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27.03.1975

Schwierigkeiten in der Datenfernübertragung:Anwender warten auf genügend Modems

LUDWIGSHAFEN - Den Schock über die ursprünglich angekündigten, aber dann doch nicht in der geplanten Höhe neu festgesetzten Datenfernübertragungs (DFÜ)-Gebühren der Bundespost hätten EDV-Anwender und Hardware-Hersteller inzwischen überwunden. Geblieben sei eine gewisse Sorge um die noch anstehenden technischen und organisatorischen Schwierigkeiten bei der Datenfernübertragung.

So schildert Wolfgang Hesse (37), Leiter der Hauptgruppe Systemsoftware und Technik bei der Ludwigshafener BASF, den gegenwärtigen Diskussionsstand innerhalb der Arbeitsgruppe Hauptanschluß für Direktruf (HDF) beim Fernmeldeteschnischen Zentralamt Darmstadt (FTZ). Neben Hesse sind in diesem Gremium vertreten: EDV-Anwender (hauptsächlich Banken, Sparkassen und Großunternehmen wie die Lufthansa) und Hersteller (IBM, Univac, Siemens, SEL und Triumph Adler) sowie Vertreter der Bundespost und des Bundesministeriums für das Post- und Fernmeldewesen. Zielsetzung sei die rechtzeitige Informationsvermittlung seitens der Bundespost hinsichtlich ihrer Projekte auf dem Gebiet der Netzplanung und der Vermittlungstechnik.

Kopfzerbrechen beim Anwender

Für die gegenwärtige Problematik seien mehrere Gründe maßgeblich, die besonders den Anwendern Kopfzerbrechen bereiteten.

Hesse: "Die Bundespost verlangt vom Anwender erhebliche Unterstützung in der Fehlereingrenzung." Dazu sei aber ein Teil der Anwender nicht in der Lage, weil das spezielle Know-how fehle, zum anderen seien beim Benutzer die technischen Einrichtungen dafür nicht vorhanden. Außerdem übernehme die Bundespost keine Qualitätsgarantie für das Leitungsnetz.

"Ich bin", so Hesse, "selbst Techniker und weiß, daß sich Fehler selbstverständlich nie ganz ausschließen lassen werden." Er wisse aber auch, daß beim Anwender bei kurzen Unterbrechungen "alles Kopf stehe".

Hoffen auf EDS

Schwierigkeiten gebe es auch, weil die Bundespost den Benutzern ihres Leitungsnetzes noch nicht genügend Modems zur Verfügung stellen könne. Hesse bestätigt, deswegen habe es Proteste gehagelt. Man sei seitens der Anwender der Meinung: so könne es, auf lange Sicht gesehen, nicht weitergehen. Einen Silberstreifen am Horizont sehen Hesse, und mit ihm viele DFÜ-Anwender, in der geplanten Einführung des EDS-Systems (Elektronisches Datenübertragungs-System). Ein genauer Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest. "Wir rechnen", schätzt Hesse vorsichtig, "damit ab 1977".

Hesse betont mit Nachdruck, daß es ihm bei seinen Ausführungen keineswegs um eine Polemikmache gegen die Bundespost gehe, sondern vielmehr um eine sachliche Skizzierung des gegenwärtigen Zustandes: "Im Vordergrund steht die Erarbeitung praktikabler Ergebnisse innerhalb der Arbeitsgruppe."

Systemvielfalt in den USA

In Anspielung auf die in der Öffentlichkeit oft kritisierte Monopolstellung der Bundespost meint Hesse zum Thema DFÜ abwägend: "Der Zwang zu einem einheitlichen System und damit zu genormten Schnittstellen beziehungsweise zu genormten Anschlußbedingungen ist insbesondere für kleinere Anwender ein nicht zu unterschätzender Vorteil. In den USA dagegen bringe die von Privatunternehmen getragene Vielfalt von Netzsystemen dem Anwender auch nicht nur >ungetrübte Freude<. Einerseits könnten sich potente Anwender eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Datenfernübertragung >maßschneidern< lassen, andererseits dürfe man aber die sich aus dieser System-Uneinheitlichkeit ergebenden Nachteile nicht übersehen".