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01.03.1985 - 

Die großen Programmierschmieden teilen den Umsatz unter sich auf:

Schweizer SSW-Entwicklung hat das Nachsehen

BASEL (sg) - Außer ein paar wenigen, zumeist eher kleinen Programmierbüros ging es den hierzulande in der Softwarebranche tätigen Firmen 1984 nicht wesentlich schlechter als in den Jahren zuvor. Zwar fielen die Wachstumsraten etwas schwächer als erwartet aus, aber dennoch ist und bleibt die Software in der nahen Zukunft noch relativ wachstumsverdächtig.

Dafür spricht nicht zuletzt die Tatsache, daß infolge der großen Nachfrage nach immer neuen und perfekter werdenden Computerleistungen die Programmierrückstände in den personell häufig unterdotierten DV-Abteilungen der Anwender beständig anwachsen. Hilfe von außen, beispielsweise von freien Softwarehäusern, ist daher sehr gefragt. Wenn bei einem Angebot von außen, neben der Überzeugung, den richtigen Software-Partner gefunden zu haben, erst noch hier Preis der Soft-(Ware) stimmt, ist ein Auftrag schnell unter Dach und Fach.

Speziell gefragt sind vor allem Softwareentwicklungen für mittlere Computer-Systeme, beziehungsweise für Mini-Computer der 32-Bit-Klasse. Aber auch Software für alle Varianten dialog-orientierter Büro-Computer erfreut sich einer seit Jahren gleichbleibenden großen Nachfrage. Dies überrascht nicht, dafür diese Computer die meisten Hersteller selber nur eine unzureichende Software-technische Unterstützung anzubieten haben. Schließlich haben die Computer-Hersteller zum Teil bereits vor Jahren diesen Markt großzügig aber letztlich doch wohlwissend, daß sie damit ein Problem weniger haben, den freien, sich selber als herstellerunabhängig einstufenden Softwarehäusern überlassen.

Im Softwaremarkt für Großcomputer wird das ebenfalls von einer starken Nachfrage gekennzeichnete Softwaregeschäft weitgehend allein von den Computerherstellern in Zusammenarbeit mit den Anwendern, und zwar mit viel Standard-Software (SSW) im Gepäck, besorgt. Nur wenige der Schweizer Software-Häuser können in diesem Geschäft mithalten.

Die Zahl der heute in der Schweiz in der Software-Branche tätigen Firmen beträgt einige hundert. Die Mehrheit davon beschäftigt unter fünf Personen. Mit 10 bis 30 Beschäftigten zählt man in dieser Branche bereits zu den mittelgroßen Unternehmen. Bei mehr als 30 Mitarbeitern gehört man schon zu den größten, zu denen knapp 10 Firmen gerechnet werden dürfen. Einer Auswertung aus dem ISIS Firmen Report der Schweizer Ausgabe 1/1985 (siehe Tabelle) zufolge erreichten nur gerade drei der Software-Branche zuzurechnenden Firmen im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz über 10 Millionen Schweizer Franken.

Die "Großen" teilen den Umsatz unter sich auf

Bezeichnend für die Situation ist, daß die 10 größten Software-Firmen der Schweiz gut die Hälfte des Umsatzes der insgesamt 33 in der Tabelle aufgeführten Unternehmen für sich verbuchen. Etwa ähnlich lautet der Anteil der im GES organisierten Software-Firmen, die knapp 50 Prozent der von den fahrenden Software-Häusern in der Schweiz realisierten Umsätze unter sich aufteilen.

Die Mehrheit der in der Schweiz tätigen freien Softwarehäuser lebt, auch wenn sie dies in schöner Verkennung der wahren Situation selber gerne anders sehen würde, nach wie vor hauptsächlich vom Manpower-Geschäft. Sie stellen für Softwareentwicklungen im Kundenauftrag einzelnen DV-Anwendern ihre Spezialisten temporär gegen ein entsprechendes Entgelt zur Verfügung. Produziert werden folglich ausnahmslos individuelle Programme. Es ist jedoch absehbar, daß derartige Aufträge an Softwarehäuser wegen des stärkeren Kostenbewußtseins der Anwender zukünftig eher ab- denn zunehmen. Zumal es deutliche Anzeichen dafür gibt, daß die ungleich preiswerteren, überdies in genügender Anzahl angebotenen Standard-Software-Pakete, stärker in die Überlegungen der Anwender einbezogen werden.

Chancen in der Zukunft

Die große, wenn auch nicht unbedingt einzige, Chance der Software-Branche für zukünftige Aktivitäten liegt eindeutig in der Entwicklung und im Verkauf von Standard-Programmen. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie aus eigener oder aus fremder Entwicklung sind. Diese Tendenz herrscht schon einige Zeit vor. Nur geriet in Folge des starken einseitigen Engagements der Software-Häuser für Individual-Software die Entwicklung von Standard-Programmen nicht auf Touren.

Wie wenig hier in der Vergangenheit getan wurde, zeigt sich unter anderem darin, daß viele der heute auf dem Schweizer Markt angebotenen Standard-Software-Pakete mittlerweile auch die von Schweizer Software-Firmen angebotenen Programme - von Herstellern aus den USA, von den Britischen Inseln oder der Bundesrepublik Deutschland stammen. Letztere sind dazu übergegangen, mit eigenen Vertretungen den hiesigen Markt für ihre Software zu erobern.

Nach wie vor wird der Handel mit Standard-Software, soweit dieser überhaupt professionell betrieben wird, von Schweizer Software-Häusern heute noch vorwiegend dazu benutzt, um als Türöffner für Aufträge zur Entwicklung von Individual-Software Verwendung zu finden. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Schließlich hat die ohnehin in ihrer Verkaufs-Politik und -Strategie bislang wenig Einfallsreichtum zeigende Software-Branche damit doch wenigstens einmal ein Mittel zur Marktbelebung beziehungsweise zur gezielten Akquisition genutzt. Das erwartete große Geschäft mit der Standard-Software wird sich auf diese Weise sicher nicht einstellen.

Daß heute ein Großteil der individuellen Programme nicht notwendig wäre, ist eine Tatsache, über die selbst die, die sie produzieren, nicht mehr diskutieren. Auch könnten sicher einige Programme dazu dienen, um daraus branchen- oder funktionsbezogene Standard-Software-

Pakete zu formen. Wenn das vorgekommen ist, können sich die so entstandenen Programme sehen lassen. Es fehlt vor allem noch an gezielten, professionellen Verkaufsbemühungen. So wie es aussieht, jubelt bereits jeder Softwareproduzent, wenn er auch nur ein knappes Dutzend Mal ein und dasselbe Programm an den Mann gebracht hat. Daß sich mit solchen bescheidenen Verkaufszahlen keine ausreichende Deckung der entstandenen Entwicklungskosten erreichen läßt, steht außer Frage. Es sei denn, der ursprüngliche Auftraggeber für die Individual-Software hat bereits die vollen Entwicklungskosten bezahlt.

Die sich ausschließlich auf den Verkauf von Standard-Software-Produkte konzentrierenden Firmen, die allerdings selten mehr als System-Software anzubieten haben, beweisen mit ihren Erfofgen, daß das Geschäft mit der Standard-Software durchaus florieren kann. - Hier liegen die Zahlen für installierte Software-Pakete in Bereichen von über 50, 100 oder gar 200 Verkäufen. Allerdings auch nur dann, wenn diese Produkte über eine gewisse Zugkraft verfügen und wenn der erforderliche Vertriebsapparat mit dem nötigen Nachdruck den Verkauf der Programme betreibt.

Ein solcher professioneller Verkauf hat vor allem einmal die Aufgabe, die für den Anwender augenfälligsten Vorteile der angebotenen Standard-Software hervorzuheben. Diese können in einem attraktiven Preis, in einer sofortigen Einsatzbereitschaft und/oder in einer perfekten Dokumentation bestehen.

Im Idealfall ist davon auszugehen, daß eine solche zum Verkauf angebotene Software praktisch im Postversand angeboten und vom Anwender selber für seine Zwecke installiert werden kann. Software-Pakete, die diese oder ähnliche Vorteile nicht, beziehungsweise nur in einem unzureichenden Masse beinhalten, werden es von vornherein schwer haben, ihre Anwender zu finden.

Lizenzen im Softwarevertrieb

In die gleiche Richtung zielen die Bestrebungen, der Softwaremisere durch Vergabe produkt-abhängiger Lizenzen zu begegnen. Es wird allgemein erwartet, daß durch Lizenzvergabe der Vertriebserfolg der Softwareproduzenten belebt wird. Dem Vernehmen nach interessieren sich auch schon einige, allerdings eher kleinere Software-Häuser, für die Übernahme von Programmlizenzen. Es sollte nicht übersehen werden, daß eigentliche Abschlüsse von derlei Lizenzen bislang noch zu den seltenen Ereignissen zählen.

Ein Grund für die Zurückhaltung im Abschluß von Lizenzverträgen ist, daß die hierfür erforderliche vertragliche Basis - abgesehen von den berühmten Ausnahmen - noch nicht besteht. Auch erfüllen viele Firmen, die ihre Programme in Lizenz zu vergeben beabsichtigen, nicht über Voraussetzungen, wie beispielsweise eine auch außerhalb des eigenen Produktionsbereiches noch verständliche Dokumentation.

Klare Abmachungen bringen Entspannung

Andere hingegen wollen die Vergabe von Lizenzen zur Absicherung der eigenen, mit ihrem Produkt betriebenen Vertriebsorganisation nur auf einzelne Programmteile und nicht auf ganze Applikationspakete verstanden wissen. Dies wiederum ist für Lizenznehmer aber nur bedingt interessant. Mit solchen Teilpaketen lassen sich nämlich keine großen Softwarefische an Land ziehen. Wie so vieles, was in der Softwarebranche in letzter Zeit an verkaufsbelebenden Versuchen gestartet wurde, scheint also auch die Lizenzvergabe für Software mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden zu sein. Dabei könnte sie bei entsprechend klaren Abmachungen einen Beitrag zur Entspannung leisten.

Softwarefirmen, die sich in erster Linie als Produzenten verstehen, und denen der Aufbau eigener Vertriebsapparate nicht so sehr ins Unternehmenskonzept paßt, tun daher gut daran, die Lizenzvergabe als Alternative ernsthaft zu prüfen. Andererseits sollten jene Softwareunternehmen, denen zur Abrundung ihres Angebots das eine oder andere Programmprodukt fehlt, prüfen, inwieweit sie durch Übernahme einer Softwarelizenz diese Lücke schließen können. Dieser Weg ist auf jeden Fall immer noch billiger und schneller, als durch eigene Entwicklungen die Schließung der Angebotslücke zu betreiben.