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13.02.1976 - 

Lekkerland GmbH & Co KG, Köln: Glück im Unglück - dennoch viel Pech

Schwelbrand-Gase legten Rechenzentrum lahm

KÖLN - Ein Schwelbrand im Rechenzentrum der Lekkerland GmbH & Co KG, Köln, zerstörte die klimatechnischen Einrichtungen. Auch einige Aggregate der EDV-Anlage wurden durch Raucheinwirkung beschädigt. So geschehen am 18. Januar 1976, einem Sonntag.

Fritz Voigt, Lekkerland-Prokurist und Bereichsleiter EDV, berichtet: "Wir hatten Glück im Unglück, denn zwei unserer Systemanalytiker konnten Schlimmeres verhüten". Die beiden waren gegen 18.00 Uhr zum Testen in die Firma gekommen und hatten den Rauch entdeckt. Sie alarmierten sofort die Feuerwehr, die den Brand sehr schnell unter Kontrolle hatte.

Stein unter der Bremse

In einem Bericht der Spezialabteilung für Brandgasschaden-Sanierung der DlW Deutschland-Wartung GmbH, München, heißt es zur Brandursache: "Der Schwelbrand wurde durch eine lose Schraube im Klimagerät verursacht, das in einem eigenen, dem Maschinensaal benachbarten Raum steht. Sie rutschte so unglücklich hinter den Magnetschalter, der die Klimaanlage bei Über- oder Unterschreiten bestimmter Grenzwerte automatisch abschaltet, daß sie wie ein 'Stein unter der Bremse' wirkte. So heizte das Klimagerät weiter, bis es glühte." Folge: Die Schaumgummi-Innenverkleidungen des Klimaschrankes sowie der Verdampfer-Behälter aus Plastik schmolzen (Foto unten). Durch die Hitze entwickelten sich Chlorwasserstoffgase (bei Feuchtigkeit: Salzsäure), die, da kein Umluftkreislauf bestand, nach oben stiegen und über die Abluftdecke ins Rechenzentrum gelangten. Unglücklicherweise waren die Netzteile des Computers eingeschaltet und da mit die Ventilatoren zur Kühlung der Anlage (Voigt: "Um den Montagseffekt (...) vermeiden")

Ein großer Teil des Rußes blieb zwar in den Filtern hängen (linkes Foto), der Rauch drang jedoch in die Geräte ein und schlug sich als "aggressiver" Belag auf den gedruckten Schaltungen nieder.

Wie sich herausstellte, waren die "befallenen Teile" noch nicht korrodiert, so daß sie durch Einsprühen mit einem chemischen Gegenmittel vor Ort gereinigt werden konnten. EDV-Chef Voigt befürchtet allerdings "Spätschäden": "Wer weiß, ob alle Ablagerungen richtig entfernt wurden?"

Nichts zu retten gab es bei der Klimaanlage: Sie mußte abgebaut und durch eine neue ersetzt werden, was einen Stillstand von 14 Tagen zur Folge hatte, obwohl die EDV-Anlage längst wieder betriebsbereit war. Dieser Umstand hatte versicherungstechnische Folgen: Der Schutz der Mehrkostenversicherung wird nur wirksam bei Ausfall des Computers, nicht jedoch bei Ausfall der Klimaanlage.

Fünf Konsequenzen

Und noch ein weiterer Punkt bereitete dem leidgeprüften EDV-Chef Kopfschmerzen: Der Schadensausgleich der Feuerversicherung wird nur bei Feuer und nicht bei Schwelbrand gezahlt. Voigt: "Die Beweisführung durch einen Sachverständigen ist schwer."

Glaubte Voigt bisher, alles für die Sicherheit getan zu haben, so kann er als "gebranntes Kind" heute nur raten:

- Feuerschutzklappen in den Kanälen zwischen Klimaraum und RZ zu installieren,

- Rauchfühler anzubringen,

- den Luftbefeuchter und das eigentliche Klimagerät- nicht in einem Kompaktschrank unterzubringen,

- eine Mehrkostenversicherung für den Ausfall der Klimaanlage abzuschließen.

Lekkerland-Daten

Zur Lekkerland GmbH & Co. KG (800 Mio. DM Jahresumsatz) gehören 25 Süßwaren- und Spirituosengroßhändler in der gesamten Bundesrepublik. In Köln befindet sich das zentrale Rechenzentrum für die Gesellschafterfirmen. Die EDV-Dienstleistung umfaßt das gesamte Rechnungswesen: Fakturierung, Bankeinzug, Lagerbestandsführung, Statistiken. Installiert ist eine Siemens 7730 mit 256 K.