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01.11.1985 - 

Betriebliche Organisation der Informationsverarbeitung:

Schrittweises Vorgehen ist die beste Strategie

Großunternehmen passen sich heute mehr denn je dem strukturellen Wandel der Informationsverarbeitung an. Dabei sind jedoch ihre Auswirkungen auf Unternehmen und Arbeitsplätze zu berücksichtigen. Der nachfolgende Beitrag von Wilfried Pohl* soll am Beispiel des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks. Essen, aufzeigen, wie sich die IV-Technik sinnvoll integrieren läßt und welche Strategien dabei von Bedeutung sind.

Die Erkenntnis, daß sich betriebliche Informationen mehr und mehr als ein entscheidender Produktionsfaktor und als Wirtschaftsgut im Unternehmen herausstellen, erlangt insbesondere in Zeiten angespannter Wirtschaftslage zunehmende Beachtung. Wachstum, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens werden heute mehr denn je durch rasche Verfügbarkeit und effiziente Nutzung der Ressource "Information" wesentlich mitbestimmt.

Auf der anderen Seite zeichnen sich, ausgelöst durch die rasanten Fortschritte der Informationstechnologie und gefördert durch attraktive Preis/Leistungs-Verhältnisse von Geräten und Anlagen der Informationsverarbeitung, Tendenzen ab, die einerseits breitere Nutzungsmöglichkeiten in den einzelnen Anwendungsbereichen der Informationsverarbeitung (Datenverarbeitung, Bürotechnik, Kommunikationstechnik, Industrieautomation) eröffnen, andererseits aber auch zu einem Zusammenwachsen dieser Anwendungsbereiche in Richtung einer integrierten Informationsverarbeitung führen.

Es gilt daher für Unternehmen, Chancen und Risiken neuer Informationstechnologien in ihrem technischen, wirtschaftlichen, sozialen und organisatorischen, das heißt integrativen Zusammenhang zu erkennen, ihre Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen abzuschätzen und dementsprechend die betriebliche Informationsverarbeitung zu planen. Von essentieller Bedeutung ist dabei, die Informationstechnologie (nur) als eines der möglichen Werkzeuge zur technischen, insbesondere der organisatorisch-technischen Gestaltung der informationellen Infrastruktur im Unternehmen zu verstehen. Voraussetzung dafür ist einerseits die Beherrschung dieses Werkzeuges und andererseits die Berücksichtigung der Auswirkungen in seinem Umfeld, wie zum Beispiel auf die Organisation oder im psycho-sozialen Bereich der Mensch-Maschine-Beziehung. Die wichtigste Erkenntnis dürfte jedoch darin bestehen, daß das Werkzeug "Informationstechnologie" letztlich mit dem Ziel der effektiven und effizienten Handhabung der Ressource "Information" im Unternehmen eingesetzt werden soll.

Dieses (neuere) Verständnis erfordert eine Abkehr von der bisher am jeweiligen Informationsverarbeitungs-Sachmittel und daher schwer punktmäßig technisch orientierten Betrachtungsweise. Vielmehr ist eine stärkere Hinwendung zu dem eigentlichen Zweckbezug der betrieblichen Informationsverarbeitung angebracht, nämlich den Erfordernissen nach Information und Kommunikation im gesamten Unternehmen gerecht zu werden.

Trend zur Integration

Der Sachverhalt, daß eine Information aus einer beliebigen Kombination von Daten, Texten, Bildern oder Sprache zusammengesetzt sein kann, führt zu dem Begriff "Multimedial". Andererseits ist es erstrebenswert, einmal zu "Multifunktionalen Geräten" beziehungsweise "Multifunktionalen Systemen" zu kommen. Die heutige Entwicklung weist deutlich diesen Trend zur Integration auf. Die Verarbeitung von Informationen umfaßt folgende Grundfunktionen; die einzeln oder in Kombination abgewickelt werden können:

- Informationseingabe (zum Beispiel Lesen),

- Informationsspeicherung (zum -Beispiel Archivieren),

- Informationsbearbeitung nach Form (zum Beispiel Umformen), nach Inhalt (zum Beispiel Rechnen, Ordnen, Selektieren),

- Informationsausgabe (zum Beispiel Schreiben),

- Informationsübertragung (zum Beispiel Transport).

Die Informationswiedergewinnung wird als Informationsbearbeitung verstanden. Die Informationsübertragung, das heißt der Informationstausch (Kommunikation) zwischen einem Sender und einem Empfänger, ist als eine Grundfunktion und damit als Bestandteil der Informationsverarbeitung anzusehen. Daneben sind noch zwei weitere Begriffe zu unterscheiden, nämlich die betriebliche Information und die Ressourcen für die Informationsverarbeitung.

Die betriebliche Information

- ist die Kenntnis über betriebliche Sachverhalte und Vorgänge im Unternehmen,

- setzt Abmachungen (Spielregeln Protokolle) voraus,

- wird für die Durchführung einer betrieblichen Aufgabe oder zur Entscheidungsfindung benötigt,

- dient zur Produktivitätssteigerung,

- ist damit zweckgebunden und zielorientiert,

- ist im betriebswirtschaftlichen Sinn eine Ressource beziehungsweise ein Wirtschaftsgut

- ist für das Unternehmen ebenso wichtig wie andere betriebliche Ressourcen.

Ressourcen für die Informationsverarbeitung sind

- Informationen,

- Mitarbeiter des Unternehmens als Verarbeiter der Informationen (Anwender in den Fachabteilungen),

- Betriebsmittel als Werkzeuge der Informationsverarbeitung (Hardware, Software),

- Personal für Planung, Entwicklung, Betrieb und Wartung der Informationsverarbeitungssysteme,

- Gebäude beziehungsweise Räume,

- Ausbildung.

Wichtig ist die Erkenntnis, daß die betriebliche Information selbst eine

Ressource ist und sämtliche Unternehmensbereiche "neutral" durchzieht. Weiterhin ist einleuchtend daß die erforderlichen Ressourcen für die Informationsverarbeitung ebenso geplant werden müssen wie zum Beispiel Ressourcen für die Energieerzeugung und -verteilung.

Aus dieser Erkenntnis heraus hat das RWE Ende der siebziger Jahre aufbau- und ablauforganisatorische Maßnahmen ergriffen. Einerseits

sollte die Herausforderung aus der Verschmelzung bisher eigenständiger Technologien sowie dem Entstehen neuer Informationstechniken, produkten, -anwendungen und diensten bewältigt und andererseits den Forderungen nach Ausweitung und Intensivierung der Anwendung der Informationsverarbeitung sowie damit verbunden dem Komplexitätszuwachs innerhalb der traditionellen Datenverarbeitung Rechnung getragen werden.

Bestehende Organisation den Ansprüchen nicht gewachsen

Die bis dahin bestehende Organisation war den technologischen Herausforderungen und den wachsenden Ansprüchen der Endbenutzer nach zukunftsweisenden organisatorisch-technichen Lösungen nicht mehr gewachsen. Folgende Schritte wurden daher eingeleitet:

- Aufbau einer Gruppe zur Entwicklung von Methoden und Standards für die DV-Anwendungsentwickung und das DV-Projektmanagement;

- Aufbau einer Gruppe Benutzer-Service zur Unterstützung der Fachabteilungen in allen Fragen der individuellen Informationsverarbeitung;

- Aufbau einer Gruppe Kommunikation für den Bereich Büroinformation und Kommunikation

- Aufbau einer zentralen Planungs- und Koordinierungsabteilung zwischen den DV-Bereichen des RWE.

Die genannten Abteilungen beziehungsweise Gruppen wurden in die bereits bestehende zentrale Organisation zur Entwicklung und zum Betrieb der Infomationsverarbeitung (kurz IV genannt) als Linienfunktion unter funktionalen Gesichtspunkten eingegliedert.

Heute ist die IV-Anvendungssystem-Entwicklung im RWE ebenfalls nach funktionalen Gesichtspunkten aufgebaut. Sie orientiert sich an der zentralen ressortbezogenen Führungsstruktur des Unternehmens. Zu jeder Fachabteilung im RWE gibt es somit ein Pendant in der IV-Abteilung "Anwendungssystem-Entwicklung" mit einem im wesentlichen festen Mitarbeiterstamm. Durch diese Organisationsform wird dem Umstand Rechnung getragen, daß in zunehmendem Maße diese Mitarbeiter neben dem reinen IV-Fachwissen verstärkt über Fachabteilungs-Know-how zur Bewältigung ihrer Arbeiten verfügen müssen. Durch eine funktionale Spezialisierung innerhalb der Anwendungsystem-Entwicklung gelingt es, die bislang bestehenden Verständigungsprobleme zwischen Fachabteilung und IV-Abteilung zu vermindern. Damit ist andererseits auch eine höhere "funktionelle Produktqualität" der Anwendungssysteme zu erreichen.

Um auch die "technische Produkt-qualität" zu steigern und darüber hinaus den gesamten, zunehmend komplexer werdenden Prozeß der IV-Anwendungssystem-Entwicklung auch zukünftig effizient und effektiv zu gestalten, war und ist die Entwicklung und der Einsatz von entsprechenden Verfahren und Standards unabdingbar. Dabei hat es sich als sinnvoll herausgestellt, zwei voneinander getrennte, aber aufeinander abgestimmte Leitfäden einzusetzen: den einen für die Anwendungssystem-Entwicklung selbst und den anderen für das zugehörige Projektmanagement. Damit wird die fachlichtechnische Funktion klar von den administrativ-organisatorischen getrennt.

Vierphasen-Struktur des Projektablaufs

Im Leitfaden für die Anwendungssystem-Entwicklung ist aus ablauforganisatorischer Sicht eine Vierphasen-Struktur des Projektablaufs festgelegt:

1. Phase: Voruntersuchung und globale Durchführbarkeitsstudie (Projektvorschlag)

2. Phase: Soll-Konzept-Spezifikation

und Durchführbarkeitsstudie zum

Soll-Konzept (Systemplanung)

3. Phase: Systementwurf, Programmierung, Vorbereitung der Einführung und Systemtest (Systemrealisierung)

4. Phase: Einführung beim Benutzer und im Rechenzentrum, Praxistest und Projektabschluß (Einführung).

In diesem Leitfaden wird beschrieben, welche Arbeiten in jeder Phase

ausgeführt und jeweils zum Phasenabschluß durchgeführt sein müssen,

das heißt insbesondere, welche fachlich-technischen Produkte beziehungsweise Zwischenprodukte einschließlich der Dokumentationsteile vorliegen müssen. Im Gegensatz zu herkömmlicher Entwicklung gibt es eine ganze Reihe von Katalogen, formalsprachlichen Beschreibungen und grafischen Darstellungen, mit denen das Projektergebnis in Teilen und insgesamt am besten zu erreichen ist. Dazu zählen zum Beispiel die Darstellung der einzelnen Funktionen des Systems als Baumstruktur (Funktionsbaum), Kataloge der zu den Funktionen als Ein- und Ausgabe benötigten Datenmengen sowie die logische und zeitliche Abfolge der Funktionen (Präzedenzgrafen).

Der Leitfaden des Projektmanagements soll demgegenüber Fragen der Auftragsvergabe und Auftragsabwicklung regeln. Er beschreibt die Projektmanagementfunktionen wie Planung, Überwachung und Steuerung des Projektablaufs und der Projektgruppe sowie ihrer Außenbeziehungen.

Als Unterstützung der Anwendungssystem-Entwicklung wird ein Data-Dictionary-System eingesetzt in dem sämtliche Elemente des Anwendungssystems verwaltet werden (fachliche Dokumentation, DV-technische Dokumentation und DV-Betriebsdokumentation). Hierdurch wird unter anderem sowohl die systeminterne als auch die systemübergreifende Daten- beziehungsweise Informationsstruktur abgebildet. Damit ist ein unentbehrliches Hilfsmittel für die IV-Entwicklung bereitgestellt, das die notwendige ganzheitliche Sicht auch bei den einzelnen IV-Entwicklungsaktivitäten gewährleistet. Es leistet einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der aufgrund von Daten- oder Strukturinkonsistenzen und Unvollständigkeiten auftretenden Fehler.

Daneben wird das Data-Dictionary zur benutzerindividuellen Datenselektion aus bestehenden Produktionsdatenbanken eingesetzt. Die mittels des Data-Dictionary ausgewählten Informationen werden über spezielle Schnittstellenprogramme aus den hierarchisch strukturierten Produktionsdatenbanken in relational strukturierte Tabellendateien transformiert. Auf diese können die Endbenutzer unabhängig von bestehenden IV-Abläufen in operationalen Systemen individuell zugreifen. Damit und durch die zentrale Informationsverwaltung mittels eines Data-Dictionary wurde im RWE der Weg für die individuelle Informationsverarbeitung als neuer, aber integraler Bestandteil der bestehenden Informationsverarbeitung geebnet.

Wie bereits erwähnt, lassen die technologischen Entwicklungen heute eine Trennung der bisher nebeneinander existierenden Anwendungsbereiche "Datenverarbeitung ", "Bürotechnik", "Kommunikationstechnik" und "Industrieautomation" nicht mehr sinnvoll erscheinen. Diese Bereiche verschmelzen zu einem Gesamtkomplex, zur "integrierten Informationsverarbeitung". Neben diesem rein technischen Entwicklungsprozeß hat sich gleichzeitig in den Unternehmen die Erkenntnis durchgesetzt, daß eine Produktivitätssteigerung insbesondere am Büro-Arbeitsplatz nicht nur durch die Entwicklung und den Einsatz von unternehmenseinheitlichen Anwendungssystemen erreicht werden kann. Vielmehr läßt sich gerade das weite Feld von Aufgaben, die durch spezifisches Fachwissen, Kreativität und damit ein gewisses Maß an Eigenständigkeit gekennzeichnet sind, effektiver und effizienter durch individuelle Lösungen angehen.

Diese beiden Strömungen (technologische Entwicklung und individueller Lösungsansatz) führen verstärkt zur individuellen Informationsverarbeitung als Ergänzung der bisherigen Organisationsformen der Informationsverarbeitung (zum Beispiel zentralisierte Batch- und Online-Verarbeitung).

In der Entwicklungsgeschichte der Datenverarbeitung von der zentralen Datenverarbeitung bis hin zur heutigen Informationsverarbeitung mit Mikrocomputern am Arbeitsplatz bedeutet die "individuelle Informationsverarbeitung " ein neues Stadium in der Beziehung zwischen dem Benutzer und "seinem Computersystem". Während der Benutzer bisher nur mit Hilfe der Informationsverarbeitungsspezialisten die Fähigkeiten eines Zentralrechners in Anspruch nehmen konnte, ist der Benutzer jetzt in der Lage, bestimmte Aufgaben selbständig und mit dem Computer zu lösen.

Der Einsatz der individuellen Informationsverarbeitung erscheint daher insbesondere an solchen Arbeitsplätzen sinnvoll, an denen arbeitsplatzbezogene Informationen (Daten, Texte, Grafiken/Bilder) entstehen und vom Endbenutzer direkt bearbeitet werden müssen. Dabei darf jedoch die individuelle Informationsverarbeitung nicht zum Selbestzweck werden. Sie ist lediglich eine mögliche Alternative zur Problemlösung.

Dementsprechend muß beim Endbenutzer die Lösung des Fachproblems und nicht das dafür benutzte Werkzeug beziehungsweise Verfahren im Vordergrund stehen.

Um den Endbenutzer mit diesen neuen Möglichkeiten vertraut zu machen und bei Bedarf zu unterstützen, wurde im RWE, wie oben erwähnt, recht frühzeitig die Gruppe "Benutzer-Service" aufgebaut. Sie ist die zentrale Anlaufstelle der Fachabteilung für die individuelle Informationsverarbeitung und damit der Ausdruck einer neuen Organisationsform des IV-Service für die Fachabteilungen. Hier ist das gesamte, für die Fachabteilungen verfügbare Spektrum an Werkzeugen der individuellen Informationsverarbeitung (Hard- und Software) und das entsprechende Know-how vorhanden. Alle potentiellen Nutzer können sich vor einer Entscheidung für ein bestimmtes Werkzeug selbst von dem Umfang, den Grenzen und Möglichkeiten dieser (von der IV-Abteilung unterstützbaren) Werkzeuge ein Bild machen. Sie lassen sich individuell von den Mitarbeitern des Benutzerservice bei der Zusammenstellung ihrer Komponenten für die individuelle Informationsverarbeitung beraten.

Der Benutzer-Service bildet damit die Brücke zwischen der IV-Abteilung und der individuellen Informationsverarbeitung in den Fachabteilungen. Dadurch wird in den Fachabteilungen die Notwendigkeit, eigenes IV-Fachpersonal einzustellen beziehungsweise auszubilden, vermieden.

Der Benutzer-Service bietet den Fachabteilungen als Dienstleistung die

- Beratung bei der Auswahl geeigneter Endbenutzersprachen (etwa Sprachen der vierten Generation) sowie problemorientierte Programmpakete,

- Unterstützung beim Einsatz dieser Werkzeuge insbesondere in Fehlersituationen,

- Einweisung bei der Benutzung von Hardware- und Software-Komponenten

- sowie Unterstützung beim Finden wirtschaftlicher Lösungswege und bei der Konzeption neuer Anwendungen.

Diese zwei Funktionen des Benutzer-Service - die Beratung der Fachabteilung in allen Fragen der individuellen Informationsverarbeitung und die Bereitstellung von entsprechenden Ressourcen - sind in ihrer Entwicklungsfähigkeit und Nutzung von erheblicher Bedeutung für die zukünftige Informationsverarbeitung. Von ihrem Erfolg wird es abhängen, ob und in welchem Umfang sich das "Konzept der individuellen Informationsverarbeitung" als integraler Bestandteil der Informationsverarbeitung im gesamten Unternehmen durchsetzt.

Berücksichtigt man in diesem Zusammenhang das Anwachsen von informationsbezogenen Tätigkeiten an Sach-, Fach- und Schreibarbeitsplätzen bis hin zu Managementaufgaben, so spielt bei der individuellen Informationsverarbeitung der Bürodienstleistungs- und -verwaltungsbereich eine besondere Rolle.

Das Arbeitsfeld Büro befindet sich heute im Brennpunkt der Diskussion über neue Formen der Informationsverarbeitung, da hier, gemessen am Produktionsfortschritt, der an den gewerblichen Arbeitsplätzen erzielt wurde, die technischen und organisatorischen Formen in den letzten Jahren weitgehend stationär geblieben sind. Die informationstechnologische Unterstützung ist de facto weitgehend noch unausgeschöpft. Sie besteht derzeit im wesentlichen aus Fernsprecher, Telex- und Kopiergerät sowie Schreibmaschine. Mit den Möglichkeiten der neuen Technologien, die gerade im Büro, insbesondere im Bürokommunikationsbereich, eine bessere Integration zulassen, verschiebt sich das Aufgabenspektrum der klassischen "allgemeinen Organisations-Abteilung" eines Unternehmens zunehmend hin zur organisatorisch-technischen Gestaltung von Information und Kommunikation im Bürobereich. Damit verschmelzen aber die Aufgabenbereiche der "allgemeinen Organisation" mit der Organisation der Informationsverarbeitung. Das RWE hat dem Umstand der zunehmenden Bedeutung der Bürokommunikation im gesamten Rahmen der Informationsverarbeitung des Unternehmens durch den Aufbau einer entsprechenden Gruppe "Kommunikation" innerhalb der zentralen IV-Abteilung Rechnung getragen.

Mit der Ausweitung der informationsbezogenen Tätigkeiten im Unternehmen wächst ihre Bedeutung als Kostenfaktor. Gleichzeitig steigt der relative Kostenanteil für die Aufbereitung beziehungsweise Erstellung von Informationen, und zwar um so mehr, je erforderlicher hierfür der Einsatz von hochqualifiziertem Fachpersonal ist. Insgesamt verstärkt dies den Zwang, alle organisatorischen und technischen Möglichkeiten für eine ökonomische Gestaltung des betrieblichen Informationswesens auszuschöpfen.

Allerdings steht der Kostenseite ein nur schwer monetär bewertbarer Nutzen für Informationen und Informations-Dienstleistungen gegenüber. Die besondere Schwierigkeit bei der Planung der betrieblichen Informationsverarbeitung besteht daher darin, daß zwar die Kosten eines zu automatisierenden IV-Vorhabens im allgemeinen hinreichend genau abzuschätzen sind, effektiver Nutzen beziehungsweise Erfolg oder Mißerfolg sich häufig aber erst nach der Realisierung, das heißt in der Praxis herausstellen oder sogar erst nach Ablauf einer längeren Betriebsphase. Als Ursachen ergeben sich oftmals mangelhaftes Projektmanagement, ungenügende Problempräzisierung in der Systemanalysephase, fehlerhaftes Design oder unzureichender Methodeneinsatz in allen Phasen der Systemerstellung.

Planung, Entwicklung und Betrieb von automatisierten IV-Systemen sind grundsätzlich Investitionsvorhaben mit zum Teil erheblicher Kapitalbindung für Hardwareausstattung und Personal (der Personalkostenanteil während des gesamten IV-System-Life-Cycles liegt derzeit zwischen 60 bis 80 Prozent der Gesamtkosten eines IV-Systems mit noch steigender Tendenz). Dabei ist von Bedeutung, die IV-Investitionen als mit begrenzter Lebensdauer behaftet zu begreifen beziehungsweise sie zeitlich bewußt zu limitieren (ähnlich dem Return-on-lnvestment für übliche Produktionsmittel). In vielen Unternehmen wird jedoch noch davon ausgegangen, daß zum Beispiel Anwendungs-Software "für die Ewigkeit" entwickelt wird oder "auf Ewigkeit" zu warten ist, weil bereits hierfür so viel investiert wurde. Damit werden stets aufs neue Sachzwänge geschaffen, die nicht mehr den erforderlichen Freiraum für grundsätzlich neue Investitionen im IV-Bereich zulassen.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist daher vordergründig eine ökonomische Nutzung der Ressource "Information" im gesamten Unternehmen zu fordern. Diese Erkenntnis hat jedoch bisher nur in relativ wenigen Unternehmen zu einer unternehmensweiten Planung und Kontrolle des betrieblichen Informationswesens geführt (institutionalisiert durch zum Beispiel "Informations-Ressource-Management" auf oberster Führungsebene). Zu beobachten ist auch, daß in vielen Unternehmen in einzelnen Bereichen unabhängig voneinander (das heißt unkontrolliert) IV- beziehungsweise DV-Sachmittel zum Einsatz kamen oder noch kommen, um die in den einzelnen Bereichen noch verbliebenen Produktivitäts- und Rationalisierungsreserven auszuschöpfen. Dieser rein sachmittelbezogene Einsatz von IV-Technologie führt jedoch im allgemeinen zu inkompatiblen ."Insellösungen", die sich langfristig als unwirtschaftlich für das Gesamtunternehmen herausstellen.

Hieraus resultiert unmittelbar die Notwendigkeit einer umfassenden Planung der betrieblichen Informationsverarbeitung, für die insbesondere folgende Aspekte von grundlegender Bedeutung sind:

- Die betriebliche Informationsverarbeitung ist ein unternehmensweiter Querschnittsbereich. Ihre Planung erfordert daher eine weitaus umfassendere Sicht als zum Beispiel die Planung eines einzelnen (automatisierten) IV-Systems oder einer seiner Teilkomponenten (etwa eines Anwendungssoftwarepaketes). Daraus folgt, daß der Planungsprozeß als Teil der (allgemeinen) Unternehmensplanung anzusehen ist beziehungsweise das Bindeglied zwischen Unternehmensplanung und Planung von einzelnen IV-Systemen darstellt. An dem Planungsprozeß müssen alle von der Informationsverarbeitung betroffenen Organisationseinheiten beteiligt werden (gegebenenfalls in unterschiedlichen Planungsphasen mit unterschiedlicher Extensivität oder Intensivität).

- Die Planung der betrieblichen Informationsverarbeitung hat eine ausgeprägte organisatorische Komponente zum Ziel, das heißt sie betrifft insbesondere die informationelle Struktur von Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens. Die betriebliche Informationsverarbeitung ist nicht nur in den Unternehmensbereichen existent, die durch Informationstechnologien bereits jetzt unterstützt werden, sondern sie ist grundsätzlich unternehmensweit relevant. Das Ergebnis der IV-Planung kann zu einer Änderung der Organisation führen, genauso wie eine Organisationsänderung zu einer Änderung der betrieblichen Informationsverarbeitung und damit zu einer IV-Planungsänderung führen kann.

- Eines der wichtigsten Planungsziele besteht in der unternehmensweiten Deckung des Informationsbedarfs sowie in der effizienten, ökonomischen Nutzung der Ressource "Information" im gesamten Unternehmen. Der Einsatz der Informationstechnologie dient zur Erreichung dieses Zieles und stellt lediglich eines der möglichen (austauschbaren) Werkzeuge hierfür dar.

- Die Planung der betrieblichen Informationsverarbeitung muß als ganzheitlicher, umfassender Planungsprozeß verstanden werden unter Berücksichtigung organisatorischer, sozialer beziehungsweise human-orientierter, ökonomischer, gesetzlicher und informationstechnologischer Gesichtspunkte sowie sonstiger unternehmensinterner und -externer IV-relevanter Einflußgrößen. Durch die Vielfalt dieser Aspekte und der dabei zu berücksichtigenden Verflechtungen der Planungsobjekte und Randbedingungen sind die IV-Planungsaufgaben komplexer Natur. Ebenso vielfältig sind die IV-(Teil-)Planungsziele, die gegeneinander oder gegen andere Unternehmensziele konkurrieren können.

- Komplexität wie auch Umfang der IV-Planung machen ein systematisch methodenorientiertes Planungsverfahren zwingend erforderlich. Hierbei kommt der Kontrolle zur Überprüfung der Zielerreichung sowie den Erfordernissen zur Dynamisierung des Planungsprozesses besondere Bedeutung zu.

- Die betriebswirtschaftlichen Aspekte der Gesamtwirtschaftlichkeit des Unternehmens unterstreichen die erforderliche Einbindung der IV-Planung in die Gesamtplanung des Unternehmens.

Diesen Gesamtprozeß der IV-Planung zu initialisieren und durchzuführen ist die Hauptaufgabe der IV-Planungsabteilung. In diesem Zusammenhang muß jedoch deutlich gemacht werden, daß der Einsatz von IV-Technologie allein noch nicht zu einer Verbesserung der Gesamtwirtschaftlichkeit von Unternehmen führt, wenn nicht auch zugleich die außerhalb der Technik oder außerhalb der Betriebswirtschaft liegenden Problembereiche in ihrem Gesamtzusammenhang einbezogen werden. Es gibt Gründe genug, den Einfluß neuer Formen der Informationsverarbeitung auf die Arbeitswelt bei allen IV-Planungsaktivitäten mit zu berücksichtigen. Hier haben insbesondere die für die Planung der betrieblichen Informationsverarbeitung Zuständigen eine Aufgabe mit erheblicher Verantwortung zu tragen. Der Hinweis, daß neben der Technik auch der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte, soll an dieser Stelle genügen, um die notwendige Beteiligung von zum Beispiel Personal- und Sozialabteilungen des Unternehmens zur angemessenen Berücksichtigung der human-orientierten Aspekte zu unterstreichen.

Bei der Analyse der Auswirkungen der betrieblichen Informationsverarbeitung auf die Arbeitswelt des Unternehmens sind Ursachen und Probleme zu hinterfragen, die erst aus dem Spannungsverhältnis zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt heraus erklärt werden können. Nicht vernachlässigt werden sollte auch, daß die Beschäftigten beiden Einflußbereichen zugleich ausgesetzt sind, aber mit jeweils unterschiedlichen Aspekten, Interessenrichtungen oder Intensitäten.

Neue IV-Technologien und ihre Chancen und Risiken werden gegenwärtig vor allem vor dem Hintergrund ihrer Nutzung im Büro- und Verwaltungsbereich diskutiert und beziehen sich damit in erster Linie auf die Anwendungsbereiche Büro- und Kommunikationstechnik sowie bedingt auf die Datenverarbeitung.

Diese Aussagen gelten aber auch prinzipiell für die anderen Bereiche und Sektoren in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung, in denen (IV-) Technologie zum Einsatz kommt. Der Büro- und Verwaltungsbereich ist zweifellos der Bereich, in dem die größten Automatisierungsreserven liegen. Hier wird es deshalb einen umfangreichen Schub von Rationalisierung in Form von IV-Technologieeinsatz der Büro-/Kommunikationstechnik und Reorganisationsmaßnahmen geben. Das stets günstiger werdende Preis-/Leistungs-Verhältnis der informationsverarbeitenden Geräte für diese Anwendungsbereiche beschleunigt ihren Einsatz zusätzlich.

Für die Anwendungsbereiche der Datenverarbeitung und der Industrieautomation ist oftmals die Rationalisierung nicht unbedingt die einzige, ausschlaggebende Zielrichtung. Hier geht es um Qualitätsverbesserung der Dienstleistung oder Produkte wie auch um Erhöhung der Flexibilität in der Fertigung.

Den Hintergrund des breiteren IV-Technologieeinsatzes bilden neben

Produktivitätssteigerung eine Reihe von weiteren {gesamt-)wirtschaftlicheren Faktoren, wie zum Beispiel zunehmende Bedeutung der Ressource "Information" und die bereits

erwähnten geringen Unternehmens-Wachstumsraten oder die Erfordernisse nach Erhöhung der Reaktionsfähigkeit. Sie alle bestimmen durch ihre Wechselwirkung und Intensität

den spezifischen Umwelt-Einfluß, auf den das Unternehmen zur Sicherung seiner Existenz und damit auch der Arbeitsplätze reagieren muß. Die Nutzung der IV-Technologie für das

Unternehmen ist daher aus dem Gesamtzusammenhang zwischen Umwelt, Unternehmen und seinen Arbeitsplätzen heraus unter Berücksichtigung von Chancen und Risiken, das heißt der Auswirkungen insgesamt zu beurteilen.

Strategie der kleineren Schritte

Die hier nur kurz angedeuteten Aspektbereiche machen die Wirkungs- und Spannungsfelder deutlich, wie sie durch die Auswirkungen der IV-Technologie auch auf das Unternehmen und die Arbeitsplätze beziehungsweise den Menschen durchgreifen. Von einigen dieser Einflüsse ist zu erwarten, daß sie die Akzeptanz der im Unternehmen selbst eingesetzten oder geplanten informationsverarbeitenden Geräte beeinflussen.

Wie bereits ausgeführt, muß davon ausgegangen werden, daß sich die betriebliche Informationsverarbeitung in Zukunft noch weiter im Unternehmen ausbreiten und dadurch Veränderungen nach sich ziehen wird.

Entscheidend ist daher die Frage, wie der strukturelle Wandel der informationsbezogenen Tätigkeit im gesamten Unternehmen zukünftig vollzogen werden soll. Die Strategien "Großer Wurf" oder "Abwarten" sind gleichermaßen ungeeignet und müssen durch eine Strategie der bewußt entwickelten kleineren Schritte ersetzt werden, dies aber unter strategisch längerfristigen Planungsaspekten.

Wilfried Pohl ist Leiter der Datenverarbeitung der RWE AG, Essen