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02.06.2000 - 

Der Computer im Trecker

Science Fiction auf dem Acker: Ernten mit Signalen aus dem All

MÜNCHEN (uo) - Die Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau in Weihenstephan setzt für ihre Pflanzenbauversuche das Navigationssystem "Agro Nav" der Geo Tec Electronics GmbH, Hallbergmoos, ein. Standortkoordinaten und Angaben über die Parzellen kommen vom Satelliten. Die Informationen führen den Traktor und helfen, Saatgut und Düngemittel zu portionieren.

Gespenstisch wirkt es schon, wenn der Traktor in Frankendorf nahe Weihenstephan fahrerlos die Saat ausbringt. Doch es spukt nicht um Mitternacht, sondern am helllichten Tag; der Geist im Führerhaus ist ein Navigationssystem. Dieses greift auf die elektrohydraulische Lenkung und die elektrisch bedienbare Bremse sowie auf die digitale Steuerung des Getriebes und des Motors zu. Seinen Weg findet der Bulldog dank GPS-Daten (GPS = Global Positioning System), die im Takt von 100 Millisekunden aktualisiert werden.

Verantwortlich für den Einsatz ist Eckhard Zeltner; er leitet die Versuchsbetriebe der Landesanstalt und gehört zu den Erstanwendern von Argo Nav. Er lobt die Genauigkeit, mit der sich dank der Satellitensteuerung die Versuchsparzellen bearbeiten lassen. Zeltner setzt einen Geräteträger der Firma Hege ein, der eine Arbeitsbreite von 1,50 Metern hat. Das Navigationssystem dirigiert die Maschine auf zwei Zentimeter genau.

Diese Genauigkeit verhindert zum Beispiel Überlappungen beim Düngen. Laut Zeltner überschneiden sich die Arbeitswege mit großen Arbeitsbreiten zum Beispiel beim Spritzen bis zu 15 Prozent. Doppelbearbeitung zu vermeiden lohne sich ökonomisch und ökologisch. Der geringere Bedarf an Saatgut und Düngemitteln spare zwischen 50 und 60 Mark pro Hektar, Auswaschungen und Überlastung des Bodens ließen sich verhindern. Zugleich wird die Bearbeitung der Parzellen exakt dokumentiert: Der Computer an Bord kann etwa die Erträge und den Feuchtigkeitsgrad des Getreides bereits bei der Ernte registrieren und die Daten speichern. So lässt sich etwa die Wirkung von verschiedenen Düngemitteln auf den Ertrag mit den Ergebnissen aus den Vorjahren vergleichen.

Nach Angaben des Herstellers muss ein Bauer für ein durchschnittliches Feld etwa zwei Stunden am heimischen PC aufwenden, bis die relevanten Daten, zum Beispiel auch Sperrflächen für etwaige Hindernisse, in das System eingetragen sind. Das Geo-Tec-Produkt basiert auf der CAD-Software "Autocad" von der Autodesk GmbH (CAD = Computer Aided Design). Bei der Bearbeitung des Ackers ist der Landwirt jedoch vom Fahren entlastet und kann sich um andere Aufgaben kümmern, etwa die Düngemittelzufuhr.

Die Navigationssoftware, in C programmiert, läuft unter Windows NT auf einem Pentium-MMX-PC, der mit 266 Megahertz getaktet ist. Es stehen zwei CAN-Schnittstellen zum Bussystem des Fahrzeugs zur Verfügung - eine für die Steuerung des Fahrzeugs und eine für die Führung der Anbaugeräte. Die GPS-Software der Marke "Ashtech" stammt von der kalifornischen Magellan Corp. Dazu kommen Sensoren wie ein faseroptisches Kreiselsystem und Radar-Geschwindigkeitsgeber. Bis jetzt funktioniert das Geo-Tec-System nur in Verbindung mit der digitalen Steuerung von Deutz-Fahr-Traktoren und des Hege-Gerätetreibers. Argo Nav kostet rund 60000 Mark, ein digital steuerbarer Traktor um die 200000 Mark.