Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.07.2000 - 

Gewinnwarnungen wegen Problemen im Mainframe-Geschäft

Schwaches Quartal kostet CA fast den halben Börsenwert

MÜNCHEN (CW) - Einen Kursrutsch um bis zu 45 Prozent musste Computer Associates International (CA) verkraften, nachdem die Softwareschmiede mitteilte, der angepeilte Gewinn im ersten Fiskalquartal werde um 80 Prozent und der Umsatz um 25 Prozent verfehlt. Andere Werte wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Innerhalb weniger Stunden fiel der Börsenwert des Software-Gemischtwarenladens CA von über 30 Milliarden auf knapp 18 Milliarden Dollar. President und Chief Operating Officer (COO) Sanjay Kumar erklärte, sein Unternehmen erwarte nur noch einen Gewinn von elf bis 16 Cent je Aktie - an der Wallstreet war man von zirka 55 Cent je Anteil ausgegangen. Der Umsatz werde sich zwischen 1,25 und 1,3 Milliarden Dollar einpendeln und damit deutlich unter den erwarteten 1,6 Milliarden Dollar bleiben, sagte Kumar.

Einige wichtige Verträge mit Großkunden seien nicht mehr rechtzeitig im Quartal unterzeichnet worden, nannte der CA-President einen Grund für den Schwächeanfall. Außerdem habe der Vertrieb in Europa seine Ziele nicht erreicht, und schließlich lahme das Geschäft mit OS/390-Mainframe-Software.

Kunden warten auf IBMs G7-ModelleMarktbeobachter Paul Rodriguez, Managing Director bei C.E. Unterberg Towbin in New York, ging im Gespräch mit der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" näher auf das letzte Argument ein: Das Umsatzproblem von CA resultiere zu einem Gutteil aus IBMs verändertem Mainframe-Produktionszyklus. "IBM hat die Auslieferung seiner G7-Mainframes wegen einer geplanten Modifikation des Preismodells auf Ende des Jahres verschoben", so Rodriguez. "Sie denken über ein benutzungsabhängiges Pricing nach, und die Kunden halten sich nun mit Investitionen zurück, bis sie absehen können, wie die Preisstruktur im Detail aussieht. Mit CA möchten sie dann nach demselben Verfahren abrechnen."

Kumar bestätigte vor Analysten, einige Großkunden von CA seien "nervös" wegen der neuen Mainframe-Modelle von Big Blue. Auch ihm sei zu Ohren gekommen, dass ein neues Preismodell eingeführt werden soll - IBM sei aber noch nicht offiziell an CA herangetreten. "Wir hörten, dass einige Analysten den Großanwendern sagten, IBM wird sein OS/390-Geschäftsmodell ändern, legt eure Investments erstmal auf Eis", so der CA-Manager. Anwender könnten aber sicher sein, dass sich bei CA das bestehende OS/390-Geschäft nicht "radikal" verändern werde.

CA-intern dürfte indes einige Unruhe aufkommen - und zwar in Europa, wo das Unternehmen mit den Vertriebserlösen alles andere als zufrieden ist. Bereits seit einigen Quartalen bleibe die Sales Force hinter ihren Zielen zurück, so Kumar. Man werde reagieren. Insgesamt sieht der CA-Manager das Zwischenergebnis aber als einmaligen Ausrutscher. Langfristig würden die Mainframe-Verkaufszahlen - und damit auch CAs Bilanzen - wieder besser aussehen.

Auch BMC und Compuware haben ProblemeWie CA geriet auch der Mainframe-Softwarespezialist BMC Software im abgelaufenen ersten Finanzquartal unter die Räder. Um 3,4 Milliarden Dollar fiel der Börsenwert des Unternehmens, nachdem die Company ebenfalls Schwächen im Mainframe-Geschäft gestand und ihr Gewinnziel für das erste Finanzquartal auf 18 bis 21 Cent je Aktie nach unten korrigierte. BMC hatte im Vorjahr 42 Cent je Anteil erwirtschaftet und sollte nach Einschätzung der Wallstreet jetzt 46 Cent je Aktie einfahren.

Der Umsatz, der im ersten Quartal des Vorjahres noch 400,7 Millionen Dollar betragen hatte, wird sich im abgelaufenen Quartal nur noch bei 370 Millionen Dollar einpendeln. Angesichts der schlechten Nachricht fiel der Aktienkurs von 35 auf 21 Dollar. Warum die Anfrage nach Mainframe-Software zurückging, habe man noch nicht genügend analysiert, als dass man Stellung nehmen könnte, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Als drittes bedeutendes Softwarehaus aus dem unmittelbaren IBM-Dunstkreis bekam auch Compuware Schwierigkeiten. Das Unternehmen erwartet in seinem ersten Fiskalquartal (Ende: 30. Juni 2000) lediglich einen Gewinn pro Aktie von sieben bis neun Cent. An der Wallstreet waren die Analysten von 15 Cent je Anteil ausgegangen. Auch der Umsatz bleibt mit einem Wert zwischen 490 und 510 Millionen Dollar deutlich hinter den Erwartungen zurück - die Folge war ein Kurseinbruch von rund elf Prozent. Compuware hatte in diesem Jahr bereits 75 Prozent seiner Börsenbewertung eingebüßt.

Die korrigierten Gewinnerwartungen schließen sich an eine Reihe von Warnungen an, die in den vergangenen Tagen und Wochen geäußert wurden. So gehen Compaq, Xerox, EDS, CSC, Unisys, Informix, Entrust und Brio jeweils von schwachen Zahlen aus. Auch der viel gefeierte Chipboom soll bereits ein Ende haben: Barry Hyman, Marktforscher von Ehrenkrantz, King, Nussbaum, fand mit seiner Warnung vor enttäuschenden Ergebnissen viele offene Ohren. Die Investment-Bank Salomon Smith Barney hat ihre euphorische Einschätzung des Halbleiter-Business ebenfalls nach unten korrigiert.

Die Hiobsbotschaften gingen am gesamten IT-Markt nicht spurlos vorbei. Wegen der Unsicherheit im Mainframe-Geschäft büßte die IBM-Aktie kräftig ein. Zwar bringen die Großrechner dem Konzern ohnehin "nur" noch Einnahmen von rund vier Milliarden Dollar jährlich ein, doch Big Blue ist beim operativen Gewinn stark auf Erträge aus dem Geschäft mit Produkten rund um den Großrechner angewiesen.

Probleme bekam jedoch in den letzten Tagen auch Börsenliebling Oracle - ein weiteres, allerdings weniger auf Mainframe-Geschäfte angewiesenes Leittier der Branche. Die Kündigung des zweiten Mannes, Chief Operating Officer (COO) Ray Lane, verunsicherte Kunden wie Anleger. Lane zählt zu den höchstgehandelten Managern in der IT-Branche. Ihm wird die Wiederauferstehung von Oracle nach einer schweren Krise in den 90er Jahren angerechnet. Außerdem gilt Lane als äußerst integrer Manager mit guten Kontakten zu wichtigen Kunden.