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27.04.2001 - 

Consors und Konsorten brauchen dringend Neukunden

Schwere Zeiten für Onlinebroker

Mit dem jähen Ende des Börsenbooms und den dadurch zurückgehenden Provisionseinnahmen taucht die Frage auf, wie Onlinebroker in Deutschland überleben wollen.

Die dramatischen Kurseinbrüche bei Technologieaktien in den letzten Monaten wirken sich auf die noch recht junge Branche der Onlinebroker in mehrfacher Hinsicht aus. Diese Firmen wurden zumeist Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre gegründet und zunächst von den etablierten Banken belächelt und ignoriert. Bedingt durch den Börsenboom der vergangen Jahre und die rasche Verbreitung des Internets konnten sie jedoch schnell expandieren. Fast alle schafften den Sprung aufs Börsenparkett, konnten zahlreiche neue Kunden gewinnen und mit den Emissionserlösen eine oftmals überhastete Expansionsstrategie beginnen.

Mittelfristig dürfte sich Onlinebanking allein schon aus Kostengründen etablieren. Ein weiterer Vorteil ist die örtliche Unabhängigkeit und der Rund-um-die-Uhr-Service. Klar ist aber auch, dass die Onlinebroker in Zukunft mehr bieten müssen, als den kostengünstigen Aktienhandel, um möglichst viele "echte" Kunden zu gewinnen und nicht nur solche, die ein Depot zur Zeichnung von Neuemissionen unterhalten. In den USA beispielsweise errichten Onlinebroker bereits Shops in Kaufhäusern, bieten Onlinekredite an, vermitteln Versicherungen oder verfügen über eigene Geldautomatennetze. Diese Trends erreichten zwar mittlerweile auch Deutschland, aber gerade bei Servicefragen liegt bei den hiesigen Internet-Brokern oftmals noch vieles im Argen.

Großbanken holen aufTrotz der derzeitigen Börsenturbulenzen werden die Kunden langfristig nicht an der Aktienanlage vorbeikommen, da die Rente als alleinige Altersvorsorge nicht mehr ausreichen dürfte. Die Zusatzversicherung wird allerdings eher über konservative Fondssparpläne erfolgen und nicht über das Spekulieren mit riskanten Einzelwerten. Bisher verdienten die Onlinebroker am meisten Geld aber mit den häufigen Umschichtungen der "Day-Trader".

Neben dem aktuell schwierigen Börsenumfeld springen nun auch noch die Großbanken auf den Internet-Zug auf. So startete die Deutsche Bank mit Max Blue (ehemals Brokerage 24) ein eigenes Investmentcenter, die schwedische SEB schickt SEBdirect ins Rennen und die oftmals unterschätzten Sparkassen kauften den Onlinebroker Pulsiv.com, der nun rasch zum Onlinebankingservice der Sparkassen ausgebaut werden soll. Vorteil dieser neuer Wettbewerber ist, dass sie durch die Mütter beträchtliches Kapital zur Verfügung gestellt bekommen.

Die drei großen deutschen Onlinebroker Consors (Tochter der Schmidt-Bank), Comdirect (Commerzbank) und die Direkt Anlage Bank (Hypo-Vereinsbank) haben mittlerweile zwar eine kritische Größe erreicht, sind jedoch im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz noch Leichtgewichte. Dies entfacht immer wieder Gerüchte über bevorstehende Übernahmen und Fusionen, die nicht abwegig erscheinen. Gerade Consors hat mit der Schmidt-Bank keine so starke Mutter wie die beiden Wettbewerber und könnte deshalb Unterschlupf bei der Allianz, AXA oder HSBC finden, sobald die Schmidt-Bank 2002 steuerfrei verkaufen kann.

Übernahmegerüchte werden lautDie Direkt Anlage Bank genießt einen guten Ruf. Besonders das Angebot an diversen Fonds mit reduzierten Ausgabeaufschlägen, die hohe Innovationskraft in puncto IT-Systeme sowie der Produktvielfalt ist hier besonders hervorzuheben. Beim Marktführer Comdirect kursieren ebenfalls Übernahmegerüchte. Unter anderem heisst es, dass die Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft nicht ganz reibungslos laufe. Diese baut derzeit mit ComPort ein eigenes Konkurrenzprodukt auf.

Hervorzuheben sind auch die beiden US-Giganten Charles Schwab und E-Trade Group. Beide dürften hierzulande nicht sonderlich bekannt sein, da sie sich noch auf Nordamerika und den vielversprechenden asiatischen Markt konzentrieren. Mit 4,3 und 3,7 Millionen Kunden sind diese Schwergewichte vielleicht noch interessantere Übernahmeziele als ihre deutschen Wettbewerber, die gerade mal 500000 Kunden betreuen.

Kurzfristig nicht empfehlenswertLangfristig ist der Markt der Online-Finanzdienstleister für Investoren interessant. Viele dieser Internet-Firmen haben bereits bewiesen, dass sie im Stande sind, schwarze Zahlen zu schreiben. Ein weiterer Pluspunkt ist die berechtigte Übernahmephantasie, denn der finanzielle Aufwand zum Aufbau vergleichbarer Unternehmen ist heute höher anzusetzen als der Börsenwert. Allerdings sprechen die derzeit schlechte Börsenlage und die hohen Marketingkosten zur Neukundengewinnung gegen ein Engagement in diese Titel.