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04.06.1976

SCHOLZ REPORT

Diplomkaufmann Einar Scholz

Closed - Shop - Betrieb

(Vor- und Nachteile)

Ein Rechenzentrum kann in drei Betriebsarten gefahren werden:

1. Closed - Shop - Betrieb

2. Open - Shop - Betrieb

3. Gemischter Betrieb

Die Unterscheidung zwischen Closed Shop und Open Shop hängt davon ab, wer das EDV -System steuert. Beim Open - Shop - Betrieb wird das System von Operatoren, Programmierern und eventuell auch von Benutzern selbst gesteuert. Beim strengen Closed - Shop - Betrieb erfolgt die Steuerung des gesamten Systems nur über die verantwortlichen Operator oder Mitarbeiter der Systemsteuerung. Man findet die Form des Closed - Shop -Betriebes schwerpunktmäßig bei mittleren und größeren EDV - Systemen vor, während die Form des Open - Shop - Betriebes bzw. des gemischten Betriebes mehr für kleinere und mittlere Rechner gilt.

Closed - Shop - Betrieb aus der Sicht der Programmierung

Die Diskussion für oder gegen den Closed - Shop - Betrieb ergibt sich fast ausschließlich aus der Sicht der Programmierung. Viele Programmierer führen an, daß sie einen Test effizienter, schneller und gründlicher durchführen können, wenn sie die Testabwicklung selbst am System durchführen können. Dies wird mit folgenden Argumenten begründet:

1. Im Falle eines Fehlers glaubt der Programmierer sofort eingreifen zu können, indem er den Testlauf wiederholt. Damit wird er schneller mit der Lösung der einzelnen Aufgabe fertig. Diese Argumentation ist jedoch nur auf eine einzige Aufgabe bezogen

zulässig. Selbstverständlich wird ein Programmierer schneller mit einer Aufgabe fertig, wenn man ihm das ganze System für seine Zwecke zur Verfügung stellt. Diese Forderung ist jedoch irreal und in der Praxis nicht zu verwirklichen.

2. Im Falle eines Closed - Shop - Betriebes sind gewisse Formalismen strikt einzuhalten, welche bei einem Open - Shop - Betrieb nicht notwendig sind. Das Einhalten dieser Formalismen kostet einen gewissen Aufwand.

3. Programmierer glauben, daß sie an Erfahrung gewinnen, wenn sie den Test selbst durchführen. Sie verfügen über eine gewisse Maschinennähe und meinen, daß sie die Erfahrung aus der Sicht des Operatings ständig brauchen. Diese Argumentation ist schlichtweg falsch; denn Programmierer werden nicht für die Bedienung, sondern für eine geistige Arbeit bezahlt.

Gegenargumente zum Open - Shop - Betrieb

1. Die Auslastung eines Systems ist bei der Betriebsart des Open - Shop - Betriebes sehr schlecht. Die Nutzungseffizienz beträgt bei großen und mittleren Systemen, die im Multiprogramming gefahren werden, meist nur 1/5 oder bis zu 1/10 der erzielbaren Leistung. Dies gilt auch dann, wenn sich mehrere Programmierer eine fest definierte Open - Shop -Zeit teilen.

2. Aufgrund der schlechten Auslastung durch einen Open - Shop - Betrieb können die Programmierer innerhalb der gegebenen Schichtzeit des Rechenzentrums insgesamt

weniger Testzeit bekommen, weil durch die ineffiziente Nutzung Zeit vergeudet wird.

3. Ein gut durchdachter Formalismus zwingt den Programmierer zu systematischem Arbeiten und stellt daher sicher, daß das Problem unabhängig von der erstellenden Person im Rechenzentrum gefahren werden kann. Wenn also vorab ein gewisser Formalismus eingehalten werden muß, so spart man die aufgewendete Zeit spätestens bei der Übergabe des gesamten Problemkreises an das Rechenzentrum.

4. Wenn die durch den Closed - Shop - Betrieb gewonnene Zeit den Programmierern als zusätzliche Testzeit zur Verfügung gestellt wird, kann es gelingen, daß der Closed - Shop - Betrieb auch von den Programmierern von anerkannt wird. Allerdings ist vielen Rechenzentren die Tendenz zu beobachten, daß zunächst einmal die normal übergebenen und fest vereinbarten Anwendungen höchste Priorität haben. Wenn dann Wiederholungsläufe zusammengestellt werden müssen, führt dies zu erheblichen Wartezeiten bei den Programmierern .

5. In einem gut organisierten Closed - Shop - Betrieb können Programmierer generell mehrere Testläufe pro Tag durchführen, was in einem Open - Shop - Betrieb in den wenigsten Fällen gelingt. Diese Technik läßt sich besonders gut dann durchführen, wenn eine oder zwei Testpartitions den Programmierern ständig zur Verfügung stehen. Sicherlich kostet diese Betriebsart auch zusätzliche Hardware (separater Schnelldrucker vielleicht), andererseits muß man aber auch berücksichtigen, was eine Stunde Wartezeit eines oder mehrerer Programmierer kostet.

Im nächsten Scholz - Report wird das Thema durch ergänzende Betrachtungen zum Open - Shop - Betrieb abgerundet.