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27.05.1994

Schwere Anschuldigungen gegen CDI-Geschaeftsfuehrung Management-Fehler fuehren zu Insolvenzverfahren

2200 Umschueler und Auzubildende koennen vorerst aufatmen: Das Computer Data Institut (CDI), einst Deutschlands groesster DV- Ausbilder, hat zwar Konkursantrag gestellt, die Bundesanstalt fuer Arbeit erklaerte sich aber bereit, die Zahlungen fuer die Kursteilnehmer fortzusetzen. Die Zukunft des Instituts scheint jedoch ungewiss; ehemalige Schueler, Dozenten und Institutsleiter erheben schwere Vorwuerfe gegen die Geschaeftsleitung des DV- Schulungsunternehmens.

Anfang Mai 1994 kuendigten die Banken die Kreditvereinbarungen mit CDI. Diese Massnahme erklaert Geschaeftsfuehrer Wolfgang Pflanz damit, dass beim Trainingsanbieter die Umsaetze zurueckgingen und die Geldgeber, heute aufgrund der juengsten Skandale, nicht zuletzt im Fall Juergen Schneider, sensibler reagierten als frueher.

Als Konsequenz hat das Muenchner Schulungsunternehmen ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Bis Ende Juni soll nun ein Sequestor feststellen, ob das Konkursverfahren durchgefuehrt oder mangels Masse abgelehnt wird.

Betriebsrat Werner Stroehlein und Pflanz hoffen, nach Beendigung des Verfahrens mit einer neuen Gesellschaft weitermachen zu koennen. Ihr Optimismus beruht auf der Zusage der Bundesanstalt fuer Arbeit, alle Kurse bis zum Abschluss zu finanzieren sowie auf einer steigenden Teilnehmerzahl, die eine Fortfuehrung des Geschaefts ermoegliche.

Kenner des Instituts glauben allerdings, dass Pflanz sich mit diesem Verfahren seiner Altlasten entledigen moechte. Dazu gehoerten in erster Linie seine Schulungshaeuser im Osten der Republik, fuer die er jaehrlich um die drei Millionen Mark allein an Miete berappen muesse.

Als weitere Belastung sehen der Betriebsratsvorsitzende und Unternehmenskenner die Computer Data Lizenz (CDL), bei der Pflanz als Gesellschafter fungiert. Diese Firma kauft, so ein ehemaliger Institutsleiter, "zum Spottpreis" die bei CDI entwickelten Handbuecher und vermietet sie wieder an CDI. Dabei seien an CDL Lizenzgebuehren in Millionenhoehe geflossen. Weitere Millionenbetraege habe CDI an CDL auch in Form von Lizenzgebuehren fuer jeden stattfindenen Kurs gezahlt, es seien dies sechs Prozent pro Seminar.

CDI hatte nach der Wende zunaechst richtig erkannt, dass sich mit Schulung im Osten eine ganze Menge Geld verdienen laesst. Sehr schnell richtete Pflanz in allen grossen Staedten Trainingsinstitute ein, und mit Hilfe staatlicher Gelder praktizierte er Umschulung im grossen Stil.

Der Umsatz seines Unternehmens hatte sich von 1990 bis 1991 fast verdoppelt und stieg auf etwa 140 Millionen Mark. Auch die Teilnehmerzahlen schnellten nach oben, von etwa 3500 auf ueber 8000. So besuchten in Dresden rund 1000 Umschueler CDI-Kurse, und selbst in Chemnitz waren es noch 500, Zahlen, von denen die CDI- Institutsleiter im Westen nur traeumen konnten. Sie rechneten im Durchschnitt mit etwa 200 bis 300 Teilnehmern pro Jahr - ausgenommen die Zentrale in Muenchen. Dementsprechend grosszuegig wurden die Kapazitaeten ausgelegt. In Cottbus, einer Stadt mit 50 000 Einwohnern, gab es nach Auskunft eines Ex-Institutsleiters 19 Unterrichtsraeume, im Westen dagegen waren es selbst in den groessten Metropolen nicht mehr als zehn.

Pflanz hatte Grosses vor: Auf einer Institutsleitertagung im Boomjahr 1991 peilte er nach Auskunft eines Teilnehmers fuer das Jahr 2000 einen Umsatz von einer Milliarde Mark an.

Aber bereits ein Jahr spaeter gingen die Einnahmen auf 91 Millionen Mark zurueck, letztes Jahr dann auf 50 Millionen. "Er hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt", so der Vorwurf eines Ex-Managers. Pflanz habe weiter auf Expansion gesetzt, obwohl die Signale der Bundesanstalt fuer Arbeit, die Mittel fuer Schulungen zu kuerzen, sehr eindeutig waren.

Mit der Expansion Anfang der 90er Jahre ging ein starker Qualitaetsverlust einher, wie sowohl Dozenten als auch Ex- Institutsleiter bestaetigen. Die Zahl der Seminarbesucher pro Kurs stieg kontinuierlich. Sieht das Arbeitsfoerderungsgesetz (AFG) eine durchschnittliche Teilnehmerzahl von 32 vor, sassen bei CDI im Durchschnitt nach Aussagen eines Trainers 35 bis 37 Umschueler in einer Klasse. Der Rekord wurde nach Auskunft des Dozenten in diesem Fruehjahr erreicht, als an einem Netzwerkkurs rund 50 Lernwillige teilnahmen.

Nicht nur die hohe Teilnehmerzahl pro Kurs, sondern auch die Heterogenitaet der Gruppe habe den Unterricht erschwert. Hatte man frueher Klassen von Geisteswissenschaftlern und Lehrern, reiche heute die Bandbreite der Qualifikation "vom Fliesenleger bis zum Arzt", so ein Trainer.

Auch der Unterricht liess zu wuenschen uebrig, wie der Brief einer Klasse an die Geschaeftsleitung aus dem letzten Jahr dokumentiert. Die Schueler beklagen sich darin ueber Inhalte, die "nicht nur ueberholt sind, sondern die auch in fehlerhaften und schlampig zusammengestellten Skripten dargeboten werden (und die insofern zu den meisten CDI-Skripten gut passen)".

Dass es mit der Umstellung auf das neueste DV-Know-how nicht immer klappte, zeigt auch das Rundschreiben eines CDI-Managers vom 27. Januar 1992. Darin wird den Kollegen, die bereits Lotus fuer Windows installiert hatten, zugesichert, dass die entsprechenden "Trainingsteile... von uns bis 1. 4. 1993 ueberarbeitet" werden.

Die Dozenten kommen im Beschwerdebrief der Schueler nicht besser weg: "Nicht von allen Lehrern am CDI laesst sich sagen, dass sie etwas von ihrer Sache verstehen." Der Qualitaetsverlust hing nach Meinung von Insidern damit zusammen, dass die Geschaeftsfuehrung die Honorare staendig kuerzte und damit einige ihrer besten Lehrkraefte vergraulte. Erinnert sich ein Ex-Dozent: Anfang der 80er habe er im Durchschnitt 1000 Mark pro Tag erhalten, ein paar Jahre spaeter naeherte sich sein Tagessatz bereits der 500-Mark-Grenze. Heute kennt er Kollegen, die im Bereich Textverarbeitung bereits fuer weniger als 300 Mark unterrichten.

Resigniert stellen die engagierten Studiosi in ihrem Schreiben fest, dass "wir uns des Eindrucks nicht erwehren koennen, dass unsere zahlreich und wiederholt (...) ausformulierten Beschwerden absolut folgenlos geblieben sind".

Auch in anderen Bereichen weist die Pflanz'sche Personalpolitik Besonderheiten auf. Zwar erklaerte der Geschaeftsfuehrer gegenueber der Presse, dass die Gehaelter und Honorare in Zukunft gezahlt werden, vergass allerdings zu erwaehnen, dass die Freiberufler ihre Honorare fuer Maerz und April nicht erhalten hatten, wie ein selbstaendiger Trainer bestaetigte. Bei einigen DV-Lehrern gehe es um Betraege bis zu 20 000 Mark.

"Die Wut und die Enttaeuschung sind gross", resuemiert der DV-Lehrer. Allerdings habe Pflanz in einer Sitzung allen Trainern, die dem Unternehmen weiterhin die Stange hielten, zum Herbst eine Honorarerhoehung versprochen.

Waehrend Pflanz die Dozenten noch zum Unterrichten braucht, hat er im vergangenen Jahr nach Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern viele Institutsleiter und Qualifizierungsberater entlassen. Insgesamt wurde die Beschaeftigtenzahl fast um die Haelfte auf jetzt 160 reduziert. Dabei scheint er in der Wahl der Mittel nicht gerade zimperlich gewesen zu sein, wie gefeuerte Institutsleiter zu berichten wissen. Als Begruendung fuer eine fristlose Kuendigung nannte er zum Beispiel "Aufwiegelung der Belegschaft", weil der Institutsleiter einem Beschaeftigten in einem Streit mit CDI empfohlen hatte, einen Rechtsanwalt zu konsultieren.

In einem anderen Fall habe sich die Geschaeftsfuehrung Notizen eines Institutsleiters beschafft, die nach dessen Aussagen vertraulich waren. Diese soll der Betroffene, so der Vorwurf, an die Bundesanstalt fuer Arbeit geschickt haben. Daraufhin wurde er fristlos entlassen.

Auch der Betriebsrat hat es bei CDI nicht immer leicht. So hatte sich dieser bereits 1991 in einem Schreiben an die Mitarbeiter unter der Ueberschrift "Das Mass ist voll" ueber unfaires Verhalten der Geschaeftsfuehrung beklagt. Darin heisst es unter anderem: "Die Arbeitgeberseite behindert nahezu jede Gesamtbetriebsratsitzung...", "auch direkte Benachteiligung bei Gehaltsrunden wird versucht". Insider berichten sogar, der CDI- Betriebsrat habe eine Betriebsversammlung per einstweiliger Verfuegung erwirken muessen, weil Pflanz den potentiellen Teilnehmern mit fristloser Kuendigung gedroht habe.