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26.03.1976 - 

Software-Normung aus der Sicht der öffentlichen Hand

Schnittstellen im Brennpunkt

26.03.1976

KÖLN - "Wir werden mit den heutigen Programmiersprachen auch in der nächsten Zukunft leben - nach und nach immer weniger mit Assembler, wohl aber mit Cobol, Fortran, PL/1 und RPG", erklärte Ministerialrat Dr. Werner Ruckriegel vom nordrhein-westfälischen Innenministerium bei der AWV-Fachtagung "Organisation und Technik im modernen Büro". "Ich stehe mit Skepsis der Vorhersage gegenüber, es würden sich sehr bald neue, benutzernahe Programmiersprachen durchsetzen, mit denen die an der Problemlösung Interessierten unter Ausschaltung der Berufsprogrammierer selbst programmieren können."

Ruckriegel begründete seine Ansicht damit, daß Cobol-Compiler heute im Vergleich zu früheren Versionen eine bis zu 15fache Arbeitsgeschwindigkeit erreichen. Außerdem seien Cobol und Fortran weitgehend standardisiert oder normiert und kämen damit dem Wunsch nach Übertragbarkeit der Programme entgegen.

"Daß PL/1 sich trotz bekannter Vorzüge bei manchen Gemeinschaftsprojekten der öffentlichen Hand nicht als Programmiersprache durchgesetzt hat, liegt an seiner Affinität zu IBM und damit an der mangelnden Standardisierung", erklärte Ruckriegel. Die Bedeutung der Standardisierung im öffentlichen Bereich erläuterte er am Beispiel des Statistischen Landesamtes von Nordhrein-Westfalen: Nur 20 bis 30 Prozent der benutzten Programme wurden selbst erstellt - der Rest im Programmierverbund aus anderen Bundesländern bezogen.

Das Problem der Übertragbarkeit von Programmen werde durch den Einsatz von Datenbank- und Datenkommunikationssystemen noch verschärft. Die Entscheidung für ein einheitliches Datenbanksystem bei der öffentlichen Hand sei - so Ruckriegel - weder erreichbar noch erstrebenswert. "Und auf die Normung von DB-Systemen durch ein internationales Gremium können wir nicht warten."

Wenig Optimismus zeigte der Ministerialrat im Hinblick auf die "kompatiblen Schnittstellen", die mit BMFT-Förderung entwickelt wurden. Grundgedanke: Man verzichtet darauf, die DB/DC-Systeme direkt anzusprechen, sondern kommuniziert ausschließlich über Schnittstellen - im Anwenderprogramm sind einheitliche Aufrufe enthalten. Ruckriegel: "Bei Einsatz von standardisierten Lösungen wird die Kostenersparnis bei der Programmentwicklung oft mit verlängerten Laufzeiten bezahlt. Es ist noch nicht sicher, welche Perspektiven sich für die geplanten DB-Schnittstellen aus der Tatsache ergeben, daß Systeme mit völlig unterschiedlicher Struktur auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden - und man damit zwangsläufig auf die Ausnutzung systemspezifischer Vorteile verzichten muß." -py