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07.10.1977 - 

Malmö bevorzugt Minicomputer-Netzwerk:

Schweden Punsch

MALMÖ - Nils Dahlberg, EDV-Boß von drittgrößter Stadt, hat den üblichen Benchmark- und Kostenvergleichen eine selten geübte Variante hinzugefügt: "Wir haben bei unseren Überlegungen daran gedacht, nicht Hardware einzukaufen, sondern Transaktionen zu einem vernünftigen Preis!" Das Ergebnis: IBM, seit vielen Jahren Haus- und Hoflieferant der Malmöer Stadtverwaltung, erhielt die totale Aufkündigung der 2048 KB-/370-148-Konfiguration. Schwedenpunsch für den Marktführer, und nicht nur Glück für den Minicomputerhersteller Data General. "Denn", so Dahlberg, "bei der Ausschreibung war kein anderer Mini-Wettbewerber an unserem Auftrag interessiert!"

Inzwischen ist das Minicomputernetz nach dem Malmö-Modell der dezentralisierten EDV respektabel angewachsen. Trotzdem hat man bei Gegenüberstellung der Kosten erhebliche Preisvorteile für das Minicomputernetz errechnet. Bei einem Bedarf von 130 Transaktionen pro Sekunde hätte man etwa 13 Großrechner für rund 65 Millionen Kronen einkaufen müssen. Die Alternative, 32 Minicomputer würde nur etwa ein Zehntel dieses Preises, nämlich rund 6,5 Millionen Kronen kosten. Die Installierung wurde Schritt für Schritt vorgenommen. Bis heute sind folgende Institutionen in das Mininetz eingewebt worden:

Die meisten Rechner stehen im städtischen Bereich der Gesundheitsfürsorge. Im Stadtkrankenhaus Malmö sorgt eine ECLIPSE C/300 zusammen mit zwei NOVA 3/D-Backup-Minis für die Patientenstammdatenpflege, angefangen von der Aufnahme bis hin zur Ieistungsabrechnung. 1978 sollen weitere Informationen, darunter Diagnoseroutinen und Operationen je Patient aufgenommen werden.

Bisher wurden 580 MB Plattenspeicherkapazität angeschlossen. Insgesamt greifen 16 Bildschirm-Terminals auf die Minicomputer-Troika zu.

Gleichfalls im Stadtkrankenhaus der 250 000-Einwohner-Stadt sind weitere dedizierte Minis in Betrieb. Eine Datenbank der Abteilung "Vorsorge-Medizin" läuft auf einer NOVA 830 mit 25 MB Plattenspeicher und acht Bildschirmen. Das medizinische Labor arbeitet mit einer ECLIPSE S/230, und als "Lohnbuchhalter" wird eine NOVA 3/D benutzt.

Diesem lokalen Minicomputerzentrum steht ein weiteres Netz mit zentralen Funktionen und Data-Base-Aufgaben gegenüber. Es ist in der öffentlichen Verwaltung der Stadt Malmö installiert und besteht aus einer ECLIPSE C/300, einer NOVA 3/12 und einer NOVA 3/D. Datenerfassung erfolgt über eine NOVA 830 mit acht Bildschirm-Terminals. Diese Zentrale - gleichsam das Herzstück des ganzen Mini-Netzes - hat über Standleitungen Verbindung zu anderen öffentlichen Institutionen.

Bürgernummer mit zehn Stellen

Jeder Schwede ist ein lebendes Beispiel für EDV-gerechte Datenerfassung. Seit der Verabschiedung eines Gesetzes im Jahre 1963 ist jeder Bürger numeriert. Eine 10stellige Zahl gibt - für jeden anderen leicht interpretierbar - Auskunft über Geburtsdatum, Geschlecht und Geburtsort. Da das Minicomputernetz auf Grund der vielen direkten Verbindungen und der möglichen schnellen Transaktionen in der Lage ist, fleißig Personalkonten fortzuschreiben, taucht bei deutschen Betrachtern alsbald die Datenschutzfrage auf. Die Verantwortlichen des Stadtkrankenhauses Malmö legen indes bei der Frage erstaunliche Indolenz zutage. Was man für den Schutz der Bürger tut, sind normale Sperrschlüssel sowie Begrenzung des abrufbefugten Personals. Diese für unsere Verhältnisse unwahrscheinliche Selbstverständlichkeit in Fragen des Datenschutzes wurzelt zweifellos in der über 13jährigen Geschichte der schwedischen Bürgernummer. Sie ist dort akzeptiert, auch wenn - das hat kürzlich eine große Umfrage bestätigt - die Skepsis gegenüber einem hundertprozentigen Schutz vor Datenmißbrauch eher ansteigt.

Höchstmöglicher Systemdurchsatz mit FORTRAN

Nach den bisherigen Erfahrungen hat die dezentrale Aufteilung der Computer-Power auch den Programmierern eine Arbeitserleichterung gebracht. Die Programmierzeiten konnten gegenüber der Batch-Methode um 30 Prozent gesenkt werden. Mit FORTRAN nutzen die Programmierer Krankenhaus Malmö den höchstmöglichen Systemdurchsatz. Die vorhandenen Compiler für höhere Programmiersprachen, Datenbank-Software Terminal-Bedienungsroutinen sowie erweiterte Betriebsysteme von Data General werden von den Schweden uneingeschränkt gelobt und mit der Systemsoftware - großer Systeme gleichgestellt.

Froh zeigten sich auch die Erneuerer darüber, daß die früher praktizierten IBM-Systemaufstockungen - zum Teil mit Betriebssystem-Wechsel - vorbei sind. "Heute", so Dahlberg "rüsten wir nicht andauernd die Zentrale auf, sondern fügen einen weiteren Baustein in unser Minicomputernetz ein!"

Eines dieser neuen lokalen Mini-Zentralen steht kurz vor seiner Einweihung: die Stadtverwaltung mit ihren öffentlichen Dienstleistungen und Gebäuden.

*Klaus Rosenthal ist freiberuflicher EDV-Journalist in Aschaffenburg