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Forrester-Research-Report:


28.02.1992 - 

Schulnoten für Superserver messen sich nicht nur an der CPU-Leistung

MÜNCHEN (jm) - Spricht man von PC-Servern, denkt man in der Regel an Compaqs "Systempro". In Deutschland weniger bekannt, in den USA jedoch schon länger gut beleumundet sind die Unternehmen Parallan Computer Inc., Tricord Systems Inc. und die Netframe Systems Inc. Allen ist gemein, daß sie den unter anderem von DEC, IBM oder HP abgedeckten herkömmlichen Midrange-Bereich mit ihren aufgemöbelten PC-Schwergewichten aufrollen wollen. Das Marktforschungsinstitut Forrester Research hat die vier Kontrahenten genauer unter die Lupe genommen.

Nein - Amerika hat es nicht besser. Denn für die Wende in der DV-Industrie gilt daß auch jenseits des großen Teiches kostengünstige PC-Systeme die proprietären und teuren Midrange und Mainframe-Systeme noch kaum in großem Maßstab haben ins Abseits stellen können. Die Ablösung ist allerdings abzusehen.

Die Marktbeobachter von Forrester Research sehen den nur langsam fortschreitenden DV-Wandel dabei nicht in der mangelnden Reife der PC-Superserver begründet. Daß die Systempros Powerframes, Netframes und Parallans Server-290-Systeme bislang nicht den erhofften Durchbruch am Markt erlebten, begründen sie vor allem mit Schwächen im Software-Angebot: Zum einen sei der verspätete beziehungsweise noch nicht vollzogene Markteintritt von OS/2 sowie die geringe Größe der bislang installierten LANs den Super-PCs nicht förderlich gewesen. Zum anderen trügen der Mangel an Client-Server-Werkzeugen und Softwarelösungen, die Multiprozessor-Systeme unterstützen, sowie die fehlende Datenintegrität bei PC-basierten Topologien die Verantwortung für die fehlende Begeisterung der Anwender, Superservern die unternehmensrelevanten Daten anzuvertrauen.

Den Herstellern lasten die Auguren an, sich nicht genügend um Anwenderbelange gekümmert und übersehen zu haben, daß Superserver, die 50 und mehr Benutzer bedienen können, sich bei kleinen LANs nicht rechnen. Auch die hohen Preise zwischen 40 000 und bis zu 60 000 Dollar für die großkopferten Mikros war der Anwender bislang nicht bereit zu zahlen, wenn für seine Bedürfnisse ein herkömmlicher PC gute Dienste tat.

Die Forrester-Analysten traten dabei schon 1990 durch Publicity-trächtige Kosten-Nutzen-Analysen ins Rampenlicht: Den Mainframes sagten die Marktauguren einen langsamen, aber unvermeidlichen Tod voraus, sie sahen demgegenüber PC-basierte Client-Server-Systeme in der Prinzenrolle. Auch die Erklärung hierfür war eindeutig: Die Einsparungen des auf Industriestandards und verbreitete Schnittstellen setzenden Anwenders würden sich gegenüber den Kosten der Anwender von herstellereigenen Großrechner- und Midrange-Systemen auf einen Faktor von 10:1 belaufen. Deshalb prognostizieren die Marktbeobachter, daß in dem Maße, wie LANs ausufern und Datenbank-Server-Topologien Freunde unter den Anwendern finden, auch PC-Superserver von großen Unternehmen ins Kalkül zukünftiger DV-Strukturen gezogen werden müssen.

Außerdem befindet sich der DV-Markt im Fluß, verändert sich: Die Forrester-Leute rechnen die bislang installierte Zahl von OS/2- und Netware-basierten Server-DB-Implementationen mittlerweile auf 30 000 Einheiten hoch.

Groupware-Applikationen wie "Notes" von Lotus, die Client-Server-Strukturen sehr entgegenkommen, gewännen zunehmend an Marktbedeutung. Zudem steige die Anzahl der an LANs angeschlossenen Arbeitsstationen in den Unternehmen ganz unübersehbar. Das bereitet jedoch den Systemadministratoren zunehmend Kopfzerbrechen bezüglich wachsender Speicherplatz-Anforderungen und allgemeiner Netzverwaltungsprobleme, weswegen DV-Manager in Zukunft vermehrt nach zentral arbeitenden PC-Superservern fragen würden. Deren Hersteller wiederum seien zunehmend aufnahmebereit für Kostenargumente der Anwender und böten mittlerweile Einstiegsrechner für unter 20 000 Dollar an.

Um dieses Thema kritisch zu beleuchten, widmete sich Forrester Research in einem Report vom November 1991 den Potentialen von PC-Superservern. Untersucht wurden Compaqs "Systempro", Netframes "NF-Series"-Rechner, Parallans "Server 290" und Tricords "Powerframe". Die Analysten definierten einen Superserver als ein System, das zum einen mit den weitverbreiteten Intel-CPUs rechnet, zum anderen Multiprozessor-Architekturen bedient. Superserver zeichnen sich nach Forrester Meinung ferner durch besonders auf I/O-Aktionen getrimmte Architekturen aus. Zudem können die PC-Muskelprotze erhöhte Datenintegrität bieten.

Bei ihrem Kriterienkatalog berücksichtigten die US-Amerikaner aus Cambridge, Massachusetts, nicht nur die Hardware-Architektur, also die verwendeten Prozessoren und die I/O-Bus-Struktur sowie den Grad an Fehlertoleranz und die zu erwartende Verfügbarkeit der Rechner. Sie fragten auch nach dem Verhalten der Systeme in Filesharing- und Applikations-Server-Umgebungen. Zudem interessierte sie, wie komplett das Angebotsspektrum der vier Hersteller ist und inwieweit sich die Systeme bei Bedarf erweitern lassen.

Ein weiterer Punkt galt der Unterstützung verschiedener (Netzwerk)-Betriebssysteme. Von wesentlicher Bedeutung war natürlich, welche Anbindungsoptionen die jeweiligen Superserver bieten: Werden Appletalk, Ethernet und Token Ring bedient, lassen sich PC-, Macintosh- und Unix-Workstations in ein Netz, das von einem dieser vier Server versorgt wird, einbinden?

Nur Tricord und Compaq in Deutschland vertreten

Nicht minder wichtig und deshalb auch abgefragt wurde die Fähigkeit der Server, über bereits eingebaute Diagnose- und andere Softwarewerkzeuge den Rechner samt Netz zu handhaben und zu bedienen. Die Aussagen über Distribution sowie Service der vier Superserver-Hersteller erlangen für Deutschland allerdings nur eingeschränkte Bedeutung, denn bis auf Compaq unternimmt nur noch Tricord über die Kölner Computer Partner Team GmbH (CPT) erste Schritte im deutschen Markt. Parallan ließ sich auf der CeBIT '91 durch Nokia vertreten, war auf der Systems '91 allerdings nicht präsent. Netframe hat ein Vertriebs- und Support-Abkommen mit Olivetti.

Last, but not least mußte sich auch das Management der Server-Quadriga Fragen von den Marktbeobachtern gefallen lassen: In die Allgemeinbenotung ging auch ein, ob die Verantwortlichen mit erfolgversprechenden Strategien für den Superserver Markt aufwarten können, die das Produkt überlebensfähig und für den Anwender zur sicheren Investition geraten lassen.

Ein illustrer Name verlieh dem Eintritt des ersten Superserver-Anbieters die höheren Weihen der Glaubwürdigkeit: Carl Amdahl, Sohn des legendären /370-Entwicklers Gene Amdahl, stellte gemeinsam mit Ex-Businessland-Manager Enzo Torresi im Oktober 1989 - also einen Monat vor Compaqs "Systempro"-Taufe - Netframes "NF Series"-PC-Superserver vor. 1991 haben die Leute aus dem kalifornischen Milpitas nach Schätzung von Forrester etwa 20 Millionen Dollar Umsatz gemacht, was bei einem Durchschnittspreis von 37 000 Dollar pro System etwa 360 abgesetzten Servern gleichkäme.

Als Pluspunkte verbuchen die Forrester-Analysten für Netframe-Maschinen deren Ausrichtung als Applikations-Server.

Obwohl auch als Fileserver geeignet, spielten die NF-Series-Rechner ihre wahre Stärke als Datenbank- oder Applikations-Server aus. Die Auguren rechnen Netframe vor allem hohe Datenintegrität positiv an, die unter anderem durch ECC-Speicher (Error Correcting Code) erzielt werden.

Stark findet Forrester das Netframe-Konzept, eine OS/2-Application-Processor-Karte zu entwickeln, mit deren Hilfe es möglich sein wird, in einem einzigen NF-Server-Gehäuse sowohl Netware als auch OS/2 laufen zu lassen. Separate Netware-File-Server- und OS/2-Applikations-Maschinen wären - wenn das Konzept funktioniert - nicht mehr nötig.

Der Daumen der Inquisitoren zeigt allerdings nach unten, geht es um die Preiswürdigkeit: Um in den Genuß ansprechender Rechenleistung und Zuverlässigkeit aus dem Hause Netframe zu kommen, muß der Anwender auch auf die Netframe eigenen Netzwerk-Karten, Plattensubsysteme und Speichererweiterungen zurückgreifen. Deshalb beschwerten sich Kaufinteressenten auch, daß Netframes Multifunktions-Karten wesentlich teurer seien als Ethernet-Karten.

Auch die Fernbedienungs-Diagnoseoption scheint nach Forrester-Aussagen nicht gerade Begeisterungsstürme zu entfachen. Die "RCON"-Software ist nach Meinung der befragten Anwender nur schwer zu bedienen und wenig flexibel. Erste Wahl für Netframe-Anwender ist deshalb Novells "Netware-Remote-Console"-Tool.

Die Diagnose der Forrester-Leute für Netframe ist eindeutig: Technologie hui, Marketing pfui. Wenn die Kalifornier nicht rechtzeitig einsehen, daß der Preisdruck der PC-Hersteller auch auf die Superserver-Anbieter Eindruck machen wird und sie deshalb ihre Preispolitik revidieren, prophezeien die Marktanalysten Netframe ein mögliches böses Erwachen.

Als zweiter Superserver-Anbieter - und wegen seiner Präsenz im PC-Bereich wesentlich mehr beachtet - trat Compaq im November 1989 mit der Ankündigung der "Systempro" Rechner auf den Plan. Damals noch unter der Ägide von Rod Canion ist Eckhard Pfeiffers Unternehmen mittlerweile mit von Forrester geschätzten 5200 in den USA verkauften Einheiten im Jahr 1991 (Durchschnitts preis 19 000 Dollar) Primus der vier Superserver-Anbieter.

Neben der Multiprozessor-Unterstützung hebt Forrester bei Compaq die Technologie der IDA-Bus-Master-Karten (Intelligent Disk Array) hervor. Außerdem könnten die Texaner auf ihren guten Namen bauen. Auch das Einstiegsangebot in das Server-Segment - der "Systempro LT" - für Interessierte DV-Manager sei verführerisch.

Allerdings zählt das Marktforschungsinstitut aus dem amerikanischen Nordosten auch diverse Schwachpunkte des Compaq-Angebotes auf: Wohl wegen der historistisch bedingten PC-Herkunft biete Compaq nur unbefriedigende Datenintegritäts- und Fehlertoleranz-Charakteristika. Als Datenbank-Server könne der "Systempro" deshalb nur eingeschränkt empfohlen werden.

Compaqs Support in den USA läßt zu wünschen übrig

Auch die maximale Belastbarkeit des Systems sei im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten geringer: Wo die Mitbewerber bis zu 200 angeschlossene Arbeitsstationen bedienen könnten, ginge dem Compaq-Server schon bei 150 Clients die Luft aus. Zumindest in den USA beschweren sich Kunden zudem über mangelhafte Unterstützung und niedriges Niveau beim Service. Was bei der Einführung des Systempro in Deutschland 1989 schon kritisch angemerkt wurde - übliches Händler-Know-how reiche für diese in den Midrange-Bereich stoßenden Server längst nicht mehr aus, Compaq müsse wie die etablierte Konkurrenz unter anderem von DEC, IBM, HP, Unisys und Siemens ähnlichen Support bieten können, um mit dem Systempro Erfolg zu haben -, scheint in Amerika ein Problem zu sein.

Auch nicht berauschend ist, daß die Diagnosemöglichkeiten durch die System-Manager-Karte nur von Compaq selbst hergestellte Komponenten anspricht. Zwar könnten industrieweit benutzte IDE-Speichersubsysteme verwendet werden, aber nur Compaqs Platten integrierten nach Forrester auch die Firmware, die Selbstdiagnosen und damit die Überwachung des Systems vornehmen.

Zusammenfassend beurteilen die Analysten den Systempro als das - an Architekturprinzipien gemessen - am wenigsten für Server Aufgaben spezifizierte System der vier Prüflinge. Compaq müsse sowohl verbesserte Fehlertoleranz-Charakteristika entwickeln als auch die Leistungskapazitäten steigern, um die Verkaufserfolge weiterhin auf dem bisher hohen Niveau zu halten. Übrigens sehen die Tester auch Konkurrenz von unten: Nicht nur Clones würden dem Systempro zunehmend Probleme bereiten, auch die Konkurrenz durch das eigene LT-Einstiegsmodell könnte potentielle Gefahr für den texanischen Superserver bedeuten.

Cloner könnten in Tricords Gefilden wildern

Recht positiv gestimmt waren die Kritiker beim Urteil über das Tricord-Angebot: Die im Juni 1990 angetretene Firma um Mitgründer Larry Ingwersen aus Plymouth, Minnesota, setzte überschlägig im vergangenen Jahr in den USA 450 Systeme ab (Durchschnittswert: 38 000 Dollar). Bemerkenswertestes Kennzeichen der "Powerframes" ist das Hochgeschwindigkeits-Bus-System zwischen der CPU und der I/O-Peripherie.

Ganz wichtig für Anwender ist, daß die Tricord-Systeme auch insofern dem Argument Offenheit zugänglich sind, als Standardkomponenten der PC-Industrie wie EISA- und SCSI-Produkte in den Ingwersen-Produkten eingesetzt werden können. Anwender haben die Möglichkeit, preiswerte Laufwerke und I/O-Netzwerk- ebenso wie Speichererweiterungs-Karten von verschiedenen Drittanbietern in den Tricord-Servern einzusetzen.

Gefahren lauern nach Meinung von Forrester unter anderem in Tricords Konzentration auf Fileserver-Aspekte. Hier könnten Cloner wie Dell, ALR oder AST in den Gefilden der Plymouth-Vertriebsleute wildern.

Auch bei der Fehlertolleranz hapere es noch, meint Forrester. Parity-Checks funktionieren beim Powerframe nur im internen Bus, griffen jedoch nicht auf den EISA-Bus und Erweiterungskarten über. Mit der Reife des Applikations-Server-Marktes - Forrester erwartet sie für 1992 bis 1993 - könnte Tricord deshalb in Probleme geraten. Wenn die Leute um Ingwersen es schaffen, ihre Company auf ein 25- bis 50-Millionen-Dollar-Niveau zu hieven und Schwächen des Rechners für Applikations-Server-Aufgaben auszubügeln, könnte Tricord allerdings ganz oben auf der Superserver-Welle schwimmen. Der jüngste Mitstreiter im Superserver-Wettbewerb ist Parallan: Eingestiegen im November 1990, ging man davon aus, im abgelaufenen Jahr 125 Systeme zum Durchschnittspreis von 70 000 Dollar an den Mann zu bringen (Gesamtumsatz rund neun Millionen Dollar). Der "Server-290"-Rechner kann ebenfalls mit einem schnellen Bus-System zwischen CPU und I/O-Controller aufwarten.

Stark ausgeprägt sind auch die Fehlertoleranzqualitäten: Von allen vier begutachteten Superservern bietet der von Parallan nach Forrester-Meinung die umfassendsten Datenintegritäts-Optionen. Auch die Parallan-eigene "Mass"-Software (Maximum Availibility and Support) biete die ausgefeiltesten Systemüberwachungs- und Kontrollfunktionen aller vier Wettbewerber. Zumindest für die USA gilt, daß das Management aus dem kalifornischen Mountain View hohe Investitionen getätigt habe, um dem Anwender einen gut funktionierenden Direktvertrieb andienen zu können - nach Meinung der Analysten wird diese Management-Entscheidung in den USA bei MIS-Verantwortlichen auch honoriert.

Größter Schwachpunkt des Parallan-Servers ist das Betriebssystem: Die Server-290- Modelle laufen nur unter OS/2. Die diesbezüglichen Probleme sind branchenweit bekannt. Forrester äußert deshalb Bedenken, ob sich Parallan mit der OS/2-Beschränkung und dem zu befürchtenden Mangel an OS/2-Anwendungen nicht selbst ein Bein stellt.

Parallan muß Einäugigkeit aufgeben

Auch die Verfügbarkeit des "Oracle Servers" und des bevorstehenden SQL-Server-Produktes für Novells Netware reduzieren die Attraktivität des OS/2-Angebots von Parallan. Zudem könnte Netframe mit dem OS/2-Applications-Processor-Karten-Konzept den Umsatz von Parallan schmälern.

Forresters Rat für die Kalifornier: Sie müssen - wollen sie Erfolg haben - unbedingt ihre Einäugigkeit in Sachen Betriebssystem aufgeben.

Abschließend meinen die Forrester-Auguren, mit zunehmenden Client-Server-Applikationen werde höchste Rechenleistung und größere Zuverlässigkeit bei der Datenintegrität verlangt. Um beim Angebot der etablierten Mini- und Midrange-Hersteller mitbieten zu können, müßten die Superserver Vertriebsleute auf eine kritische Masse von mindestens 10 000 bis 15 000 verkauften Einheiten pro Jahr kommen, was einem Umsatz von 75 bis 100 Millionen Dollar entspricht. Da das Leistungsangebot der vier begutachteten Hersteller sich teilweise überschneidet, sei zudem damit zu rechnen, daß im harten Konkurrenzkampf für das zukünftig heftig umworbene Marktsegment der Server-Systeme nicht alle vier Mitstreiter überleben werden.