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06.05.1977

Schreckgespenst oder Chance?

Dr. Gerhard Maurer

Die Sonntagsreden zum 1. Mai gaben den Datenverarbeitern zu denken: Wären auch dann rund 1 Million Mitbürger arbeitslos, wenn weniger Computer die Produktions- und Verwaltungsabläufe automatisiert hätten? Hat erst diese Rationalisierung unsere Export-Chance auf dem Weltmarkt erhalten und somit die Arbeitsplätze gesichert? Wie hoch ist die Zahl der durch vermehrten Computer-Einsatz geschaffenen neuen Jobs? Wieviel Arbeitsplätze werden durch das Vordringen der EDV in die Schreibstuben (CTV) und an die Kassenplätze (POS) demnächst vernichtet?

Keiner kann auf diese so wichtigen Fragen präzise, empirisch belegte Antworten geben. Also argumentiert jeder, so wie es seiner Interessenlage entspricht. Und das Interesse der Massenmedien scheint zu sein, die Mitbürger zu schocken und zu verunsichern.

In der Bundesrepublik wird jeder Hund für die Steuer erfaßt und erscheint in den Statistischen Jahrbüchern. Aber keiner weiß verbindlich, wieviel Computer hierzulande installiert sind und welche katastrophalen oder segensreichen Auswirkungen ihr Einsatz auf dem Arbeitsmarkt hat. Nicht einmal ernst zu nehmende repräsentative Studien liegen vor.

Es kann doch gar keine Frage darüber bestehen, daß angesichts permamenter, struktureller Arbeitslosigkeit in diesem Lande Gegensteuerung nötig wäre, wenn tatsächlich der sich abzeichnende Trend zur Automation der Bürostuben und der Ladenkassen Millionen von Arbeitsplätzen gefährden würde, wie die Gewerkschaften befürchten. Indes, keiner kann Antwort geben, weil Zahlen und Fakten fehlten, weil es keine entsprechenden Untersuchungen gibt.

Was gestern war, zählt heute nicht

Betriebswirtschaftliche Analysen einzelner Rationalisierungs-Projekte genügen nicht. Selbst wenn im Einzelfall durch EDV-Einsatz Arbeitsplätze vernichtet werden - und das hatte es in der Vergangenheit zu Nutzen einer allgemeinen Produktivitätssteigerung immer gegeben - dann ist damit lange noch nicht erwiesen, daß solche Automatisierung nicht gesamtwirtschaftlich sinnvoll sein könnte. Und wenn das gestern so war, braucht das morgen nicht so zu sein.

Schafft die betriebliche Effizienz-Verbesserung durch Rationalisierungs-Maßnahmen soviel mehr Produktivität und Volkseinkommen und damit auch Steuereinnahmen daß gegebenenfalls erforderliche staatliche Umstrukturierungs-Hilfen gerechtfertigt wären? Auch zu dieser Frage können Sonntagsredner und Stammtisch-Strategen trefflich streiten, wobei sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertreter allein an ihren eigenen Interessen orientieren können, weil es keinen Sachzwang zu neuen Einsichten gibt, solange nicht objektive Erkenntnisse vorliegen.

Keine Frage, es droht "neue Maschinen-Stürmerei" wenn bei insgesamt 1 Million Arbeitslosen (davon 400000 besonders schwer wieder einzugliedernde Angestellte aus Büroberufen) systematisch durch neuen EDV-Einsatz in den Büros und durch weitere Automation in den Betrieben Arbeitsplätze vernichtet werden - es sei denn, ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen ließe sich dennoch wirklich glaubhaft darlegen.

Regierung ohne Antworten

Das ist derzeit nicht der Fall. Vielmehr gibt es zur Zeit in der Presse (z.B. Stern 10/24.2.77 und ARD "Angestellte unter Druck" 1.5.77 usw.) eine Anti-Job-Killer-Kampagne, die sich jetzt nach den diesjährigen 1.-Mai-Reden noch verstärken dürfte. In der anstehenden Neuauflage der Diskussion "EDV - Schreckgespenst oder Chance haben" - darüber sollte kein Zweifel bestehen - die Kritiker der Datenverarbeitung zur Zeit lautstärkere und publikumswirksamere Argumente.

Sollen nunmehr einzelne Betriebe wegen der Sozialverpflichtung des Eigentums anstehende Rationalisierungsmaßnahmen einstellen - auch dann wenn sich die Konkurrenz einen Dreck um solche gesamtwirtschaftlichen Belange schert? Sollen nunmehr die Anbieter von Textverarbeitungs-Automaten von Systemen für computerunterstützte Korrespondenz, von EDV-Leistung am Arbeitsplatz, von elektronischen Kassenterminals den Vertrieb einstellen? Wird sich die Bundesrepublik dann später im internationalen Wettbewerb noch behaupten können?

Lauter offene Fragen! Und eine Regierung die keine Antwort weiß!