Version, bei der Anwendungen mit Tausenden von Transaktionen für eine ähnlich hohe Zahl von Benutzern verwendet werden. Ähnliche Tests haben wir für Enterprise Java vorgenommen. Es funktioniert.

CW: Bea ist erst seit 1995 im Geschäft und hat bereits 24 Firmen gekauft. Wofür?

Coleman: Zuerst ging es darum, ein Produktpaket zu schnüren, das technologisch an der Spitze steht, und es dann zu erweitern. Zur ersten Gruppe gehören das Transaktionssystem "Tuxedo", das wir 1996 erwarben, der Web-Applikations-Server "Weblogic" 1998 und dieses Jahr EJB-Technik von The Theory Center. Andere Techniken wie das Transaktionssystem "Topend", die Corba-Implementierung von Digital oder die Techniken für Enterprise-Integrations von Neon haben wir gekauft, um die obigen Kernkompetenzen zu erweitern. Der große Rest der Akquisitionen dient dem Ausbau unserer Vertriebskanäle und der Servicekapazitäten.

CW: Kürzlich haben Sie die Web-Entwicklungswerkzeuge Ihres Partners Symantec gekauft. War das nicht unnötig?

Coleman: Wir hatten gehofft, daß der Tools-Markt für Applikations-Server sich offen gestalten würde. Doch inzwischen wurden immer mehr Entwicklungswerkzeuge aufgekauft und gewinnen so eine strategische Bedeutung als Lock-in-Technik. IBMs "Visual Age" funktioniert viel besser mit IBM-Produkten als mit anderen. Bei Sun ist das ähnlich.

CW: Sie haben sich also auch ein Lock-in-Werkzeug gekauft?

Coleman: Nein. Wir hatten Angst, dass ein Konkurrent uns unser Tool wegkauft. Wir wollen weiterhin für einen offenen Tools-Markt werben. Deshalb haben wir für die Symantec-Produkte eine eigene Firma gegründet.

CW: Stehen weitere Käufe an?

Coleman: Klar, wir werden in Zukunft noch intensiver akquirieren als bisher. Wir haben gerade unsere Kriegskasse um 450 Millionen Dollar auf rund 800 Millionen Dollar aufgestockt. Momentan suchen wir Integrationstechniken, Erweiterungen der Komponentenpalette von The Theory Center für neue Märkte, XML-Firmen und zusätzliche Dienstleister. Das sind nur Beispiele.

CW: Das klingt, als ginge es Ihnen vor allem darum, mit aufsehenerregenden Übernahmen Aktionäre anzulocken.

Coleman: Genau das ist unser Geschäftsmodell, wie wir es uns bei Cisco Systems abgeschaut haben.

CW: Was heißt das?

Coleman: Das E-Commerce-Geschäft dehnt sich explosionsartig aus, und die Gewinner sind die Firmen, die das größte Wachstum aufweisen, den größten Marktanteil erringen und die meisten Aktionäre für sich gewinnen. Amazon.com ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.

CW: Das Unternehmen hat bislang nur Verluste erwirtschaftet.

Coleman: Das gilt auch für die ersten Jahre von AOL und Yahoo, die heute ihre Marktsegmente dominieren.

CW: Und so soll es auch bei Bea sein?

Coleman: Nehmen Sie den Markt für Web-Applikations-Server. Dort halten wir einen Anteil von 70 Prozent, die IBM folgt mit 17 Prozent und Sun mit etwa drei Prozent, die restlichen Anbieter zählen nicht mehr. Aus meiner Sicht haben IBM und Oracle den Zug längst verpasst. IBM findet keine Kunden, und Oracle hat keine Produkte.

CW: Und Sie glauben, mit E-Commerce den richtigen Weg für Bea eingeschlagen zu haben?

Coleman: Ja. Im kommenden Jahrzehnt wird jede geschäftlich genutzte Software durch im Netz laufende Programme ersetzt werden. Dabei werden Web-Applikations-Server die gleiche Rolle spielen wie Windows für PCs.