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07.05.1999 - 

Held oder Maulheld?

Schwarze Löcher in der Vita machen Lotus-President Papows Sorgen

MÜNCHEN (CW) - Hasardeur und Held, der sich fürs Vaterland aufzuopfern vermag. Tollkühner Topgun und Mensch mit großem Herzen. All das und mehr soll Jeffrey Papows sein. Die Wahrheit könnte aber auch etwas schäbig ausfallen und den President der IBM-Tochter Lotus Development Corp. auf einen Maulhelden reduzieren.

Die US-Öffentlichkeit reagiert extrem sensibel auf Lügengeschichten, die ihr von den Oberen der Gesellschaft aufgetischt werden. Wohl nur so läßt sich erklären, welchen Wirbel ein auf Seite 1 plazierter Artikel des "Wall Street Journal" über den Lotus-President Papows entfachen konnte. In epischer Breite häuft das angesehene Wirtschaftsblatt Indiz auf Indiz, um Papows der Lüge und Aufschneiderei zu bezichtigen - und letztlich seine Glaubwürdigkeit als Topmanager von Lotus zu unterminieren.

Papows habe etwa mit militärischen Heldentaten kokettiert, die von offiziellen US-Dienststellen und deren Aktenaufzeichnungen nicht bestätigt werden. Ein Hit muß die Geschichte von Papows, dem Marinepiloten, gewesen sein. Dumm nur, so das "Wall Street Journal", daß bei den offiziellen Stellen ein Kampfflieger Papows nicht ausfindig zu machen ist. Darauf angesprochen, wollte sich der Lotus-Manager auch nur noch als Radarfunker auf dem Rücksitz von F4-Phantom-Jets bezeichnen, der zudem nicht mehrere tausend Flugstunden im Einsatz verbrachte, sondern lediglich einige hundert.

Papows, der ferner zum besten gab, er gehöre der aktiven Reserve der US-Armee an, soll Lotus-Mitarbeiterinnen nach solchen Reservisteneinsätzen auch schon mit blauen Augen und genähten Wunden im Gesicht erschienen sein. Die martialische Erklärung hierfür, berichteten zwei Frauen dem Wirtschaftsblatt: Er, Papows, sei bei einem nächtlichen Übungsflug mit seinem Jet abgeschmiert. Papows stellte auf Anfrage demgegenüber klar, seine Läsionen hätten von seinem Hobby Taekwondo hergerührt - auch nicht gerade ein Softie-Sport.

Während einer weiteren Reserveübung soll es zu einem verhängnisvollen Flugzeugabsturz gekommen sein, den nur Papows, nicht aber ein Fliegerkollege überlebt habe. Dessen Frau sei später von Papows anonym finanziell unterstützt worden, so weitere Aussagen weiblicher Untergebener des Lotus-Managers. Papows bestreitet, jemals von eigenen Flugzeugabstürzen mit Todesfolge erzählt zu haben.

Bei einer weiteren Gelegenheit habe Papows seine Abstinenz vom Golfkrieg mit einem Zwischenfall anläßlich einer nächtlichen Flugübung über der Atlantikküste erklärt. Bei extremen Flugmanövern sei sein Trommelfell in Mitleidenschaft gezogen worden. Vor solchen Problemen habe ihn sein Doktor schon früher gewarnt. Er, Papows, habe aber seinem Vaterland zur Verfügung stehen wollen und trotzdem weiterhin an Reserveflugübungen teilgenommen.

Anders als offizielle Dokumente sah sich Papows auch im Rang eines Captain, obwohl er 1979 als Lieutenant aus dem Militär ausschied.

Was die Angelegenheit über den Rang einer verbalen Muskelspielerei hinaushebt, sind Aussagen von Geschäftspartnern unter anderem aus Militärkreisen. Sie erklärten dem Wirtschaftsblatt, Papows habe sein martialisches Image in Verkaufsverhandlungen als Lotus-Mann benutzt, um potentielle Vertragspartner zu beindrucken und ihnen als vertrauenswürdiger, weil felsenfest geformter Charakter gegenüberzutreten.

So sei ein Vertragsabschluß zugunsten von "Lotus Notes" und gegen Microsofts Konkurrenzprodukt "Exchange" vor allem deshalb zustande gekommen, weil Papows als vermeintlicher F4-Phantom-Pilot sogleich eine Seelenverwandtschaft zu einem verhandlungsführenden General aufbauen konnte. Schließlich habe dies, so die Aussage, den Ausschlag für die Order von 10000 Notes-Lizenzen gegeben.

Auch habe sich Papows durch seinen auf Hochglanz polierten Lebenslauf Jobs unter anderem bei Cognos Inc. erschlichen. Dessen vormaliger CEO Michael Potter wird von der US-Zeitung mit den Worten zitiert, Papows sei wegen seiner militärischen Persönlichkeit als effizienter Motivator und damit als geeignet für den Posten des Cognos-President erschienen.

Die mögliche Verquickung von selbstgeschaffener Heldensaga und unbilligem Geschäftsvorteil stößt dem "Wall Street Journal" offenbar besonders auf. In das Negativansehen paßt auch, daß Papows sich eines Doktorgrades rühmt, erworben an der Pepperdine University in Malibu, Kalifornien. Tatsächlich soll der akademische Grad aber von einer Wald- und Wiesen-Universität, der California Coast University, stammen.

Hierin fügt sich auch die Legende vom schwarzen Gürtel, den Papows als Hobby-Taekwondo-Kämpfer erworben habe. Dem strahlenden Image des Lotus-Frontmannes war ein roter Gürtel wohl nicht zuträglich genug. Anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Embry-Riddle Aeronautical University in Daytona Beach, Florida, avancierte Papows in einer Erklärung an die Universität zum zweifachen Taekwondo-Meister von Massachusetts in den Jahren 1995 und 1996. Hiervon wußte allerdings der offizielle Ausrichter dieser Meisterschaften für die koreanische Karateabart nichts. Papows will sich an seine sportlichen Meriten ebenfalls nicht mehr erinnern können.

Lotus hat derweil alle Anschuldigungen als Gerüchte abgetan. Negative Folgen würden Papows jedenfalls nicht erwachsen.