Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

18.09.1992

Schrittweise von der 8870- in die Unix-Welt migrieren

Mit Samir Memar, Geschäftsführer der Unibasic Computer Service GmbH (UCS), sprach CW-Redakteur Ludger Schmitz

CW: Warum sollte man noch die alte Comet-Software portieren, wenn es doch heute C- und C + + -Programme gibt ?

Memar: Erstens muß eine entsprechende Lösung auf dem Markt schon vorhanden sein, und zweitens muß diese auch noch einfach, leicht zu pflegen und kostengünstig sein. Ein meist doch eher kleiner Durchschnittsanwender einer 8870 kann sich keine Datenbank- und PPS-Lösung für 150 000 Mark leisten. Drittens kämen ja noch Schulung, Einweisung und Anlaufprobleme sowie eventuell das Hinzuziehen von zusätzlichen Spezialisten hinzu, was außer Zeitverlust auch höhere Kosten bedeutet.

Mit Surfbasic gibt es diese Probleme nicht, denn es gewährleistet eine 1:1-Migration. Der Anwender bleibt in seiner gewohnten Benutzeroberfläche, nur hieß die früher Tamos und heute Unisurf beziehungsweise Surf. Der Softwaremitarbeiter kann sogar seine alten Tools und Utilities weiterhin nutzen, die Funktionen bleiben identisch, es ist also nichts Fremdes.

CW: Wäre es nicht langfristig trotzdem sinnvoller, komplett auf eine modernen Gesamtlösung umzustellen?

Memar: Ich gehe nicht davon aus, daß ein Kunde etwas in die Ecke stellt, womit er zufrieden ist oder wieder sein kann, wenn die Anwendung auf modernen Rechnern wieder schnell genug arbeitet. Man kann 15 Jahre Entwicklung und Erfahrung nicht von heute auf morgen ersetzen. Deshalb empfehlen wir, die vorhandene Softwarelösung beizubehalten, in dem man sie in eine offene Umgebung migriert und sukzessiv neue zusätzliche Lösungen zuzukaufen, so daß ein -Übergang in, eine neue Gesamtlösung vorbereitet wird und sich insgesamt schrittweise vollzieht.

Die Frage ist, welches Ziel ein Kunde hat. Ist er mit seiner Lösung zufrieden, nicht aber mit der Geschwindigkeit, der Ausbaufähigkeit seiner DV-Anlage oder der schlechten Integration neuer Produkte, sollte er die Lösung behalten, sie auf Unix übernehmen und dann unter Unix das Angebot weiterer Produkte und Möglichkeiten, wie Grafik, PC-Anbindung etc., integrieren. Mit unserer Surf-SQL kann der Kunde sogar eine relationale Datenbank an Comet online anbinden. Diese Surf-SQL gibt es für Informix, Oracle und andere bekannte Datenbanken aus dem Unix-Bereich.

CW: Ist es den Anwendern möglich, die Comet-Daten nach einer Migration auch in anderen Unternehmensbereichen auf Unix-Rechnern weiter zu verarbeiten?

Memar: Genau diese Möglichkeit ist einer der Vorteile von Surfbasic. Wir sind nach der Migration konform zu allen im Unix-Bereich bestehenden Spezifikationen für die Übernahme von Daten und für die Interoperabilität von Programmen.

CW: Besteht angesichts der fortschreitenden Verbreitung von Standards für Benutzeroberflächen in der Unix-Welt noch eine Marktperspektive für die Oberfläche Tamos, die Sie unter dem Namen Unisurf nachbilden?

Memar: Wir überlegen, wie weit wir unsere Oberfläche Unisurf beziehungsweise Surf ergänzen, erweitern und unter einer modernen Unix-Oberfläche einbinden sollten. Das ist abhängig davon, wann und was die Kunden fordern. Unser Ziel ist, die Kunden nicht in eine Richtung zu zwingen. Leider sind manche Applikationen, falls in der Unix-Welt vorhanden, nur unter einer bestimmten Oberfläche lauffähig, was einen Widerspruch zur offenen Systemwelt bedeutet.

Unser Vorteil besteht darin eine Brücke zwischen zwei Welten zu schaffen. Für uns darf auf dem Weg von der einen Seite zur anderen nichts passieren. Ist der Anwender dann auf der anderen Seite, kann er sich in Ruhe am Markt umschauen.

Auch wenn es uns möglich wäre, heute eine moderne Oberfläche anzubieten, würden wir trotzdem nicht empfehlen, diese mit der Migration. gleich zu übernehmen. Der Anwender sollte einen Schritt nach dem anderen tun. Die Umstellung ist einfacher, wenn die Mitarbeiter in einer ihnen bekannten Umgebung, jedoch mittels moderner Technologie weiterarbeiten können.

CW: Werden bei einer Migration Urheberrechtsansprüche auf 8870- beziehungsweise Quattro-Anwendungen tangiert? Ändern sich Lizenzbestimmungen?

Memar: Es gibt Produkte für die Migration, bei denen die Programme verändert werden. Lizenzrechtlich ist wichtig, daß man bei einer Übernahme in andere Umgebungen die Programme und Daten nicht verändert. Derlei darf man nicht ohne ausdrückliche Genehmigung des Urhebers der Anwendung, alles andere wäre ein Eingriff in die Copyright-Sphäre.

Unsere Lösung übernimmt die vorhandenen Anwendungen und Daten 1:1 unverändert in eine Unix-Umgebung. Es gibt meines Wissens außer Surfbasic kein anderes Produkt, das diese Voraussetzungen erfüllt. Daher bestand und besteht für unser Produkt kein Problem. In den letzten Jahren haben wir mit Wissen von SNI über 2500 Portierungen durchgeführt.

CW: Auf welchen Hardwaresystemen wollen Ihre Kunden die meisten Migrationen?

Memar: Wir übernehmen zur Zeit zirka 25 Prozent auf die Intel-Architektur, der Rest verteilt sich auf Hardware-Architekturen von Motorola 88K bis zu den verschiedenen RISC-Systemen.

Der Trend geht zu RISC-Systemen, denn diese erreichen immer mehr ein zur Intel-Architektur konkurrenzfähiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

CW: Wie hoch wären die Migrationskosten für einen Anwender mit einer 264-MB-Festplatte und 16 Arbeitsplätzen?

Memar: Unser Durchschnittskunde hat eine 8870 mit 16 Arbeitsplätzen und 264 MB Festplatte. In diesem Fall betragen die Kosten der Migration von Daten und Programmen pro LU - das ist eine Kapazität von 132 MB - 6500 Mark, bei 264 MB also 13 000 Mark. Dazu kommen 10 100 Mark für unsere Lizenz. Also insgesamt mit 23 100 Mark rettet dieser Anwender seine gesamten Software- und Dateninvestitionen der letzten Jahre.

Zugleich ist der Kunde dann in einer offenen Welt und kann somit bisher Unerreichbares integrieren. Das heißt, er kann alles, was unter Unix angeboten wird, zukaufen, beispielsweise sich eine relationale Datenbank zulegen.

CW: Wie erfolgt die Softwarepflege nach einer Migration, und was geschieht mit den zahlreichen Comet-Anwendern?

Memar: Zur Zeit entsteht ein Competence Center Mittelstand, CCM, an dem die Firma UCS und eine Gruppe von Comet-Spezialisten beteiligt sind. Die Verbindung und Zusammenarbeit zwischen UCS und den Comet-Softwarespezialisten besteht heute schon. Durch das CCM haben die Anwender dieser Gruppe Zugang zu Comet-Spezialisten, die selbständig weiterarbeiten. Das CCM soll darüber hinaus mit weiteren größeren Softwarehäusern flächendeckend zusammenarbeiten und den Comet-Support sichern.

Das CCM hat die Aufgabe, anfangs vor allen Dingen den Comet-Support zu sichern. Langfristig wird das Ziel des CCM sein, unter Unix-Tools erstellte Comet-Alternativlösungen anzubieten.

CW: Früher hat Nixdorf Ihre Lösung erbittert bekämpft, wie sehen heute die Beziehungen zu SNI aus?

Memar: Vor zirka drei Jahren hat Nixdorf uns und das Produkt nicht ernstgenommen. Sicher wird bei der SNI über einige Dinge heute anders gedacht als damals.

CW: Streben Sie eine engere Zusammenarbeit mit SNI an?

Memar: Es gibt eine indirekte Zusammenarbeit, beispielsweise beziehen einige SNI-Händler und auch SNI selbst unser Produkt und führen Migrationen auf SNI-Rechnern der MX- und der RM-Reihe unter Sinix und SCO-Unix durch. Wir würden eine engere Kooperation begrüßen und es gerne sehen, wenn SNI Comet zusammen mit unserem Produkt auf SNI und anderen Hardwareplattformen offiziell freigeben würde.