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17.11.2000 - 

Direktanbieter erwartet Wachstum von 20 Prozent

Schwaches Europageschäft bringt Dell trotz erfüllter Planzahlen in Bedrängnis

MÜNCHEN (CW) - Obwohl Dell die nach unten korrigierten Planzahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres erfüllen konnte, rutscht der texanische Direktanbieter immer tiefer in die Krise. Grund dafür sind Prognosen aus den Vorstandsetagen in Round Rock, nach denen der Umsatz im Geschäftsjahr 2001/02 nur noch um 20 Prozent steigen werde.

Die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2000/01 sprechen im Grunde für ein gesundes und solide wirtschaftendes Unternehmen. Dell steigerte seinen Gewinn um 40 Prozent von 483 Millionen auf 674 Millionen Dollar. Für die Anleger bedeutet das ein Plus von 25 Cent pro Aktie. Der Umsatz wuchs im dritten Quartal um 22 Prozent auf 8,26 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu erwirtschaftete der Hersteller im Vorjahresquartal 6,78 Milliarden Dollar.

Mit diesem Ergebnis erfüllte Dell die Erwartungen der Analysten, die ihre Zahlen nach der Gewinnwarnung im Oktober nach unten korrigiert hatten. Im laufenden Geschäftsjahr werde man jedoch das anvisierte Umsatzwachstum von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreichen, beteuerte Chief Financial Officer (CFO) James Schneider. Für das kommende Geschäftsjahr, das im Februar 2001 beginnt, prognostizierte der Finanz-Manager ein Umsatzplus von etwa 20 Prozent.

Das ist den verwöhnten Analysten offenbar zu wenig. Nachdem die Dell-Bilanzen bis vor kurzem noch Wachstumsraten im Bereich von 50 Prozent ausgewiesen hatten, zogen die Börsenauguren angesichts der jüngsten Zahlen die Notbremse. Viele renommierte Bankinstitute wie zumBeispiel die Banc of America stuften Dell um einen Bewertungsrang ab. Die Aktie sackte auf einen Tiefstwert von knapp über 22 Dollar. Noch vor einem Jahr hatte das Papier bei fast 60 Dollar notiert.

Marktforscher werfen den Texanern vor, die Ziele bewusst niedrig zu halten, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, ein weiteres Mal die Erwartungen der Finanzwelt zu enttäuschen. So sei ein Wachstum von 20 Prozent problemlos zu erreichen, kritisierten die Analysten. Ein weiterer Vorwurf der Branchenkenner lautet, dass Dell es versäumt habe, sich neu zu fokussieren. Demnach verspreche der PC-Markt, bislang das Kerngeschäft des Direktanbieters, kaum noch Gewinne. Stärkere Konkurrenz, wachsender Preisdruck und eine gewisse Sättigung des Marktes ließen die Margen zusammenschmelzen.

Michael Dell, Chef des texanischen Direktanbieters, bleibt jedoch optimistisch. Ein Wachstum von 20 Prozent sei für ein Unternehmen in der Größenordnung Dells durchaus respektabel, kontert er die Vorwürfe der Analysten. Zukünftig werde der Hersteller vermehrt auf Produkte mit hohen Gewinnmargen setzen, so die Strategie der Texaner. Dazu gehörten Notebooks, Server und Speicherprodukte, erklärte Dell in seiner Einführungsrede auf der Comdex in Las Vegas. Auch der Servicebereich soll zukünftig vermehrt die Kassen klingeln lassen. Bereits 17 Prozent des letzten Quartalsumsatzes wurden über Dienstleistungen erzeugt.

Dem Handheld-Markt steht der texanische Hersteller nach wie vor skeptisch gegenüber. Dell glaubt, mobile Devices würden den PC ergänzen, aber niemals ersetzen können. Zwar zeigt der Direktanbieter PDAs und MP3-Player auf seinem Comdex-Stand, doch habe dieses Segment längst nicht die Bedeutung wie das Server- oder Speichergeschäft. Seine Firma überlege, ob es sich lohne, in den Handheld-Markt zu investieren, erklärte der CEO. Diese Überlegungen dauern jedoch mittlerweile schon fast zwei Jahre.

Trotz der Neuorientierung bleiben die Branchenbeobachter skeptisch. Es werde lange brauchen, bis Dell das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen habe, erklärt Gillian Munson, Analystin bei Morgan Stanley Dean Witter. Kevin McCarthy, Marktforscher bei Credit Suisse First Boston, fordert von den Texanern, sich als Unternehmensanbieter aufzustellen. Eine derartige Neustrukturierung verlange aber Geld und Zeit, was wiederum die Geschäftszahlen weiter unter Druck setzen könnte.

Problematisch ist nach Ansicht der Analysten auch die Frage, inwieweit das direkte Verkaufsmodell im Enterprise-Segment funktioniere. Gerade im europäischen Bereich, ausgenommen Großbritannien, kommt der Direktvertrieb nur schwer in die Gänge. Seit Jahren dümpelt Dell in den Rankings der Marktforscher auf den hinteren Plätzen der Top Ten.

Die Achillesferse des Direktanbieters war zuletzt das europäische Geschäft. Hier konnte Dell seinen Umsatz im letzten Quartal lediglich um sieben Prozent steigern. Für Verärgerung sorgte im Zusammenhang mit den schwachen Zahlen die Behauptung des Firmenchefs, die Europäer würden in Sachen IT-Technik hinterherhinken. Kritiker warfen Dell daraufhin vor, mit diesen Äußerungen seinen Ärger über die schlechten Zahlen abzuladen und einen Sündenbock für das schwache Wachstum zu suchen. Eine konkrete Strategie, das Europa-Geschäft neu zu ordnen, gibt es bislang nicht. Auf die Frage, wie sich Dell künftig in der Alten Welt aufstellt, wurde bis Redaktionsschluss keine Antwort gegeben.