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07.02.1986 - 

Trend zu Integration und CIM wird immer deutlicher, aber:

Schnittstellenprobleme muß der Anwender lösen

Einzelne Standardpakete für die Produktionsplanung und -steuerung erreichen inzwischen einen funktionalen Abdeckungsgrad von bis zu 87 Prozent bezogen auf die unternehmensspezifischen Anforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt das EDV-Studio Ploenzke in ihrer zweiten überarbeiteten PPS-Studie*. Werner Rhode** hat einige Highlights aus der Untersuchung zusammengestellt.

Offensichtlich haben nur wenige der potentiellen Anwender die vergangenen zwei Jahre genutzt, um den entscheidenden Schritt zum Ressourcen-Management mit einem neuen PPS-System einzuleiten. Die Schar derer, die ihr Heil in der Weiterentwicklung und Dialogisierung ihrer Altanwendungen suchen, bröckelt jedoch weiter ab.

Eine der wesentlichen Ursachen liegt sicher in der Erkenntnis, daß unter Einbeziehung der Gesamtentwicklungskosten, die über Jahre anfallen und der Wartungsaufwände, die ja bleibenden Charakter haben, der Einsatz von Standard-Software wirtschaftlicher ist.

Der heutige Leistungsumfang einer Reihe von Software-Produkten straft auch die Lügen, die sich nicht vorstellen können, daß große Teile ihrer Anforderungen im Standard abgedeckt werden können und sich dabei gedanklich noch an dem orientieren, was vor zehn Jahren einmal angeboten wurde. Von einer Marktsättigung bei PPS-Standard-Software kann dennoch keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, das weiter verbesserte Preis/Leistungs-Verhältnis bei Computern führt zur Erschließung neue Kundenkreise.

Die Erfahrungen haben bestätigt, daß im Bereich Produktionsprogrammplanung und Kundenauftragsabwicklung der Hebel für eine sinnvolle DV-Unterstützung angesetzt werden muß. Geschieht dies nicht, können die ausgefeiltesten Feinplanungsinstrumente das Chaos in der Produktion nur transparent machen. Simulationsmöglichkeiten zur Beurteilung verschiedener Planungsvarianten sowie die Aktionsorientierung der PPS-Systeme zur situationsgerechten Steuerung von Nachrichten und verbesserten Kommunikation zwischen dem System und dem Benutzer sind weitere wichtige Anforderungen.

So hat denn auch die Mehrheit der Softwarehersteller in den letzten Jahren einiges in die Weiterentwicklung ihrer PPS-Produkte investiert. Funktionserweiterungen, neue Verfahren wie beispielsweise die belastungsorientierte Auftragsfreigabe und eine allgemeine Qualitätsverbesserung können vielen Herstellern attestiert werden.

PPS dient oft nur als Vehikel zum HW-Verkauf

Einigen Weichwerkern muß allerdings auch unterstellt werden, daß sie ihre PPS-Produkte offensichtlich nur als Vehikel zum Hardwareverkauf benutzen wollen und daher kaum in Weiterentwicklungen investieren. Da die PPS-Systeme als betriebswirtschaftlicher/organisatorischer Mittelpunkt künftiger integrierter Gesamtkonzepte für die Fertigungsindustrie anzusehen sind, liegt hier der Verdacht nahe, daß diese Anbieter auch die rasante Entwicklung in eine ClM-Zukunft verschlafen beziehungsweise nicht mitvollziehen werden (CIM = Computer Integrated Manufacturing).

Ein Trend zu höherer Integration und Einbindung in ein ClM-Konzept ist ansonsten zu beobachten, wobei das Schnittstellenproblem normalerweise durch den Anwender gelöst werden muß. Der hohe Integrationsgrad birgt aber auch Gefahren: Die Überschaubarkeit und Beherrschbarkeit der Systeme nimmt ab.

Die Grundphilosophie der Systeme hat sich nicht verändert. Nach wie vor wird die Baustellenfertigung und die Fließfertigung unzureichend unterstützt. Die positiven Verbesserungen haben sich vorwiegend auf die kundenauftragsbezogene Fertigung nach dem Werkstattprinzip konzentriert.

Hier seien besonders die Grobplanungsmodule sowie die Bedarfsverursacherführung genannt. Die Dialogorientierung ist allgemein ausgeprägt, wobei es nach wie vor, in Abhängigkeit von der Datenmenge sinnvolle Batchverarbeitungen gibt.

Im Bereich der Materialbedarfsermittlung und der Kapazitätsplanung führt das mehrheitlich angebotene Netchance-Verfahren zu kürzeren Verarbeitungszeiten. Der Verarbeitungskomfort ist allgemein als gut zu bezeichnen. Helpfunktionen und Matchcode stehen im Normalfall zur Verfügung. Query-Sprachen werden angeboten.

Obwohl bei der Funktionalität der Systeme eine allgemeine Annäherung festzustellen ist, liegt der Teufel doch nach wie vor im Detail. Ein Beispiel dafür ist die Variantenproblematik: Nicht zwei der untersuchten Systeme bieten die gleiche Lösung an. Die Ausprägungen streuen zwischen unbrauchbar und bedingt brauchbar. Dies zeigt, daß der Verzicht auf eine detaillierte Einsatz-Untersuchung fatale Folgen haben kann.

Wie die PPS-Analyse ergab, verzichten die Hersteller häufig an den Stellen völlig auf eine Unterstützung, bei denen sie starke Streuungen der Praxis-Anforderungen vermuten (zum Beispiel Änderungswesen, Nummernsystematik), statt verschiedene sinnvolle Möglichkeiten parametergesteuert anzubieten.

Ferner wäre es wünschenswert, wenn die Hersteller sich stärker um eine einfache Anpaßbarkeit - im Sinne von Customizing - ihrer Systeme bemühen würden, statt mit Haftungsausschluß den Anwender mit den Folgeproblemen etwa bei Releasewechsel allein zu lassen. Auch ein integriertes Data Dictionary kann hier hilfreich sein. Das Thema Notfallkonzeption ist aber nach wie vor als ein Anwenderproblem zu betrachten.

Die Bemühungen um sinnvolle Dezentralisierung und die Einbindung von PCs in PPS-Systeme sind begrüßenswert. Dies gilt insbesondere für den PC-Einsatz im Bereich der Werkstattsteuerung in Verbindung mit der Betriebsdatenerfassung. Dies kann zu einer erheblichen Entlastung des Zentralrechners führen.

Es bleibt nur zu hoffen, daß man von einer rein technischen Anschauung dieser Thematik zu einer anwendungsbezogenen Betrachtung und Lösung der Schnittstellenprobleme kommt, um nicht über das Ziel hinauszuschießen und die angestrebte Integration durch Redundanten und Inkonsistenzen zu zerstören. Im Moment werden derartige Überlegungen von den Herstellern häufig zu vorschnell als organisatorisches Problem des Anwenders abgetan.

Kanban-Prinzipien können System verschlimmbessern

Es ist damit zu rechnen, daß nach der belastungsorientierten Auftragsfreigabe, die ja bereits in einigen Systemen Eingang gefunden hat, auch "Kanban-Prinzipien" realisiert werden. Nur ist zu befürchten, daß dies zu eigenständigen Systemen führt, die äußerst vereinfachte Strukturen aufweisen.

Fest steht, daß Kanban lediglich für Teile mit hoher Wiederholhäufigkeit und relativ hoher Kontinuität im Verbrauchsverlauf eingeführt werden kann, so daß im Normalfall neben der aus Japan stammenden Methode noch andere Verfahren zu PPS in einem Unternehmen zum Einsatz kommen müssen. Dies darf den Anwender aber nicht zwingen, mehrere unterschiedliche PPS-Systeme einsetzen zu müssen.

Der Elegien stärkere Ausbau von Simulationsmöglichkeiten für die Produktionsplanung, die Überprüfung der Machbarkeit von Kundenaufträgen, in der Materialplanung und Werkstattsteuerung ist eine wichtige Forderung, der sich die Entwickler stellen müssen. Auch die Integration von Aktionsdateien in die PPS-Systeme, wie vereinzelt vorhanden, kann die Flexibilität und die Reaktionsfähigkeit erhöhen.

Betrachtet man die Verkaufszahlen der PPS-Systeme in den letzten zwei Jahren, ergibt sich bezogen auf die untersuchten Produkte ein äußerst unterschiedliches Bild. Teilweise waren keine Neuverkäufe zu vermelden, teilweise liegen die Zahlen im dreistelligen Bereich.

Nach unserer Erfahrung sind die Verkaufszahlen der Produkte jedoch nicht immer ein Indiz für deren Qualität.

Der eingeschlagene Weg im Sinne einer höheren Integration in ein CIM-Konzept wird von vielen Herstellern wahrscheinlich mit Konsequenz weiter beschritten werden. Anwender sollten jetzt die Chancen ergreifen, die sich für die Zukunftssicherung der Unternehmen aus einem als Ressourcen-Management verstandenen PPS-System unter Einbeziehung der modernen Informationsverarbeitung ergeben.