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21.11.1986 - 

Ausbildungsberufe an Markterwartungen angleichen:

Schnittstellen-Jobs zwischen Industrie und Anwender

Im nächsten Jahrzehnt werden rund eine Million DV-Cracks benötigt - in der DV selbst und in ihren peripheren Sektoren. Der Umschulung von qualifizierten, den Anforderungen des Arbeitsmarktes jedoch nicht angepaßten Akademikern auf Tätigkeiten im Bereich "Neue Techniken" kommt deshalb wachsende Bedeutung zu. Mit Alternativen in ihren Konzepten wollen Schulungsinstitute zunehmend den marktgängigen Erwartungen gerecht werden. Lernziele sind etwa der Organisationsinformatiker wie auch der DV-Fachjournalist.

Wer die Zahlen der von der Bundesregierung beauftragten Enquente-Kommission kennt, daß nämlich ab 1990 von zirka 25 Millionen Berufstätigen der Bundesrepublik

- 50 Prozent direkt mit Computern zu tun haben werden,

- 15 Prozent programmieren können sollten,

- 5 Prozent als Software-Spezialisten,

muß man sich fragen: Woher nehmen und nicht stehlen?

In der gesamten bundesdeutschen EDV-Industrie arbeiten zur Zeit etwa 560000 Menschen. Das sind etwa 10 Prozent des Bedarfs von 1990. Allein an DV-Cracks werden bis dahin mindestens eine Million Menschen benötigt, von denen es im Moment bei größter Großzügigkeit vielleicht 250000 Mitstreiter gibt.

Auf der anderen Seite werden die technischen Anforderungen immer stärker und die DV-Systeme immer komplexer. Je früher weitsichtige Betriebe diese Probleme für sich lösen, um so besser werden sie den Run auf die knappe Ressource DV-Manpower bewältigen. Bereits heute werden in der Firmenlandschaft DV-Experten gegenseitig für etwa 80000 Mark abgeworben. Monatelange Einarbeitungszeit, Integrationsprobleme mit bestehenden Teams, Identifikationsschwierigkeiten mit der neuen Firma und vieles mehr werden dabei wie selbstverständlich in Kauf genommen.

An eine systematische DV-Nachwuchsförderung denken heute die wenigsten Betriebe. Aber wenn erst ab 1990 die geburtenschwachen Jahrgänge kommen, werden die Schläfer teuer bezahlen müssen.

Um zur Lösung dieser Langfristproblematik beizutragen, verfolgt zum Beispiel das Computer-Bildungs-Institut (CIB) in Wiesbaden folgende Doppelstrategie:

Erstens: Für fähige Studienabbrecher ist ab Februar 1987 ein einjähriges Intensivprogramm zur Ausbildung zum Organisations-Informatiker vorgesehen. Die Ausbildung beinhaltet folgende Schwerpunkte:

- Betriebsorganisation und IDV,

- DV-Organisation,

- DV-Netzwerke,

- Großrechnersysteme,

- Industriepraktikum,

- Systemprogrammierung.

Bei bestimmten Voraussetzungen können die meisten Teilnehmer/-innen über das Arbeitsförderungsgesetz unterstützt werden.

Zweitens: Für Abiturienten wird ab Herbst 1987 folgende Alternative zum Studium angeboten:

- Kursinhalte wie beim Organisations-Informatiker.

- In etwa vierteljährigem Turnus werden die Auszubildenden in stetem Wechsel zwischen Firmenpraxis und Intensivtraining im CBI geschult und gleichzeitig in ihrer Firma systematisch integriert.

Dieses ABI-Modell (Ausbildungs-Berufe der Informationsgesellschaft) hat für Abiturienten und Studienabbrecher folgende Vorteile:

- Es ist eine Alternative zum Studium und zur konventionellen Berufsausbildung.

- Teilnehmer (TN) sind bei Berufs eintritt durchschnittlich zehn Jahre jünger als der typische Hochschulabsolvent.

- TN hat bis zum Hochschulabschluß seiner Schul- und Studienkollegen Erfahrung in Berufspraxis, ein gutes Einkommen und eine sichere Lebensstellung.

- TN ist im Jahre 2000 nicht einer von zwei Millionen arbeitslosen beziehungsweise seinem Wissen nicht adäquat beschäftigten Hochschulabsolventen.

Für die beteiligten Unternehmen ergeben sich folgende ABI-Modellvorteile:

- Vorauswahl der cleversten Kandidaten;

- Loyalität des Trainees als Gegenleistung für Ausbildungs-Chance;

- Teilnehmer sind durch Ausbildung im Firmen-Team fest assimiliert;

- Firma zahlt statt zur Zeit 80000 Mark für abgeworbenen Mitarbeiter nur 30000 bis 40000 Mark per anno für jungen Spezialisten;

- Starthilfe bei einem Modell, dessen positiven Auswirkungen noch nicht abzusehen sind.

Am Beispiel der BASF mit ihrem Angebot zur Ausbildung von Abiturienten/Trainees zum MATA (Mathematisch-technischer Assistent) kann sich jede vorausdenkende Firma ein Urteil über den Erfolg einer solchen Maßnahme bilden:

Von etwa 2500 Bewerbern wurden lediglich 128 ausgewählt. Praktisch kein Azubi/Trainee verläßt nach der Ausbildung die Firma (dies bestätigen auch andere Firmen mit ähnlichen Programmen). Das größte Problem ist die Skepsis vieler Aspiranten gegen eine Ausbildung ohne staatlichen Abschluß. Ihnen klarzumachen, daß der Ruf und der Erfolg einer Ausbildungsstätte mehr wert sind als alle Scheine unserer Scheinuniversitäten, und den zögernden Firmen klarzumachen, daß eine vernünftige Ausbildung etwas kostet - das ist die eigentliche Herausforderung.

Bisher noch ungewöhnlich ist ein Ausbildungsmix, den das Weiterbildungsinstitut für Datenverarbeitung und Organisation (Wbi) in München anbietet: den Lehrgang zum "DV-Fachjournalisten". Nach eineinhalb Jahren, so das Ziel, wird der Absolvent DV-Technik ebenso einordnen wie deren Fakten allgemeinverständlich beschreiben können.

Zunächst will Dr. Alfred Häußler, der Leiter des Wbi, dem Eindruck entgegenwirken, als handle es sich nur um eine weitere Maßnahme für arbeitslose Lehrer. Ebenso wie dieses Potential hat er bereits in herkömmlicher Technik qualifizierte Arbeitskräfte im Blick.

Damit meint er den Maschinenbau-Ingenieur ebenso wie den Architekten sowie den Sozial- oder Wirtschaftswissenschaftler.

Ihnen soll ein Lehrgang mit den Inhalten Daten- und Informationsverarbeitung sowie Fachjournalistik berufliche Chancen in einem Marktsegment vermitteln, in dem bislang kaum ein qualifiziertes personelles Angebot zu finden ist. Der Wbi-Leiter verweist auf Stellenangebote in den überregionalen Wochenendausgaben. Dort zeige sich zum einen, daß kaum ein Hersteller ohne schreibende Fachkräfte auskommt.

Zum anderen scheint gerade bei Fachverlagen eine zumindest ebenso große Lücke klaffen, kommentiert Häußler, was die technikkundige sowie die populärverständliche Vermittlung der neuen Entwicklungen etwa bei Hard- und Software betreffe.

Denn diese Fachkräfte müßten allerdings auch interdisziplinärer qualifiziert sein. Schließlich sei es auch ihre Aufgabe, den Markt mit kritischen Augen beobachten zu können. Sie sollten den Wünschen wie Nöten der Anwender ebenso gerecht werden wie den Problemen der Hersteller.

So steht auf dem Wbi-Stundenplan nicht nur Technik und "Schreiben". Den Bezug zur Praxis sollen unterschiedliche Angebote herstellen. Zunächst gehören handwerkliche Grundlagen wie Maschinenschreiben dazu. Als Lernziel sind mindestens 240 Anschläge vorgegeben, Ebenso ist nach Häußlers Meinung Fach- und Wirtschaftsenglisch ein notwendiges Rüstzeug (rund 100 Stunden), um in einer vornehmlich amerikanisch geprägten Berufswelt bestehen zu können. Qualifizierte anglo-amerikanische Sprachpädagogen mit Diplom und langjähriger deutscher Spracherfahrung sollen die Lehrkräfte sein. Grundbegriffe der Elektronik (100 Stunden) stellen wie auch eine Einführung in die Betriebswirtschaftslehre (240 Stunden) einen gewichtigen Teil des Lehrprogramms dar. Für Journalisten endet hier der Kurs, sofern sie nicht ihr Fachwissen auffrischen oder erweitern wollen.

Die beiden Säulen dieses Lehrgangs bilden jedoch die DV mit 800 Stunden und die journalistische Ausbildung mit 560 Stunden. Als Stichworte markieren EDV-Systeme von den Mainframes bis zum PC, der Aufbau der DV-Hardware und verschiedene Betriebssysteme wie etwa MS-DOS oder Unix das Unterrichtsangebot. Hinzu kommen Standardsoftware und kommerzielle wie auch technische Branchenanwendungen.

Damit der angehende Fachjournalist auch mit dem Management die gleiche Sprache sprechen kann, gehören EDV-Organisationslehre und Management-Informationssysteme (MIS) ebenfalls zum Lehrstoff. Als notwendige Ergänzung führt das Wbi-Programm DV-Rechtsfragen zum Datenschutz auf.

Journalistisches Sachwissen wie beispielsweise Medienkunde, publizistische Grundsätze und das Kapitel Verlag und Produkte sollen in den zweiten Schwerpunkt einführen, außerdem Arbeitstechniken, Informationsquellen, Archivarbeit und elektronisches Recherchieren. An Fallbeispielen aus der Praxis können dabei journalistische Darstellungsformen erarbeitet werden. Gleichzeitig will hier der Unterricht zur Arbeit in Fachverlagen und bei Tageszeitungen die Brücke schlagen. Um aber nicht nur mit dem geschriebenen Wort überzeugen zu können, schließt der Wbi-Lehrgang noch Kommunikationstraining ein. Hier soll der Teilnehmer vor allem seine Stärken und Schwächen kennenlernen, diese aus- beziehungsweise abbauen und unter anderem durch Gesprächstraining seine Darstellungsfähigkeit verbessern können.

Neben der Arbeit im Institut, die durch Exkursionen in verschiedene Hersteller- und Anwenderunternehmen ergänzt werden wird, soll nämlich die Textproduktion der Teilnehmer in einer eigenen Zeitung und in Fach- sowie Tageszeitungen die Bewertung der eigenen Kompetenz unterstützen. Schließlich wird Erarbeitetes in einem vierteljährigen Betriebspraktikum an der beruflichen Praxis gemessen.

Verlage mit modernen Arbeitstechniken sind für Häußler dafür zunächst die Ansprechpartner, um die maximal 20 Teilnehmer - bei einer größeren Zahl müßte die Unterrichtsqualität leiden - bundesweit unterzubringen.

"Doch es muß nicht der PC, es kann natürlich auch die Schreibmaschine sein", so der Wbi-Schulungsleiter.

Der Lehrgang "DV-Journalist" schließt im Weiterbildungsinstitut für Datenverarbeitung und Organisation mit einer Prüfung vor dem Fachprüfungsausschuß des Gemeinnützigen Mittelstands-Informationszentrums für Datenverarbeitung, Organisation und Technologie in München ab. Der Kurs orientiert sich in vollem Umfang an den Richtlinien des Arbeitsförderungs- und des Soldatenversorgungsgesetzes.

Informationen zu CBI: CBI, Abraham-Lincoln-Straße 22, 6200 Wiesbaden, Telefon 0 61 21/7 40 04

Informationen zum DV-Fachjournalisten im Wbi: Weiterbildungsinstitut für Datenverarbeitung und Organisation (Wbi), Leonrodstraße 68, 8000 München 19, Telefon 0 89/1 23 12 22.