Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.04.1991 - 

Computer halten in den Schulen Einzug

Schüler lernen PC als Werkzeug und Anschauungsobjekt kennen

Vor wenigen Jahren noch das exotische Instrument einer kleinen und geheimnisumwitterten Kaste Eingeweihter, ist der Computer heute längst schon Gebrauchsgegenstand breiter Schichten. Auch in der Schule gehört er nach langen Jahren mühevoller Einführung längst zum normalen Unterrichtsalltag.

Dies wird deutlich, spricht man mit Studiendirektor Peter Rauschmayer: einem der renommiertesten Computer-Pioniere an Bayerns Schulen der heute auf fast ein Vierteljahrhundert praktischer Arbeit mit Rechnern im Gymnasium zurückblicken kann. Ihn

amüsiert es, wenn naseweise Siebzehnjährige moderne XT- und AT-Rechner mit ihren großen Speicherkapazitäten als "lahme Kisten" abqualifizieren - "während wir noch Ende der Sechziger weiß Gott wie dankbar waren für eine Olivetti Programma 201, die 20 000

Mark kostete, nur einen einzigen Arbeitsplatz bot und noch nicht einmal das leistete, was heute jeder bessere, programmierbare Taschenrechner kann".

Denn dieses simple Programm bot weder einen Bildschirm geschweige denn Grafikmöglichkeiten, zeigte statt Buchstaben mit Hilfe rotglühender Spezialröhren nur Ziffern an und druckte Resultate bloß auf einer Art schmalem Kassenzettel-Streifen. "Wir

haben auf ihr sogar Sinus und Cosinus gerechnet", erinnert sich Rauschmayer.

Nach heutigen Maßstäben wirkt die alte Olivetti-Maschine recht exotisch. So besaß sie als Hauptspeicher weder RAM wie heutige Rechner noch einen der damals in Großrechnern beliebten, teuren Kernspeicher mit seinen winzigen Ringmagneten, sondern einfach einen sogenannten Laufzeitspeicher, "ein Stück Draht, an dessen einem Ende man die Daten und Programm-Codes Bit für Bit seriell eingab - und an dessen anderem Ende sie nach einer gewissen Zeit wieder erschienen". Worauf man sie dort lesen und löschen, ändern oder aber einfach wieder neu in den Laufkreis einspeisen konnte...

Die Kapazität eines solchen Speichers hing primär von der Lange des Drahts ab, denn entsprechend mehr Bit konnten ja eingegeben werden, ehe die ersten am Ende wieder ausgegeben, aufgefrischt und dann erneut auf die Rundreise geschickt wurden.

Experimente mit Großrechnern

Zur Frühzeit der Computerarbeit an Schulen gehörten auch vorgedruckte Markierungskarten, auf deren Feldern die Schüler mit Hilfe entsprechender Stifte ihre Daten und Programme quasi "ankreuzen" mußten; und zwar Bit für Bit. Diese Karten nämlich waren nötig, da es am Rechner ja nur eine einzige "Konsole" mit Tasten zur direkten Erfassung gab.

Diese Markierungs-Strichkarten gehörten zu einem Lesegerät, das die auf ihnen codierten Daten in die Maschine übertrug das also ähnlich arbeitete, wie einstmals ein Lochkartenleser in Verbindung mit den klassischen "Pappendeckel -Sieben ".

In der Pionierzeit der Computer hat man in der Schule "auch mit Großrechnern experimentiert, an die Bildschirme angeschlossen waren". Doch diese Großrechner eigneten sich primär für die fortlaufende Abarbeitung umfangreicher, als Lochkartenstapel vorliegender Jobs und nicht für den modernen, unmittelbaren Dialogverkehr zwischen Schüler und Maschine. Und so haben die Schüler "manchmal eine halbe Stunde herumsitzen müssen, ehe der Rechner irgendwo im fernen Computerzentrum endlich für uns frei wurde. Aber dann war die Schulstunde oft schon vorbei..."

Den wirklichen "Durchbruch" in der Schule "schafften wir dann 1977/78 mit dem 2000Mark-PET" und den späteren Apple- und Commodore-Rechnern mit ihren einfachen Musikkassetten-Speicherlaufwerken; denn nun war wenigstens schon "für je zwölf bis 15 Oberstufen-Schüler ein Arbeitsplatz finanzierbar". Allerdings wurden diese Rechner noch allein für numerische Berechnungen und simple Simulationen benutzt. Bei Grafiken mußten die Schüler die einzelnen Raster-Bildpunkte in Gestalt von Zeichen eingeben .

Hat man in den Ministerien noch um 1975 herum "ernsthaft diskutiert, ob ein Rechner für Schüler denn wirklich volle 4 KB Hauptspeicher benötigt - oder ob es nicht auch 1 KB tut", so rümpft der hoffnungsvolle Nachwuchs von heute bereits die Nase,

findet er weniger als 1 MB, also das Tausendfache, vor.

Mit PCs allein ist es aber nicht mehr getan. So wünschen sich beispielsweise Sprachlehrer Scanner, mit deren Hilfe sie einen Text aus der "Times" direkt in den Rechner einlesen, ihn am Bildschirm schülergerecht modifizieren und dann im Unterricht behandeln können.

Der Mensch trifft die Entscheidungen

Computer in der Schule sind heute Objekt und Werkzeug wobei die Schüler die Arbeitsweise der elementaren logischen Schaltungen wie auch die grundlegenden Strukturen der Programme kennenlernen. Die Schüler lernen, daß "nicht die Maschine Entscheidungen trifft sondern der Mensch", und wird auch an Diskussionen der positiven wie der negativen Aspekte der Automation herangeführt.

Als Werkzeug im Unterricht dient der PC bei den Anwendungen Textverarbeitung, Grafik, Tabellenkalkulation und bei der Telekommunikation. Und im Fach-Unterricht kann er als "Spezialwerkzeug" dienen, das, mit Hilfe entsprechender Programme, beispielsweise das Simulieren verwickelter ökologischer Systemzusammenhänge darstellen kann. Bei relativ einfachen Sachverhalten bevorzugen die Lehrer doch eher die konventionelle Methode. "Den Strahlengang durch ein Brennglas lassen wir lieber in der Praxis erforschen, denn da wäre der Computer bestimmt fehl am Platze."

Die Zukunft wird aufwendige Simulationsprogramme mit bewegter Grafik bringen, erwartet Rauschmayer, der auch gleich ein aktuelles Beispiel parat hat: "Mit einem neuen Programm können Sie den Schülern die Relativitätstheorie Einsteins viel anschaulicher zeigen, als mit irgend einem anderen Instrument." Zumal man die Darstellung "jederzeit anhalten und über sie eingehend sprechen" könne.

Ausgesprochen vielfältig sind heute die Möglichkeiten, den Rechner in Verbindung mit Musik einzusetzen, weiß Rauschmayer. Denn man kann beispielsweise manuell Noten eingeben und sie dann in verschiedenartiger "Instrumentierung" abspielen lassen - was begabte Schüler gern bei raffinierten Eigenkompositionen nutzen, "die zu spielen ihnen selbst zu schwer fällt".

Auch für Lernprogramme werden Rechner in der Schule eingesetzt. Software gibt es für Mathematik-, Sprach- und Grammatikübungen. So können "pro Stunde nun 30 Schüler das Bruchrechnen trainieren", während es früher - allein mit dem Lehrer - allenfalls fünf waren.

Erstaunlich viele Schüler, so hat Rauschmeyer beobachtet, haben heute schon einen eigenen Computer. Bis zu 14 Jahren interessieren sich die Schüler fast nur für fertig einsetzbare Spiele - doch andere fangen schon an, sich eigene, kleine und nützliche Programme zu schreiben. Beliebt ist Software

für die Konzeption von Visitenkarten oder zum Üben von Vokabeln oder Rechenaufgaben.

Laut Rauschmayer gibt es auch bei der Beschäftigung mit dem PC geschlechtsspezifische Unterschiede. Während die meisten Jungen "gern an einer Stelle bohren", gern experimentieren und auch scheinbar sinnlose Dinge - wie etwa das "Eingeben einer 23stelligen Zahl" - ausprobieren, um so die Grenzen der Maschine abzutasten - "sind Mädchen weniger an Experimenten interessiert ".

Betrachtet man schließlich noch die aktuelle Ausstattung der Schulen mit Rechnern, so ist sie, mit Blick auf die heutige Standard Technik der PCs, XTs und Nadeldrucker, "bei Gymnasien und Realschulen durchaus zufriedenstellend, während Hauptschulen etwas knapper dran sind" .