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IBM-Boß Cary: Es wird kein Future System geben


04.04.1975 - 

Schonzeit für Anwender

MÜNCHEN - Um mindestens zwei Jahre dürfte sich die Ankündigung der IBM Future Systems (FS) verschieben. Einige Experten behaupten sogar, daß die neue Anlagen-Generation von IBM - wenn überhaupt - frühestens Anfang der achtziger Jahre auf den Markt gebracht wird siehe CW-Nr. 13 vom 27. März 1975: FS verschoben).

Denn IBM-Boß Frank T. Cary machte am 14. Februar 1975 in Armonk allen Spekulationen um revolutionäre Entwicklungen (Branchen-Spruch: Systeme für das 21. Jahrhundert) ein Ende: "Die Bezeichnung Future Systems verwenden wir nicht mehr."

"FS" ist also tot. Die völlig neue EDV-Konzeption, nach der sich in Umkehrung bestehender Praxis die Hardware, die Maschine, die Elektronik den Benutzerwünschen unterzuordnen habe, wird IBM in den nächsten zwei Jahren wohl kaum verwirklichen können. Die neuen Systeme sollten Computer für jedermann sein: einfach zu programmieren (in Umgangssprache), einfach zu bedienen. Dieser Anspruch wird offensichtlich aufgegeben.

Britische Zeitungen sprechen von einem Massaker vom "St. Valentinstag" und vermuten folgende Gründe für IBM's Fallenlassen der Future Systems:

- die Entwicklungsarbeiten seien in Zeitverzug geraten,

- es seien höhere Kosten entstanden als vorgesehen,

- die erzielten Ergebnisse haben nicht den Anforderungen entsprochen,

- und last not least schwebe über dem Konzern das Damokles-Schwert des Antitrust-Prozesses. Die Fachpresse in USA reagierte wesentlich nüchterner, hatte doch Cary zwar die Bezeichnung "FS" für tot erklärt aber gleichzeitig beteuert: "Keine Rede davon, daß wir nicht dabei sind, neue Produkte zu entwickeln". Für Computerworld die größte US-Wochenzeitung auf dem EDV-Sektor, ist es der auch - ungeachtet der Rauchschwaden aus erlöschender FS-Glut - lediglich ausgemacht, daß IBM an der Serie 370 länger als geplant festhalten wird.

Angesichts des erwarteten Rückgangs der 370-Lieferungen etwa 1977 wird vermutet, daß IBM ab 1976 einige größere Neu-Ankündigungen bei den 370er-Modellen vornehmen wird, um "den Druck von den Vertriebsleuten zu nehmen". Zumal der Vertrieb der Systeme 3 und 32 jetzt über gesonderte Organisationen erfolgt.

Wie eine CW-Blitzumfrage ergab, wurde es auf der Anwenderseite in der Regel begrüßt, daß die Ankündigung eines Future-Systems in die achtziger Jahre verlegt wurde. Damit hat die Verunsicherung der Anwender durch ein ins Haus stehendes Future System mit revolutionärer Technologie ein Ende genommen. Im allgemeinen bestanden bei den einzelnen befragten Anwendern bereits Vermutungen oder echte Informationen darüber, daß "FS" erst später auf den Markt kommen werde. Walter Stöcker. Hauptabteilungsleiter der System-Programmierung, System-Analyse und Anwendungsprogrammierung bei der Allgäuer Alpenmilch in München äußert seine private Meinung: "Wir können in Ruhe unsere Softwareplanung vornehmen und die Schwierigkeiten einer verfrühten totalen Umstellung vermeiden".

Jetzt habe man, so Stöcker, die Gewähr, daß das bestehende System (/370-145) weiterentwickelt und gewartet wird.

Für Dieter Englisch, EDV-Leiter bei Knorr-Bremse (/370-145) bedeutet die FS-Verzögerung ebenfalls eine Zeit der Ruhe, denn "der Anwender könne sowieso mit dem Tempo von neuen Technologien nicht Schritt halten, solange nicht einmal die eigenen Umstellungsprobleme befriedigend gelöst seien".

Manfred Reichert, der EDV-Leiter der Pfanni-Werke in München, sagte: "Diese Information könnte unsere Entscheidung für Mixed-Hardware, insbesondere für Hauptspeicher-Erweiterungen positiv beeinflussen".

FS ist tot! Es lebe...?