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31.01.1975 - 

Anschluß von Fremdterminals

Schnittstelle V 24, aber kompatibel ?

In folgendem Artikel wird versucht, einen methodischen Weg zum Anschluß von Fremdterminals aufzuzeigen. Es wird gezeigt, wo Schwierigkeiten zu erwarten sind und wie ihnen der Anwender begegnen kann.

Die dezentrale Erfassung von Daten und deren Übertragung zum zentralen Rechner gewinnt laufend an Bedeutung. Leider haben es die meisten Hersteller größerer Systemfamilien versäumt, selbst leistungsfähige Remote-Terminals zu entwickeln, so daß der Anwender gezwungen ist, sich mit dem Problem der Kompatibilität auseinanderzusetzen.

Durch verschiedene Normungsausschüsse (CCITT, ISO, ECMA) würden Normen und Empfehlungen erarbeitet mit dem Ziel, die Kompatibilität auf dem Gebiet der Datenfernübertragung zu gewährleisten. Mit der Empfehlung V24 wurden die funktionellen und elektrischen Eigenschaften der Schnittstelle zwischen MODEM und Terminal definiert. In jeder Gerätebeschreibung wird von den Terminalherstellern auf das Vorhandensein der Schnittstelle hingewiesen und der Anwender glaubt im Frühstadium der Planung, es gäbe keine Schwierigkeiten.

Das Schinttstellenproblem MODEM/Terminal ist aber meist von sekundärer Bedeutung, die Schwierigkeit liegt in der Kompatibilität zum Rechner. Das echte Bindeglied zwischen Rechner und Terminal ist die Datenübertragungsprozedur.

Anhand eines Beispiels sollen im folgenden die wesentlichen Punkte aufgezeigt werden die bei Einsatz eines Fremdterminals zu beachten sind.

Pflichtenheft aufstellen

Wie die Erfahrung zeigt, ist es zweckmäßig, einen Anforderungskatalog (Pflichtenheft) zu erstellen, wobei die Eigenschaften und Möglichkeiten des vorhandenen Rechnersystems zu berücksichtigen sind. Selbstverständlich müssen auch die Bestimmungen der DBP in die Überlegungen einbezogen werden. Der Anforderungskatalog muß mit dem terminalanbieter in allen Details diskutiert werden. Im folgenden das Beispiel:

Erfassen der Daten in den dezentralen Stellen:

In den dezentralen Stellen sollen Daten off line erfaßt und auf einem Datenträger - Magnetbandkassette, Magnetband oder Magnetplatte - gesammelt werden.

Bei der Erfassung sollen geprüft werden:

Formatgerechte Dateneingabe, Feldeigenshaften numerisch und alphanumerisch, Prüfziffer und in beschränktem Umfang logische Prüfungen. Während des Erfassungsvorgangs müssen alle Daten eines logischen Satzes - max. 250 Stellen bis zur vollständigen Prüfung sichtbar sein.

Übertragung der Daten zum Rechenzentrum:

Alle in den dezentralen Stellen erfaßten Daten müssen zu bestimmten Zeiten per Datenfernübertragung zum Rechenzentrum übertragen werden.

Rückübertragung vom Rechenzentrum zu den dezentralen Stellen:

Rückzuübertragende Daten werden von den dezentralen Stellen beim Rechenzentrum abgerufen. Die Übertragung soll nach folgenden Konventionen erfolgen:

1 Druckerzeile = 1 logischer Satz

1 Block = n logische Sätze.

Maximale Blockgröße: 2048 Byte.

Die Daten werden verdichtet übertragen und müssen in der Empfangsstation entdichtet werden. Dabei müssen alle Sende- bzw. Empfangsstationen dialogfähig sein. Die technische Konzeption wird durch eine Skizze der vorhandenen Rechnerkonfigurationen und einer Erläuterung der System-Software dargestellt.

Leitungsart: Fernsprech-Wählleitung.

Übertragungsgeschwindigkeit: 2400 bit/s, bei schlechter Leitungsqualität soll die Umschaltung auf 1200 bit/s möglich sein.

Betriebsart: Halbduplex.

Code: CCITT Nr. 5 (ISO-7Bit-Code) .

Gleichlaufverfahren: Synchron.

Sicherungsverfahren: Block- und Zeichensicherung.

Verkehrsart: Punkt zu Punkt.

MODEM: D2400S.

Datenübertragungsprozedur: MSV1

Leitungsprogramm: AMS1

Der Verbindungsaufbau von den dezentralen Stellen zum Rechenzentrum erfolgt durch manuelle Anwahl der 4 Servicestellen (Servicestellen = Anwählbare Rufnummer). Die Anschaltung der MODEM im Rechenzentrum erfolgt automatisch (AAE).

Der Verbindungsaufbau vom Rechenzentrum zu den dezentralen Stellen erfolgt durch manuelle oder automatische Wahl. Unbedienter Betrieb mit automatischer Anschaltung des Terminals, Automatische Anschaltung der MODEM in den Außenstellen.)

Eventuell muß das Prozedur-Handling ausführlich beschrieben werden.

Erfahrung entscheidet

Bei der Auswahl der Anbieter sollte die Erfahrung der Hersteller ein wesentliches Kriterium sein. Einige wenige können jeden Anschluß innerhalb weniger Wochen realisieren, andere, vorwiegend Hersteller von Fakturierautomaten, die als Remote-Terminals umgerüstet wurden, benötigen einen wesentlich längeren Zeitraum. Wird ein Gerät eines weniger erfahrenen Anbieters gewählt, so sollte der Kauf beziehungsweise die Anmietung vom Erfolg eines Anschlußtestes zwischen dem Hersteller des zentralen Rechners und dem Terminalhersteller abhängig gemacht werden. Führt der Anwender den Anschlußtest selbst durch, so trägt er einen nicht unwesentlichen Teil der Kosten (Anlagennutzung, Leitungskosten usw.). Während der Installationsphase ist ein Ablaufverfolger (auch Spion genannt) - ein Gerät, das den gesamten Datenverkehr inklusive Steuerzeichen protokolliert, fast unerläßlich. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die ersten Versuche der Datenübertragung zwischen Terminal und Rechner im zentralen Rechenzentrum durchzuführen. Durch den direkten Kontakt der beiden Partner kann manches Mißverständnis sofort ausgeräumt werden, außerdem entfallen die Leitungskosten. Der Test sollte aber unter Einbeziehung der MODEM erfolgen. Verläuft der Test erfolgreich, kann das Terminal an seinem endgültigen Standort installiert werden.

Der Anschluß von Fremdterminals ist möglich, erfordert aber einigen Aufwand. Die Erfahrung des Terminalherstellers ist von großer Bedeutung. Das Terminal muß in jedem Anwendungsfall auf die Eigenschaften und Möglichkeiten des jeweiligen zentralen Rechners abgestimmt werden. Auf die Erstellung eines Anforderungskataloges sollte in keinem Fall verzichtet werden.

Hans Ringmair ist Beauftragter für Hardwareplanung im Hause OSRAM.