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02.04.1976 - 

Ernst Leitz GmbH, Wetzlar: Fünf Jahre Erfahrungen mit einem DSS

Schrittweise zur Dezentralisierung

02.04.1976

WETZLAR - Wer verbindet nicht mit dem Begriff "Datensammelsystemö die Vorstellung von einem Großraum-Büro, in dem an schier unendlich vielen Erfassungsplätzen lächelnde Datentypistinnen mit flinken Fingern auf bedienungsfreundlichen Tastaturen spielen. DSS, das kann aber auch heißen, die einzelnen Erfassungsplätze in die Fachabteilungen ôvorschiebenö - die hardware-mäßigen Voraussetzungen dafür sind bei nahezu allen Geräten gegeben. Die Ernst Leitz GmbH, Wetzlar, Kamera-Hersteller von Weltruf hat diese Möglichkeit genutzt: Dort stehen drei von elf Erfassungsplätzen des installierten Datensammelsystems Inforex 1302 nicht in der zentralen Datenerfassungsabteilung. Ein Eingabeplatz dient zur direkten Erfassung der Bewegungen in einem Fertigwarenlager, ein zweiter steht in der Fertigungssteuerung zur Erfassung der Startinformationen für die Fertigungsaufträge, der dritte schließlich ist in der Finanzbuchhaltung installiert - über ihn werden alle Daten für die Sachbuchhaltung erfaßt. Dazu Leitz-EDV-Chef Ralf Bramesfeld: "Ein Arbeitsgang, nämlich das Erstellen des Erfassungs-Beleges in der jeweiligen Fachabteilung, ist komplett weggefallen." Damit werde ein Weg beschritten, das Datensammelsystem sukzessiv von einem eindeutig zentralen zu einem dezentralen Erfassungssystem zu erweitern.

Daß ein Unternehmen wie Leitz alle organisatorischen Möglichkeiten ausgelotet und überkommene DSS-Vorstellungen beiseite geräumt hat, kann Eingeweihte nicht überraschen: Denn Leitz ist ein DSS-Pionier: Fast genau vor fünf Jahren, im Januar 1971, starteten die Wetzlarer mit Key-to-disk-Erfassung.

Für ein Unternehmen, das bereits Anfang der 50er Jahre im technisch-wissenschaftlichen Bereich mit einem Zuse-Rechner arbeitete, das 1958 mit kommerzieller Datenverarbeitung auf Tabelliermaschinen begann, das im Laufe der Zeit jeden EDV-Generationswechsel mitmachte - heute ist eine Univac 90/70 installiert -, gab es beim Anbruch der "Datensammelzeit" keine Halbheiten: Folgerichtig war es im Hause Leitz mit einer 1:1-Umstellung von der Lochkarte lediglich auf einen anderen Datenträger nämlich das Magnetband - nicht getan. Ralf Bramesfeld erinnert sich: "Uns war zum damaligen Zeitpunkt klar, daß unser Datenvolumen nicht mehr über die traditionelle Lochkarte bewältigt werden konnte." Unmittelbarer Anlaß, sich nach einem neuen Datenerfassungsverfahren umzusehen, war jedoch, daß die Fertigungssteuerung auf Datenverarbeitung umgestellt werden sollte, was bedeutete, daß 82 375 000 Zeichen für den Aufbau der Artikeldatei (für 6000 Leitz-Erzeugnisse), 10 556 000 Zeichen für die Strukturdatei und 34 650 000 Zeichen für die Arbeitsplandatei erstmalig erfaßt werden mußten.

"Arme Locherinnen" mag sich Ralf Bramesfeld gedacht haben - und sah sich auf dem Datenerfassungsgeräte-Markt um. Beleglesung und Sammelerfassung waren die Alternativen. Die Entscheidung fiel - wie Bramesfeld sagt, primär aus wirtschaftlichen Gründen - für ein DSS aus. So kam der damals in der BRD noch "junge" Hersteller Inforex zu einem "Prestige-Auftrag".