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24.06.1994

Schwarz-Schilling warnt vor neuen Monopolen durch vertikale Integration Anwender fordern Trennung von Telekoms TK- und Kabel-TV-Netz

KOELN (hi) - Waehrend sich hierzulande Gewerkschaften und Politiker noch um die moeglichen Folgen der Postreform II zanken, welche die erwuenschte Privatisierung der Telekom bringen soll, dreht sich auf dem internationalen Parkett das Karussell der strategischen Allianzen und Fusionen immer schneller. Kaum ein Tag, an dem die Zeitungen nicht ueber eine neue TK-Heirat oder -Liebschaft berichten.

Fuer die internationalen Allianzen und Fusionen sind in der Regel drei Punkte als Motive auszumachen: Praesenz der nationalen Carrier als Global Player, Einstieg in das weltweite Geschaeft der Satellitenkommunikation, Partizipation an den neuen Moeglichkeiten der geplanten Information-Highways. Die moeglichen Szenarien reichen hier vom interaktiven Fernsehen und Teleshopping ueber das weltumspannende Satellitentelefonnetz Iridium bis hin zum schnellen Datentransfer via Highway.

Staat kann Kosten fuer die Netze nicht aufbringen

Allerdings bezweifelt Postminister a.D. Christian Schwarz- Schilling stark, dass die Bundesrepublik an diesem Wachstumsmarkt der Zukunft wirklich teilhaben kann, "denn waehrend die USA bereits die Startloecher Richtung Informationszeitalter verlassen haben", so der Ex-Minister, sei hierzulande der politischen Klasse noch nicht einmal die Fragestellung klar. Um die entsprechenden Infrastrukturen aufzubauen, ist laut Schwarz-Schilling eine umfassende Deregulierung unabdingbar, "da der Staat kaum in der Lage ist, die Kosten fuer diese Infrastruktur zu bezahlen". In den USA schaetzt man die Kosten fuer den Aufbau der High-speed-Netze mittlerweile auf rund 100 Milliarden Dollar und hat deshalb den Carriern breiten Raum fuer Kooperationen geoeffnet.

Auch wenn der Ex-Minister diese Entwicklung begruesst, so birgt sie seiner Meinung nach doch auch die Gefahr, dass innerhalb weniger Jahre durch die vertikale Integration bereits neue Monopolisten den Markt beherrschen, wenn etwa Netzbetreiber gleichzeitig in das Hardwaregeschaeft einsteigen.

Auf der anderen Seite bietet die amerikanische Liberalisierungspolitik den Anwendern die Chance, kuenftig zwischen verschiedenen Carriern zu waehlen, da nun auch die Betreiber der Kabel-TV-Netze TK-Dienstleistungen anbieten koennen.

Diese Option stiess bei den Teilnehmern des Forums Telekommunikation, das von der Communic in Koeln veranstaltet wurde, auf offene Ohren. So fordert beispielsweise Friedrich Rauch, Ressortvorstand EDV/BO der Colonia Versicherungen in Koeln, auch hierzulande eine Trennung von Kabelfernsehnetz und Telefoninfrastruktur. Der DV-Chef hofft, dass so eine Alternative zum alleinigen TK-Angebot der Telekom entsteht.

Wenn der Bonner Carrier diese Konkurrenz vermeiden will, so Schwarz-Schilling, "ist die Telekom gut beraten, wenn sie kuenftig neben den TK-Diensten ueber ihre Netze auch reine Transportleistungen fuer Dritte anbietet". Falls die Bonner dies nicht tun, so die Prognose des TK-Experten, werde der Carrier mit dem Wegfall des Netzmonopols, mit dem der ehemalige Minister bis zum Jahr 2000 rechnet, auch im Bereich der Infrastruktur Wettbewerber bekommen.

Dies waere dann eine Entwicklung, die nach Meinung von Malcolm Ross, Analyst bei Arthur D. Little, das Potential hat, um die Telekom vom Markt zu fegen. Denn fuer den Auguren ist die Telekom auf den Wettbewerb in diesem Sektor eher schlecht vorbereitet, da sie den Grossteil ihres Gewinnes in den Ballungszentren generiere. Hier reichen laut Ross bereits Investitionen in Hoehe von zwei Milliarden Mark aus, um mit einem eigenem Netz der Telekom Kunden abzujagen.