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06.01.1995

Schulungsgeschaeft verlagert sich vom Klassenzimmer ins Projekt Ischebeck: Unser Konkurrent ist nicht die Volkshochschule

Kundenspezifische Kurse, ein veraendertes Berufsbild des Dozenten, Einsatz von Multimedia - der DV-Schulungsmarkt veraendert sich schneller, als einigen Anbietern lieb ist. Professor Wolfram Ischebeck geht in einem Interview mit CW-Redakteur Hans Koeniges auf die gewandelten Rahmenbedingungen im Trainingsgeschaeft ein und skizziert die zukuenftige Entwicklung.

CW: Unlaengst haben Sie erklaert, dass man als Seminaranbieter nur ueberleben kann, wenn man kreativ und innovativ ist. Wie sieht Ihr Beitrag dazu aus?

Ischebeck: Wir kommen mit einer Vielzahl von Ueberblicks- und Orientierungsseminaren zu zukunftsorientierten IT-Themen auf den Markt - auch wenn sich die Nachfrage hier erst entwickelt. Ich denke zum Beispiel an Multimedia und Objektorientierung. Darueber hinaus erweitern wir unser Angebot an Seminaren zu Themen wie Personalfuehrung und Ausbau der persoenlichen und sozialen Kompetenz.

CW: Letztere Themen sind doch gar nicht so neu.

Ischebeck: In der Vergangenheit ging es in erster Linie darum, Produktwissen zu vermitteln. Heute ist unser Programm umfassender und beinhaltet zu einem grossen Teil methodische und produktunabhaengige Themen. Auch der Bedarf an kundenspezifischen Kursen nimmt immer mehr zu, vor allem bei den sogenannten weichen Themen. Individuelle Kundenprojekte machen gerade in diesem Bereich mittlerweile 90 Prozent unseres Geschaefts aus.

CW: Woher nehmen Sie die Trainer, die nun kundenspezifisch agieren?

Ischebeck: Das Bild des Trainers hat sich in letzter Zeit stark

gewandelt. Musik nur vorne zu machen, ist ein ueberholtes Bild.

CW: Was wuenscht sich der Anwender?

Ischebeck: Vor allem grosse Firmen legen auch im Bildungsbereich immer mehr Wert auf Partnerschaften. Gesucht werden "Consultants", die kompetent auf die Beduerfnisse der Kunden reagieren. Einzeltrainer sind immer weniger gefragt.

CW: Wie sieht es aber mit der Schulung Ihrer Hauptklientel, der Grossrechnerexperten, aus?

Ischebeck: Ich moechte ein Beispiel anfuehren: Einer unserer Grosskunden hat unlaengst in einem Vortrag erzaehlt, wie er Cobol- Programmierer dazu gebracht hat, Projekte in C++ zu realisieren. Das Management sei sehr angenehm ueberrascht gewesen, wie engagiert die aelteren Mitarbeiter mitgezogen haben. Voraussetzung ist, dass man ihnen eine faire Chance gibt und sie rechtzeitig einbezieht. Schwarzweissmalerei hilft hier nicht weiter.

CW: Wie engagieren Sie sich im PC-Schulungsmarkt?

Ischebeck: Zum einen bieten wir ein umfassendes Programm fuer die Spezialisten, das unter anderem Betriebssystem- und Netzwerkkurse beinhaltet. Zum anderen haben wir fuer Endanwender speziell eine PC-Trainingscenter-Organisation gegruendet.

CW: Laesst sich denn mit Endanwenderkursen noch Geld verdienen? Angeblich sollen die Margen minimal sein.

Ischebeck: Wir konkurrieren nicht mit der Volkshochschule und nicht mit dem lokalen Haendler. Unsere Zielgruppe ist eine andere. Unlaengst haben wir fuer 80 Niederlassungen eines Konzernes eine auf Standardsoftware basierende Anwendung geschult. Unser PC- Kursprogramm ist kein Kataloggeschaeft - 99 Prozent sind projektorientiert und finden beim Anwender statt.

CW: Also sind Sie auch pessimistisch in bezug auf den offenen PC- Seminare-Markt?

Ischebeck: Ich bin ueberzeugt, dass es auch fuer offene PC-Seminare einen Markt gibt, wenn die Kurse qualitativ anspruchsvoll sind und preislich einen bestimmten Rahmen nicht ueberschreiten. Tatsache ist naemlich, dass die Endanwender in den Unternehmen die Software nur ansatzweise nutzen, etwa um Briefe zu schreiben. Einschraenkend will ich aber hinzufuegen: Der deutsche PC-Schulungsmarkt ist fuer private Anbieter unter anderem auch deshalb schwierig, weil Volkshochschulen und Verbaende eine andere Kostenstruktur haben.

CW: Wie beurteilen Sie angesichts knapper Seminarbudgets bei Anwendern die Perspektiven im Schulungsmarkt?

Ischebeck: Ich glaube nicht, dass die Unternehmen im Durchschnitt bei Kursen sparen. Die Schulung hat sich in andere Bereiche verlagert, weg vom Klassenraum hin zu Projekten. Es wird nicht mehr das einzelne Produkt geschult, sondern Zusammenhaenge werden erlaeutert und Mitarbeiter fuer neue Berufe vorbereitet.

CW: Hat das klassische Schulungsunternehmen Ueberlebenschancen?

Ischebeck: Die Form des Trainings hat sich bereits heute grundlegend geaendert und wird sich noch weiter veraendern. Die klassische Schulung - der Klassenraum - wird in Zukunft nur noch dann eine Existenzberechtigung haben, wenn aus Gruenden der technologischen Infrastruktur keine praktische Alternative existiert. Training wird kuenftig mehr als heute auf CD-ROM verfuegbar sein, Teilnehmer zu Hause haben Zugriff auf die Datenautobahn, und auch Fernlernen wird sich einer groesseren Akzeptanz erfreuen.

CW: Der Durchbruch neuer Medien in der Lernwelt?

Ischebeck: Auch im Trainingsgeschaeft wird zunehmend Technik eingesetzt. Allerdings finden viele Lernprojekte im Bereich neuer Medien in vielen Faellen vor allem deshalb statt, um zu zeigen, was mit Technik heute alles realisierbar ist und nicht, um mehr Effektivitaet und damit bessere Ergebnisse beim Lernen zu erzielen. Neue Medien wie Multimedia werden den Unterricht immer nur ergaenzen und nie ersetzen koennen. Es kommt auf die Verbindung von Technologie und Training an.

Groesster DV-Bildungsanbieter

Die IBM Bildungsgesellschaft mbH sieht sich als groesstes Schulungsinstitut im DV-Bildungsmarkt mit einem Anteil von neun Prozent. Mit 514 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von 202 Millionen Mark (Stand Fruehjahr 1994). Der Geschaeftsfuehrer Wolfram Ischebeck arbeitet seit 1966 bei IBM und bekleidete die unterschiedlichsten Positionen. 1992 uebernahm er den Bereich Bildungswesen, und seit Anfang 1993 ist er Geschaeftsfuehrer der IBM Deutschland Bildungsgesellschaft mbH in Herrenberg.