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12.08.1994

Schonung fuer die Stockelschuhe

Sekretaerinnen entlasten, Produktivitaet steigern, Informationsfluss sichern und gleich zeitig Investitionskosten sparen - die Liste liest sich wie eine Leistungsbeschreibung von Aladins Wunderlampe und ihrem dienstbaren Geist. Die Rede ist jedoch nicht von dem nuetzlichen Helfer aus 1001 Nacht, sondern von Fax-Servern, die von der Industrie vollmundig als unermuedliche Sklaven im Bueroalltag angepriesen werden.

Wer kennt sie nicht, die nervenraubenden Probleme mit dem Buerokommunikationsmittel Nummer eins? Entweder war der lange Gang zum Faxgeraet umsonst, weil gerade der nette Kollege von nebenan das Geraet mit einem zehnseitigen Elaborat blockiert, oder ein freundlicher, aber ungebetener Sender laesst seine neueste Werbebotschaft auf das Abteilungsfax los. Also wieder nichts mit mit dem Absetzen der eigenen Nachricht. Eine halbe Stunde spaeter? Das gleiche Spiel!

Hier versprechen die Anbieter von sogenannten Fax-Servern Abhilfe. Am eigenen Arbeitsplatz ohne Faxmodem oder Faxgeraet soll der Faxversand und -empfang via vernetztem Rechner moeglich sein, ohne die eigene Telefonleitung trotz dauernder Faxbereitschaft zu blockieren. Und die zentrale DV-Abteilung atmet auf, da sie nicht fuer jeden Arbeitsplatz ein eigenes Geraet anschaffen und warten muss. Nicht zu vergessen die Sekretaerin, die ihre neuen Designer- Pumps nicht beim Verteilen der Faxe durchlaeuft, da der Server die neuesten Nachrichten automatisch streut.

Schoen waer's - denn die vollmundigen Versprechen der Hersteller entpuppen sich oft bei genauer Betrachtung als Fata Morgana. So ist die automatische Faxverteilung im Moment nur mit ISDN-Karten realisierbar, die pro ISDN-Anschluss die Vergabe von bis zu acht Empfaengern mit eigener Durchwahlnummer erlauben. Im Klartext heisst das, dass zur Schonung der Sekretaerinnen-Beine bei 32 Mitarbeitern in einer Abteilung vier ISDN-Anschluesse sowie vier ISDN-Faxkarten erforderlich sind, um jedem Mitarbeiter eine dedizierte Faxnummer zuzuweisen.

Zwar ist bei analogen Faxkarten im Server theoretisch auch eine automatische Verteilung moeglich, doch dem Systemverwalter duerften bei der Verwirklichung dieses Auftrages schnell die Haare zu Berge stehen. Bei der analogen Faxkarte von Ferrari Electronic in Teltow muesste der Administrator jede potentielle Faxabsender-Adresse explizit per Hand einem Mitarbeiter zuweisen, um die automatische Verteilung zu ermoeglichen. Eine wahre Sisyphus-Arbeit, wenn 100 oder mehr Absender zu beruecksichtigen sind - abgesehen von der Tatsache, dass der Sender womoeglich die Faxe nicht immer an den gleichen Mitarbeiter schicken will. Ein Trost bleibt zumindest auch bei der analogen Loesung: Die Stoeckelschuhe der Sekretaerin werden geschont, da eingehende Faxe ueber das Netz per Mausklick verteilt werden und den endgueltigen Emfaenger ein blinkendes Symbol vom Eingang eines Faxes benachrichtigt.

Je nach Hersteller ist die entsprechende Fax-Server-Software im Netz auf einem File-Server oder einem separaten Rechner einsetzbar. Selbst einfache Peer-to-peer-Server koennen bereits die Faxaufgaben uebernehmen, so dass in der Regel ein ausgedienter 386er PC als Fax-Server ausreichen duerfte. Anders dagegen auf dem Arbeitsplatzrechner. Um hier noch ein akzeptables Arbeiten unter Windows zu ermoeglichen, sind bei aktiver Faxsoftware 8 MB RAM und mehr ein Muss.

Sind die Produkte in der Regel in Sachen Netzbetrieb ausgereift, so laesst die mitgelieferte Arbeitsplatzsoftware hinsichtlich der Bedienerfreundlichkeit zu wuenschen uebrig. Beispielsweise ist nicht immer die Uebernahme von im Dbase-Format vorliegenden Adressendaten in das Deckblatt eines Faxes moeglich. Aus dem Schneider ist hier, wer eine Faxsoftware, beispielsweise "Ferrarifax-Serverpro", verwendet, die die CAS-Schnittstelle unterstuetzt. Dieses Interface kann in der Regel auch komfortablere Faxprogramme wie Winfax-Pro aus dem Hause Delrina bedienen, so dass das Manko der User- feindlichen Oberflaeche der Server-Software egalisiert wird.

Neben der mitgelieferten Software taugen auch die Handbuecher manches Fax-Servers nur fuer den Reisswolf. Ohne Erfahrung mit Nebenstellenanlagen und gesunder Sherlock-Holmes-Nase, die hinter kryptischen Dateibezeichnungen den moeglichen Sinn von nicht im Handbuch erwaehnten Hilfsprogrammen erraet, ist die Installation und Inbetriebnahme eines Fax-Servers kaum zu bewaeltigen.