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19.07.2002 - 

Existenzgründungsphase ist von entscheidender Bedeutung

Schon beim Start auf Fallstricke achten

Angehende IT-Freiberufler konzentrieren sich oft zu sehr auf Projektinhalte und vernachlässigen wirtschaftliche, steuerliche und Marketing-Fragen. Eine Existenzgründungsberatung kann ihr gegensteuern. Dabei stehen Fördergelder für die ersten zwei Jahre zur Verfügung.Von Peter Brenner*

Damit die Existenzgründung gelingt, müssen Freiberufler viele offene Fragen klären und Festlegungen mit weit reichender Wirkung treffen. Als Erstes gilt es, die Strategien zu bestimmen. Dazu gehören:

- die Festlegung einer persönlichen Akquisitions- und Marketing-Strategie,

- die Honorarfindung für die angebotenen Beratungsleistungen,

- die Klärung, welche Versicherungen erforderlich sind und

- wie es um die Altersversorgung bestellt ist, sowie

- die Gestaltung von problemfreien Beratungsverträgen sowie allgemeinen Geschäftsbedingungen, die bereits zu Beginn einer Selbständigkeit anstehen.

Aber auch die legale Steuermodellierung ist ebenso wichtig wie die Entscheidung, ob die Mitgliedschaft in einem Berufsverband für Informatiker sinnvoll ist.

Wenige Steuerberater sind in der Lage, eine Beratung und Gestaltung für einen Existenzgründer in der IT-Branche umzusetzen. Da sie in der Regel keine oder zu wenig Informatiker als Mandanten haben, können sie deren spezielle, fachlich begründete Probleme nicht lösen. Somit konzentriert sich ihre Leistung auf das steuerliche Tagesgeschäft.

Die meisten Informatiker, die eine Existenzgründung planen, befinden sich noch in einem Angestelltenverhältnis oder in der Schlussphase ihrer Ausbildung. Kaum jemand denkt bereits zum Start an eine mögliche spätere Betriebsprüfung. Betriebsprüfungen haben allerdings in den letz-ten Jahren auch bei Einzelberatern immer häufiger stattgefunden, in manchen Fällen schon in den ersten drei Jahren nach der Gründung. Das ist darauf zurückzuführen, dass mehr Betriebs-prüfer eingestellt wurden. So stockte Nordrhein-Westfalen die Zahl der Steuerprüfer um 50 Prozent auf.

Eine solche Prüfung untersucht die vergangenen Geschäftsjahre. Aber was vergangen ist, kann der Betroffene häufig nicht mehr verändern. Dies gilt nicht nur für die dann notwendige Sicherung der Freiberuflichkeit. Eine vorteilhafte Definition der Firmenbezeichnung, der Ausgangsrechnungen, der Beratungsverträge sowie des Internet-Auftritts sind erforderlich. Sind von Beginn an diese Fragen eindeutig geklärt, kann es sich der freiberufliche Informatiker ersparen, später einen Rechtsanwalt einzuschalten, um mit dessen Hilfe zu versuchen, Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren.

Es gibt vielfältige Angebote verschiedener Institutionen, die einem Informatiker versprechen, bei seiner Existenzgründung behilflich zu sein. Diese Leistungen gehen an den Problemen des Informatikers vorbei. Der Freiberufler benötigt nicht zwingend die Erstellung umfangreicher Geschäftspläne. Es ist sicher falsch, wenn der Informatiker glaubt, dass etwa die IHK ihm innerhalb eines Existenzgründungsseminars helfen könnte, die Gewerbesteuerpflicht und damit auch die Kammerpflichtmitgliedschaft berechtigterweise zu verhindern.

Der bessere Partner bei einer anstehenden Selbständigkeit ist ein Existenzgründungsberater, der selbst als Informatiker beratend tätig ist. Die Beratung durch einen Existenzgründungsexperten wird zu 50 Prozent staatlich gefördert. Dieser kennt mögliche Förderprogramme. Ist der Berater als Gutachter tätig, kann er weiter untersuchen und in seinem Existenzgründungsbericht festlegen, dass der Gründer freiberuflich und nicht scheinselbständig tätig ist. (hk)

*Peter Brenner (peterbrenner@t-online.de) ist als Existenzgründungsberater, Coach sowie Sachverständiger im Bereich der Informatik tätig.

Checkliste für Existenzgründer

- Ein erstes Projekt mit einer Dauer von mehr als sechs Monaten akquirieren, um nicht sofort nach Beginn des Projektes erneut akquirieren zu müssen;

- Existenzgründungsberater als Coach verpflichten;

- Anmeldung der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt;

- klärende Maßnahmen zur Anerkennung als Freiberufler;

- klärende Maßnahmen zur Verhinderung einer Scheinselbständigkeit beziehungsweise Rentenversicherungspflicht;

- einen Steuerberater für das steuerliche Tagesgeschäft (wie Buchführung, Umsatzsteuervoranmeldung, Jahresabschluss, notwendige steuerliche Klärungen) finden;

- persönliche Akquisitions- und Marketing-Strategien festlegen;

- Honorarfindung für die angebotenen Beratungsleistungen;

- Gestaltung des Beratervertrags und der zugehörigen allgemeinen Geschäftsbedingungen;

- Festlegung, welche zusätzlichen Versicherungen erforderlich sind;

- Entscheidung, ob die bisherige Altersversorgung ausreicht oder erweitert werden muss;

- Beginn der persönlichen steuerlichen Modellierung für die ersten drei Geschäftsjahre;

- Entscheidung, ob die Mitgliedschaft in einem Berufsverband für Informatiker sinnvoll ist.