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Nur mäßige Chancen für europäische DV-Anbieter in den USA:


06.09.1985 - 

Schwache Position auf den eigenen Märkten

LONDON (CWN) - Eine eher ernüchternde Bilanz der europäischen DV-Industrie zieht die IDC Europa Ltd. (London) in einer jetzt vorgelegten Studie.

Während die japanischen Anbieter den US-Markt aus einer Position der Stärke heraus angingen, die sie aus der Dominanz am heimischen Markt bezögen, könne das von den Europäern nicht gesagt werden. Hersteller der alten Welt, die sich am lukrativen amerikanischen Markt etablieren wollten, kämen aus einem Kontinent, in dem sich US-Anbieter erhebliche Marktanteile gesichert hätten.

Zwar hätten Barrieren, die nationale Postverwaltungen aufgebaut haben, die Telekommunikationsmärkte vor ausländischer Konkurrenz zumindest teilweise abschirmen können; DV-Anwender freilich hätten amerikanische Lieferanten mit offenen Armen empfangen. So stammten Ende 1983 rund 59 Prozent aller in Westeuropa installierten Großrechner von IBM. Bei Installationen mittlerer Größenordnung habe es nicht ein lokaler Anbieter auf einen Marktanteil von mehr als fünf Prozent gebracht, während IBM, DEC, HP und Wang 49 Prozent des Marktes bedient hätten.

Schwächen auch bei kleinen Systemen

Bei Systemen für einen bis 16 Benutzer - ein Leistungsbereich, der unten vom IBM PC und oben von der VAX/ 11-730 begrenzt wird - zeigte sich ein differenzierteres Bild. An den installierten Systemen gemessen sei DEC mit einem Anteil von elf Prozent Marktführer gewesen; die Europäer hätten Marktanteile zwischen vier und sechs Prozent erreicht.

Doch selbst dieser Markt scheine sich in Richtung IBM zu entwickeln. Zwar habe Olivetti 1983 in diesem Sektor die größten Stückzahlen ausgeliefert - das meiste Geld aber sei in Big Blue verdient worden, ob wohl IBM 3600 Systeme weniger als die Italiener auslieferte.

Trotz dieser nicht allzu vorteilhaften Ausgangsbasis hätten sechs europäische DV-Anbieter - Siemens, Nixdorf, ICL, Olivetti, Philips und Ericsson - mit Umsätzen zwischen drei und 50 Milliarden Mark Tochtergesellschaften in den USA gegründet, um sich ein Stück des größten DV-Marktes der Welt zu sichern.

Neben der schwachen Position auf den Heimmärkten macht den Europäern im internationalen Wettbewerb ein weiterer Faktor zu schaffen, dessen Existenz kaum öffentlich eingeräumt, an dessen Beseitigung aber mit aller Kraft gearbeitet wird: Die Technologielücke zwischen alter und neuer Welt.

Gemeinsam gegen IBM

In Eigeninitiative oder mit Regierungshilfe tun sich Europäer mit anderen Europäern, japanischen und amerikanischen Anbietern zusammen, um neue Technologien zu erarbeiten oder leistungsfähige Vertriebswege aufzubauen. Nach Meinung von Chris Wecka, Forschungschef bei IDC Europa in London, ist das Motiv all dieser Allianzen simpel: "Sie versuchen, von IBM Abstand zu halten und IBM zu bekämpfen." Die von IDC ermittelten Daten unterstreichen diese Aussage. Wo IBM noch keine marktbeherrschende Stellung hat, konnte sich Big Blue zumindest als der am schnellsten wachsende Anbieter im Bereich kleiner und mittlerer Systeme etablieren.

So bedienen sich denn ICL und Siemens bei Fujitsu, wenn es um Mainframe-Technologie geht, Olivetti wendet sich in der gleichen Angelegenheit an Hitachi. Während Olivetti Mikros an AT&T und Xerox verkauft, beziehen die Italiener AT&T Minicomputer, die sie in Europa unter eigenem Namen anbieten. Philips hat für den Vertrieb von Komponenten des Sophomation-Kommunikationskonzeptes einen OEM-Vertrag mit Harris abgeschlossen.

Philips und Siemens haben sich bei der Entwicklung neuer Chip-Technologien zusammengetan und unterhalten Halbleiterfertigungen in den USA. Philips hat mit Control Data ein Joint-venture gegründet, das die Entwicklung optischer Massenspeicher zum Inhalt hat. Schließlich arbeitet ICL mit der französischen Bull-Gruppe an einem Forschungsprojekt für Künstliche Intelligenz. Mit Ausnahme von Ericsson haben sich die europäischen Anbieter geeinigt, Standard-Software um das AT&T-Betriebssystem Unix zu entwickeln. Wiederum mit Ausnahme von Ericsson beteiligen sich alle an den Esprit-Projekten der Europäischen Gemeinschaft.

Meint Randolph Richmond, President der amerikanischen ICL-Tochter: "Die einzige Möglichkeit, mit IBM zu konkurrieren besteht darin, sich zusammenzutun. Ich glaube, es wird mehr und mehr Kooperationen dieser Art geben, insbesondere im Bereich der Kommunikation und der Computer selbst." Daß es so etwas wie eine Technologielücke geben könnte, bestreitet er freilich: Die von ICL entwickelten (und von Fujitsu gefertigten) Chips seien Top-Produkte.

Sowohl Siemens als auch Ericsson wollen sich namhafte Teile des amerikanischen Kommunikationsmarktes sichern. Auch bei Nixdorf sieht man hier - nach der Zerschlagung des Bell-Konzerns - gute Wachstumschancen. Man hat sich aber noch nicht entschlossen, die hierzulande verkauften digitalen Nebenstellenanlagen auch in den USA anzubieten. Einer der Gründe dafür mag im europäischen Zuschnitt dieser Produkte liegen. Sie müssen den lokalen Postbestimmungen entsprechen und können daher nicht ohne Modifikationen auf anderen Märkten angeboten werden.

Francis McInerney, Vice President der auf Fragen der Telekommunikation spezialisierten Unternehmensberatung Northern Business Information Inc., macht Amerika-Aspiranten wenig Hoffnung auf Erfolge: "In Europa stecken die Postverwaltungen den Leistungsrahmen von Kommunikationsausrüstungen ab. Die Kriterien dafür sind teilweise durch politische Überlegungen beeinflußt, die Planungen laufen über Jahre. In den USA werden die Eigenschaften von Kommunikationsausrüstungen vom Anwender bestimmt, die Anforderungen verändern sich schnell."

Der "Lernprozeß" der Europäer werde, so McInerney, durch einen wesentlichen Faktor verlangsamt: "Die meisten versuchen, das Geschäft von Europa aus zu betreiben; das muß ins Auge gehen."