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25.02.1977

Schulung nach Art der Vorväter

Tagtäglich finden in über einem Dutzend Ausbildungsstätten Kurse und Lehrgänge zu Datenverarbeitungs-Themen statt. Von den mehrwöchigen Lehrgängen ganz abgesehen, besuchen Hunderte, wenn nicht über tausend Führungskräfte der Wirtschaft alltäglich renommierte und weniger renommierte "Institute", "Akademien und "Seminare". Die Kosten pro Einzelfall: Teilnehmergebühren, Reisekosten, Spesen und fixe Gehaltskosten zusammen im Schnitt mindestens 500 Mark, meist nahezu 1000 Mark pro Tag.

Was wird dafür geboten? Im Regelfall gibt es einen, selten zwei Referenten, die nach Art der Vorväter stundenlang ihre Zuhörer "berieseln". Zwar Zeiten für Diskussionen vorgesehen, die aber meist als Puffer benutzt werden, um Überlängen der Vorträge abzufangen. Wo es mehr als zwei Dutzend Zuhörer gibt, ist Diskussion ohnehin nur eine Farce: Meist reden die, die sich dazu berufen fühlen und nicht die, die etwas zu sagen hatten. Des weiteren versuchen die auf sich aufmerksam zu machen, die etwas zu verkaufen haben: Hersteller-Vertreter, Unternehmensberater. Denn in der Regel gibt es keine homogenen Zielgruppen. EDV-Chefs stizen neben Sachbearbeitern, EDV-Laien oft neben Spezialisten.

Muß das so sein? Alles andere wäre sehr teuer. Eine Begrenzung der Teilnehrnerzahl schmälert den Profit. Gruppenarbeit und Kleingruppenarbeit mit Fallstudien erfordert viel Vorbereitung, möglicherweise gar zusätzliche Moderatoren. Gute Unterlagen müssen von Grafikern erstellt werden und die sind teuer. Video-Unterstützung gar durch Film- oder Fernsehkonserven sprengt die Budget-Ansätze. Wer soll das bezahlen?

Also bleibt alles beim Alten: Frontal-Unterricht, Transparente für Overhead-Projektoren von mit Schreibmaschinenschrift, die in den letzten Reihen keiner mehr lesen kann. Karge Stichwort-Blätter als Seminar-Dokumentation. Meist auch massive Eigenwerbung der Vortragenden, deren Honorare ohnehin nicht die Vollkosten einschließlich Vorbereitung abdecken. So gehabt bei Kongressen, Symposien, Lehrgängen und Seminaren.

Was tun? Oftmals ist es sinnvoller, zwei Tage lang ein oder zwei Fachbücher zu studieren, als fernab ein Seminar zu besuchen. Bei der Auswahl von Veranstaltungen wäre darauf zu achten, wie oft die Seminare durchgeführt wurden und werden, denn - beschränkte Teilnehmerzahl vorausgesetzt - nur bei Mehrfach- und Vielfach-Veranstaltungen können die Veranstalter, die für angemessene Qualität erforderlichen Investitionen machen. Es ist ferner ein Irrglauben, anzunehmen, daß gute Seminare billig sein können. Die billigsten sind meist die teuersten. Schließlich: Die Teilnehmer sollten Lehrveranstaltungen der üblichen Art viel kritischer bewerten, um den Veranstaltern zu zeigen, daß man höhere Erwartungen hatte.