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12.04.1996 - 

Gastkommentar

Schulen ans Netz: Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren

Christine Steinbach, Senior Consultant bei Eutelis Consult, Ratingen

Am 9. Maerz 1996 gab es einen Net Day in Kalifornien: Ziel war, an diesem Tag saemtliche privaten und oeffentlichen Schulen ans Internet anzuschliessen und einzelne Klassenraeume zu verkabeln. Die kalifornischen Carrier wollen fuer ein Jahr kostenlos Telekommunikations-Anschluesse bereitstellen. Sponsoring macht´s moeglich. Der Net Day spiegelt eine typisch amerikanische Entwicklung: PC und Telekommunikation, Datenbanken und Internet sind dabei, Bueros, Privathaushalte, Verwaltung und Ausbildungsstaetten zu erobern. Es ist nur konsequent, dass die Amerikaner jetzt schon versuchen, ihre Kinder bestmoeglich auf das Berufs- und Privatleben vorzubereiten, das sie in wenigen Jahren erwartet.

In Deutschland, noch einem der wirtschaftlich potentesten Laender der Welt, wird die Vision der Informationsgesellschaft diskutiert. Viele sehen im Internet den Inbegriff einer Sintflut von elektronischen Informationen, die sich ueber uns ergiessen wird.

"Schulen im Netz" heisst gleichwohl die Antwort der Bundesregierung auf die Herausforderungen des Informationszeitalters im Bildungswesen. Zukunftsminister Juergen Ruettgers hat dies kuerzlich auf der CeBIT noch einmal bestaetigt. Die Deutsche Telekom AG wird in der naechsten Zeit mit einem 30 bis 35 Millionen Mark umfassenden Budget TK-Anschluesse, speziell ISDN, fuer Schulen kostenlos zur Verfuegung stellen. Bundeslaender wie Nordrhein- Westfalen haben die Idee aufgegriffen und wollen ihrerseits mit Hilfe von Sponsoren jeder Schule einen Multimedia-Arbeitsplatz mit Internet-Anschluss ermoeglichen.

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Wie viele Schueler werden zum Beispiel auf der Suche nach Informationen fuer den Biologie-Unterricht im Internet surfen koennen? Wie viele werden sich direkt mit Schuelern aus England oder Australien austauschen koennen, was sie auf spannende Weise mit der englischen Sprache konfrontieren wuerde?

Und die Lehrer? Werden sie es schaffen, von heute auf morgen auf Internet-Learning umzusteigen? Werden sie den Geraetepark betreuen koennen? Oder werden sie sich in technikfreie Bereiche zurueckziehen?

Und die Eltern? Deutschland gilt als technikfeindliches Land und ist in dieser Hinsicht gespalten, wobei auch extreme Auffassungen geaeussert werden. Nicht jeder Vater, jede Mutter wird damit einverstanden sein, dass Internet und Computer in den Unterricht integriert werden. Gegenmassnahmen werden nicht ausbleiben, durch die die Kinder moeglicherweise demotiviert werden.

Andererseits ist nicht jedes den neuen Techniken aufgeschlossene Elternhaus in der Lage, die noetige Ausruestung privat zu bezahlen.

Und die Kinder? Sie sind ganz offensichtlich computerbegeistert. Nicht wenige besitzen heute schon einen PC mit CD-ROM-Laufwerk und Modem, Spielkonsolen etc.: Equipment, das ihnen Eltern und Grosseltern geschenkt haben - die selbst indes damit meist nicht viel anfangen koennen. Oft scheint es, dass die Kinder besser ausgestattet sind als die Durchschnittsschule, die auf geradezu museale PC-Generationen angewiesen ist.

Im Januar und Februar berichteten viele Zeitungen, dass das Niveau der Schueler in allen Schultypen stark gesunken ist. Rechtschreibung, schriftliche Ausdrucksfaehigkeit und mathematische Kenntnisse lassen zu wuenschen uebrig, wie Langzeittests zeigten. Ist also die Schule zu langweilig? Sind PC und Internet die Rettung? Koennen viele schoene, bunte Bilder Schueler animieren, mehr zu lernen? Oder werden Internet und hochgeruestete Multimedia-PCs eher fuer neue Computerspiele herhalten?

Unsere Kinder muessen sich mit einer Welt auseinandersetzten, die immer komplexer wird. PC und Vernetzung werden als alltagstaugliche Werkzeuge dafuer unverzichtbar sein. Der allerdings wesentlich weiterentwickelte, erheblich benutzerfreundlichere PC wird als Maedchen fuer alles in Bueros und Werkstaetten, in Geschaeften und zu Hause bereitstehen, um Auftraege entgegenzunehmen und abzuarbeiten, Unterhaltung und Nachrichten zu liefern.

Von der Faehigkeit der Menschen, sich in der Informationsgesellschaft zurechtzufinden und die Datenautobahnen zu befahren, wird der Erfolg Deutschlands als Wirtschaftsstandort kurzfristig abhaengen. Der PC allein wird unsere Kinder nicht zu Genies machen. Werden sie vom Internet klueger werden? Sicherlich nicht, aber das systematische und durch Learning by doing unsystematische Heranfuehren an elektronische Informationsmedien auch in der Schule kann ihnen helfen, sich in der teils ja schon existierenden ganz normalen Arbeitswelt der Informationsgesellschaft schneller, besser und motivierter als ihre Eltern zurechtzufinden.