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06.08.1993

Schweden bleibt treibende Kraft bei ergonomischen Richtlinien Die Monitor-Pruefsiegel machen die kleine Differenz beim Preis aus

Die stetig wachsende Zahl der Normen macht deren eigentlichen Zweck allmaehlich zunichte: das Interesse des Kaeufers an Qualitaet und Sicherheit zu schuetzen. Als wenn der nicht schon genug Muehe haette, sich mit Dingen wie Horizontalfrequenz, Videobandbreite und Aufloesung auseinanderzusetzen. Armin Collong* zeigt den roten Faden im Labyrinth aus Normen und Pruefsiegeln.

Die Anforderungen an Monitore gliedern sich in drei beziehungsweise neuerdings vier Gruppen: Darstellungsqualitaet, Strahlenemission, elektrische und mechanische Sicherheit sowie seit kurzem auch Umweltschutz. Alle Aspekte beziehen sich darauf, dass die Bildschirme beziehungsweise Bildschirm-Arbeitsplaetze optimal auf die physiologischen und geistigen Voraussetzungen des Anwenders ausgerichtet sind, der mehrere Stunden am Tage vor dem Monitor verbringt. Gesundheitsgefahren muessen aus dem Weg geraeumt werden. Ausserdem sollten Risiken, die nur vermutet werden, unter vernuenftiger Beruecksichtigung der Wirtschaftlichkeit ausgeschaltet werden.

Die Beurteilung der Darstellungsqualitaet ist sehr umfangreich und betrifft auch Punkte, die man bei der taeglichen Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes nur aus dem Augenwinkel beobachtet. Die Ergonomen bewerten Gehaeusegestaltung, Leuchtdichte und Kontrast, Zeichenschaerfe, Bildflimmern, Geometrie der Monitoroberflaeche, Entspiegelung und Verzerrungen. Weil viele Hersteller noch immer damit kaempfen, sollte vor allem den Punkten Entspiegelung und Flimmerfreiheit Aufmerksamkeit gewidmet werden. Eine Beschichtung, vergleichbar der von Brillenglaesern, ist gegenueber lichtstreuenden Glasaufrauhungen vorzuziehen. Nur mit einer optischen Verguetung koennen Reflexionen so gemindert werden, dass das Bild selbst nicht an Schaerfe und Kontrast verliert.

Seit etwa vier Jahren ruecken die Aspekte Strahlenemission und Sicherheit in den Vordergrund. Die Emissionspalette einer Kathodenstrahlroehre umfasst Roentgenstrahlung, elektrostatisches Potential (Staubfaenger) sowie nieder- und hochfrequente elektrische und magnetische Felder. Waehrend der Schutz vor Roentgenstrahlen, elektrischer Aufladung und Stromschlaegen meist gewaehrleistet ist, tun sich manche Hersteller schwer, die elektromagnetischen Felder auf ein vernuenftiges Mass zu reduzieren. Dabei stehen diese Felder in mannigfaltigem Verdacht, Krankheiten oder bleibende Gesundheitsschaeden zu verursachen. Phaenomene wie Aufloesung von Amalgam-Legierungen in Zahnplomben, Herzrhythmusstoerungen und erhoehtes Krebsrisiko werden in diesem Zusammenhang diskutiert. Nur wenn die Kaeufer noch mehr nach Schutz vor den elektromagnetischen Feldern fragen, werden auch die Billiganbieter die Richtlinien einhalten.

Spaet hat der Umweltschutz an Bedeutung gewonnen. Die Energieeinsparung durch eine Abschaltautomatik ist einer der ersten Schritte in diese Richtung. Hier gibt es zum Beispiel den japanischen Hersteller Eizo, der seine ganze Produktfamilie mit der Power-Manager-Funktion ausruestet. Aber auch eine FCKW-freie Fertigung, Verzicht auf bromhaltige Flammschutzmittel und die Dokumentation der verwendeten Gehaeusekunststoffe muss man hier hinzurechnen.

Von allen nationalen und internationalen Pruefzeichen kann man sagen, dass sie einen oder mehrere der aufgefuehrten Aspekte beruecksichtigen. Zur Beurteilung der Normen faellt aber nicht nur ins Gewicht, welche Schutzaspekte sie einbeziehen, sondern auch, welche Grenzwerte darin fuer die einzelnen Risiken gesetzt werden. Einige der Normen stuetzen sich auf andere Definitionen, verlangen aber teilweise wesentlich schaerfere Werte als die Vorbilder.

Die folgende Aufzaehlung behandelt alle gaengigen Pruefsiegel und erlaeutert jeweils, welche Grenzwerte wie gemessen werden. Ausserdem wird dargestellt, welchen Minimalanforderungen ein Monitor entsprechen muss, der in Deutschland in Betrieb genommen werden soll.

Die Geraetesicherheitspruefung (GS-Pruefung) wird zum Beispiel durch den TUEV, den VDE und die Berufsgenossenschaften durchgefuehrt. Bei erfolgreichem Abschneiden wird meist ein Pruefsiegel verliehen. Der Test erstreckt sich auf die elektrische Sicherheit gemaess Europanorm (EN) 90650 und auf die Darstellungsqualitaet gemaess der berufsgenossenschaftlichen Richtlinie ZH 1/618. Diese stuetzt sich wiederum auf die DIN 66234. Die GS-Pruefung kann man als eine Basispruefung bezeichnen, die das Geraetesicherheitsgesetz vorschreibt.

Als MPR-II-Norm ist eine Empfehlung bekannt geworden, die ein staatliches schwedisches Mess- und Pruefinstitut entwikkelt hat. Die MPR-Norm legt Vorschriften fuer die Darstellungsqualitaet fest und erstmals auch Empfehlungen von Grenzwerten fuer elektrische und magnetische Felder. Bei der Entwicklung der MPR-Norm haben die Gewerkschaftsverbaende in Schweden eine massgebliche Rolle gespielt. Auf diese "Schwedennormen" hat auch der Markt ausserhalb Skandinaviens reagiert. Nach einer gewissen Zeit wurden an jeder Strassenecke Low-radiation-Monitore angeboten, teilweise gegen Aufpreis. Allerdings konnten nur wenige serioese Anbieter die Pruefscheine aus Schweden vorlegen.

Das "TUEV-Ergonomiegeprueft"Zeichen ist die Konsequenz aus dem Wildwuchs um die Schwedennormen. Diese TUEV-Pruefung umfasst MPR II, erweitert um die schaerfere Definition fuer Zeichenkontrast aus der internationalen Ergonomienorm ISO 9241-3. Jedoch ersetzt "TUEV Ergonomie geprueft" nicht die GS-Pruefung, die die elektrische und technische Bewertung des Geraetes vornimmt. Nur zusammen weisen sie auf einen ergonomisch und technisch geprueften Monitor hin.

Nachdem die skandinavischen Laender eine erfolgreiche Vorreiterrolle innehatten, sind jetzt auch die Gremien der Europaeischen Gemeinschaft auf die Bildschirmergonomie aufmerksam geworden.

Die EG-Richtlinie 270/90/EWG wurde im Mai 1990 erlassen. Sie verpflichtete alle EG-Mitgliedstaaten, nationale Bestimmungen zu erlassen, die bei Einrichtung von Bildschirm-Arbeitsplaetzen ab dem 1. Januar 1993 zu beruecksichtigen sind. Die nationalen Bestimmungen der EG-Laender orientieren sich an der internationalen Norm ISO 9241. Seit der zweiten Jahreshaelfte dieses Jahres gilt in Deutschland die DIN/EN 29241. Sie umfasst zwar nicht die Bereiche Strahlenschutz, Sicherheit oder Umweltschutz, doch kann man sie als eine Verschaerfung der Vorgaben fuer Darstellungsqualitaet aus der ZH 1/618 sehen.

Die hoeheren Anforderungen werden manchem Billiganbieter jedoch Probleme bereiten. Trotzdem konnte man sich in den EG-Ausschuessen wohl mehr erwarten als man festschrieb, dass das technisch und wirtschaftlich Machbare umgesetzt werden sollte, um die Gesundheit bestmoeglich zu schuetzen. Ein Pruefzeichen zur Kenntlichmachung der ISO oder DIN/EN gibt es zum Verdruss der Verbraucher nicht. Eine Ausnahme macht zum Beispiel der Hersteller Eizo, der seine Geraete vom TUEV Rheinland gemaess ISO 9241 pruefen liess. Den bestandenen Test kann dieser Anbieter durch ein Schreiben des TUEV bestaetigen.

Die TCO ist eine schwedische Angestelltengewerkschaft, die auch an der MPR-II-Empfehlung mitgewirkt hat. Ihre TCO91-Empfehlung hat den gleichen Umfang wie die MPR-II-Norm, schreibt jedoch schaerfere Werte fuer elektrische und magnetische Wechselfelder vor. Ausserdem wird 30 Zentimeter vor dem Bildschirm gemessen, waehrend bei der MPR-II-Norm ein Abstand von 50 Zentimetern vorgeschrieben ist. Nur wenige Hersteller bieten Geraete an, die die Vorschrift TCO 91 erfuellen. Wegen hoeherer Produktionskosten sind solche Modelle haeufig nur gegen Mehrpreis erhaeltlich.

Die juengste Empfehlung aus Schweden ist die TCO 92, die auch als Umweltpruefsiegel bezeichnet wird. Neben den Aspekten Strahlenschutz und Darstellungsqualitaet - gleich wie TCO 91 - fordert die TCO 92 eine Abschaltautomatik. Sie soll dazu dienen, den Energieverbrauch zu reduzieren, wenn die Bildschirmarbeit unterbrochen wird. Ein Monitor verbraucht im normalen Betrieb 50 bis 180 Watt elektrische Leistung und setzt davon einen grossen Teil in Waerme um. Fuer das Raumklima kann es deshalb sehr gut sein, wenn der Monitor sich nach einer gewissen Zeitspanne abschaltet. Die TCO 92 ist damit die umfangreichste aller Pruefungen beziehungsweise Empfehlungen und stellt hoehere Anforderungen als MPR-II oder das Pruefsiegel "TUEV Ergonomie geprueft".

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Monitor ohne GS-Siegel, alleine schon wegen der nicht geprueften Geraetesicherheit, nichts an einem Bildschirm-Arbeitsplatz zu suchen hat. Als weitere Mindestforderung sollte man auch die TUEV Ergonomie-Pruefung ansehen, die ja auch die MPR II einschliesst.

Diejenigen die sich im Hinblick auf die EG-Richtlinie absichern wollen, sollten sich die Konformitaet nach Moeglichkeit vom Hersteller bestaetigen lassen. Wer jedoch nicht nur den Pflichten genuegen will, der muss sich in jedem Fall nach Geraeten umschauen, die den strengeren Empfehlungen TCO91 und TCO92 entsprechen. Diese Investitionen sind in gewissem Masse auch zukunftsorientiert, denn das Interesse an Gesundheits- und Umweltschutzgesichtspunkten waechst stetig, und der individuelle Nutzen durch geringere Strahlen- und Waermeemission ist nicht klein einzuschaetzen.

*Armin Collong arbeitet bei der Rein Elektronik GmbH im Bereich Technisches Marketing fuer Monitore und Grafikkarten.