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Bei Aufbereitung zentraler Produktionsdaten für die IDV:

Schnittstellenkomfort hat höchste Priorität

03.10.1986

BERLIN - Zwar sind PC in der Informationsverarbeitung großer Organisationen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Der Forderung aus den Fachabteilungen "Versorgt uns auf direkte und einfache Weise mit Produktionsdaten" indes konnten Systementwürfe bisher kaum gerecht werden. Wie organisatorische und DV-technische Aspekte auch mit Blick auf eine längere Integration mit anderen DV-Systemen realisiert wurden, beschreibt Gerhard Schiffner*.

Zur Motivation für die Einführung von individueller Datenverarbeitung (IDV) einige Stichworte: IDV ist charakterisiert durch eine dezentrale Informationsverarbeitung in den Fachbereichen mit Hilfe von Computerleistung - einem PC am Arbeitsplatz. Von dieser Entwicklung werden einerseits der Abbau eines häufig beobachteten Anwendungsstaus, andererseits eine Effizienzsteigerung in den Fachbereichen erwartet. Sie zielt weiterhin auf eine Entlastung der zentralen DV-Kapazität.

Diese allgemeinen Ziele setzen jedoch eine DV-technische lnfrastruktur voraus, die häufig vernachlässigt worden ist. Für die Akzeptanz durch die Benutzer ist zumindest eine einheitliche Benutzeroberfläche von großer Bedeutung.

Die zentral verwalteten Daten eines Unternehmens liegen häufig in einer komplizierten Struktur vor, die für den Endnutzer meist schwer verständlich und nicht direkt nutzbar ist. Beispiele hierfür sind hierarchische Strukturinformationen zu Sachdaten sowie die vielfältigen logischen Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Beständen. Daher ist hier eine eigene Schnittstelle erforderlich, die dem User ergebnisorientierte Auswahl- und Auswertungsoperationen anbietet.

Anpassung an Nutzerbedürfnisse

Im Gegensatz zu den gebündelten Datenanforderungen zentraler Anwendungssysteme sind die Anforderungen von IDV-Nutzern wesentlich vielfältiger. Abhängig von ihrem Aufgabengebiet wollen IDV-Nutzer sich beispielsweise im Dialog über neueste Daten informieren, das heißt "mal kurz reinschauen", oder aber regelmäßig mit vorher festgelegten Abzugsdaten versorgt werden. Eine solche Lieferung sollte verschiedene Möglichkeiten zur Mengenreduzierung, zum Beispiel durch Selektion und Verdichtung, einschließen.

Für die DV-technische Unterstützung bedeutet dies, einerseits komfortable Dialoge mit flexibel einsetzbaren Programmbausteinen bereitzustellen und andererseits Möglichkeiten zur Eigenprogrammierung, vorzugsweise in einer Sprache der vierten Generation, für spezielle Auswertungsfälle anzubieten.

Neben den nutzerorientierten Aspekten sind eine Reihe von betrieblichen Aspekten zu klären, die die Einbettung, von IDV in das Informationssystem eines Unternehmens betreffen. Dazu gehören

þdie Entkopplung der zentralen Produktionsanwendungen von IDV-Aktivitäten,

þeine integrierte Verbindung von PC-Arbeitsplätzen mit den zentralen Rechnern, zum Beispiel ein direkter Durchgriff,

þdie Bereitstellung und Anpassung von Software-Werkzeugen zur Weiterverarbeitung abgezogener Daten, wie etwa Statistik, Grafik und Entscheidungsunterstützungssysteme,

þdie programmäßige Realisierung von Administratorfunktionen, wie Protokollierung und Zugriffsschutz, um die Datenlieferungen überwachen zu können.

Der Systementwurf (siehe Skizze) basiert auf der Einführung einer Informationsdatenbank. Damit erfolgt die Lieferung zentraler Daten an IDV-Nutzer nicht direkt, sondern gepuffert. Dies geschieht in erster Linie zur Entkopplung zentraler Anwendungen und der zentralen Datenorganisation von IDV-Aktivitäten. Die Informationsdatenbank bietet neben dem zur Zeit vorgesehenen Abzug von Daten eine Möglichkeit zum Datenaustausch zwischen IDV-Anwendungen sowie einer weitergehenden Integration des Datenaustauschs zwischen zentralen Anwendungssystemen. In den meisten Unternehmen ist ein Datenlexikon, das in dem vorgestellten Systementwurf eine bedeutende Rolle spielt, bereits eingeführt.

Seine Einbeziehung zur Beschreibung aller beteiligten Datenbestände, Nutzersichten und Programme erlaubt einerseits eine nahtlose Integration der Schnittstellen in das bestehende Informationssystem des Unternehmens. Andererseits fördert das Datenlexikon durch eine Dialogschnittstelle zum Benutzer (die Auskunftskomponente in der Skizze) die Transparenz der vorhandenen Datenbestände.

Diese Komponente bildet die Schnittstelle zu den zentralen Datenbeständen. Sie umfaßt insbesondere Schnittstellen zu verschiedenen Dateiorganisationen wie Adabas, IMS, VSAM etc. Die Bereitstellung einzelner Objekte erfolgt periodisch zu jeweils festen Zeitpunkten in der Form von Batch-Jobs. Auf diese Weise kann die Zentralrechnerkapazität optimal genutzt werden. Die Bereitstellung umfaßt neben dem Abzug auch verschiedene Möglichkeiten zur Konsistenzprüfung der Daten sowie zur Vorab-Selektion.

Datenlieferung nach individueller Selektion

Die Lieferung stellt die Nutzerschnittstelle zu den bereitgestellten Daten dar. Sie umfaßt das folgende Leistungsspektum:

þInformationsfunktionen, die eine Erweiterung der Auskünfte aus dem Datenlexikon bezüglich der dynamischen Aspekte anbieten, wie Datenaktualität, Lieferungshistorie, etc.

þvorgefertigte Programmpakete für komplexe Abzugsoperationen, zum Beispiel Selektion und Aggregation aus Strukturinformation, Verknüpfung mehrerer inhaltlich zusammengehöriger Bestände; etc.

þindividuelle Selektion, die durch variable Auswahlkriterien eine flexible Reportgestaltung erlaubt

þOptionen zur Formattransformation der Ergebnisse, etwa zur geeigneten Weiterverarbeitung durch Software-Werkzeuge, sowie Optionen zur Zielrechnerauswahl, zum Beispiel Ablage auf dem Host oder auf einem PC. Die Verwaltung der Informationsdatenbank besteht zum einen aus einer Reihe automatisierter Tätigkeiten wie Protokollierung aller Datenzugriffe, Reporterstellung, Überwachung des Zugriffsschutzes. Die darüber hinaus anfallenden manuellen Tätigkeiten, wie (physische) Erweiterung der Informationsdatenbank, Garbage Collection, Modifikation von Zugriffsberechtigungen etc., werden über eine gesonderte Dialogschnittstelle abgewickelt.

Die höchsten Prioritäten wurden im Systementwurf der Erstellung einer komfortablen Nutzerschnittstelle sowie einer möglichst weitgehenden Integration von PC-Arbeitsplätzen eingeräumt. Daraus leitet sich vor allem die Anforderung nach Einsatz einer (Datenbank-orientierten) Sprache der vierten Generation, die sowohl auf (IBM-)Großrechnern als auch auf PCs verfügbar ist, ab.

Für diese Aufgabe wurde das Focus-System ausgewählt. Diese Auswahl basiert vorwiegend auf der Verfügbarkeit von Interfaces zu anderen Datenverwaltungssystemen. Außerdem bestach die Verfügbarkeit des Teilsystems Tabletalk, das bereits einen komfortablen Dialog zur (einfachen) Datenselektion umfaßt.

Da Focus auf Datenoperationen ausgerichtet ist, weist es bezüglich der Lösung algorithmischer Probleme eine eingeschränkte Funktionalität beziehungsweise Komfort gegenüber herkömmlichen Programmiersprachen auf. Daher wurden eine Reihe von Funktionen mit Hilfe anderer Systeme, zum Beispiel SPF, TSO-Prozeduren, Cobol-Programmen etc., realisiert. Diese Funktionen umfassen beispielsweise die physische Dateiverwaltung (Allocation, Space-Management) und komplizierte Berechnungsvorgänge. Alle Funktionen sind jedoch unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche für IDV-Nutzer und die Datenverwaltung miteinander verschaltet.

Nach einer etwa einjährigen Entwicklungs- und Einsatzphase ließ sich eine gewisse Umorientierung im Einsatzkonzept des Focus-Werkzeugs feststellen. Sie bestand darin, die Sprache nur für Aufgaben, in denen sie einen deutlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Hilfsmitteln bietet, einzusetzen: insbesondere bei rascher Erstellung einfacher Auswertungen und der Datenpflege im Dialog.

Als Schwachpunkt wurde vorrangig die schlechte Performance besonders bei der Abwicklung maskengesteuerter Dialoge vermerkt.

*Dr. Gerhard Schiffner ist Mitarbeiter der Condat DV-Beratung, Organisation, Software GmbH in Berlin.