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31.08.2001 - 

Supply-Chain-Management/Die Voraussetzungen für Supply-Chain-Management fehlen häufig

SCM: Stiefkind in deutschen Unternehmen

Supply-Chain-Management-Lösungen stehen in Deutschland erst am Anfang ihrer Blütezeit. Nur ein gutes Fünftel der deutschen Firmen setzen zurzeit auf SCM-Systeme, um sich fit für den Markt zu machen. Von Frank Naujoks*

Der Kunde gibt die Bestellung auf - im Idealfall direkt online -, das System stellt in Echtzeit fest, ob die Ware am Lager ist, und löst gegebenenfalls einen Bestellprozess aus, der direkt bis zum Lieferanten und, falls erforderlich, dessen Lieferanten durchgereicht wird. Der wiederum hat seinen Auftrag im System und kann mit dem Fertigungsprozess beginnen. So weit ein theoretischer Beispielfall einer funktionierenden Supply Chain, die unternehmensübergreifend funktioniert: keine Medienbrüche, direkte Abfrage des Bestandes, und die notwendigen Schritte werden automatisch eingeleitet, so dass der Kunde zum versprochenen Liefertermin seine Ware erhält.

Nach einer von der Meta Group erarbeiteten Untersuchung sieht die Praxis anders aus: Nicht einmal jedes dritte Unternehmen in Deutschland setzt zurzeit eine Supply-Chain-Management-Lösung ein. Nur 200 der insgesamt 916 im Rahmen der Studie "Supply Chain Management & Collaboration" von der Meta Group befragten Unternehmen haben eine SCM-Lösung im Einsatz, weitere hundert planen den Einsatz, die Mehrheit dieser künftigen Nutzer aber erst für 2002 und später.

Ein junger MarktDer Markt für Supply-Chain-Management ist in Deutschland noch sehr jung. Im vergangenen Jahr bezogen sich die geschätzten Umsätze auf 420 Millionen Euro, davon entfielen 80 Millionen auf Hardware (19 Prozent), 100 Millionen auf Software (24 Prozent) und 240 Millionen auf den Servicebereich (57 Prozent). Die Meta Group rechnet für die Jahre 2000 bis 2004 mit einem CAGR (Compound Annual Growth Rate = jährliche Wachstumsrate) von 48 Prozent, so dass der Gesamtmarkt im Jahr 2004 mehr als zwei Milliarden Euro ausmachen wird.

Über die Jahre ändern sich die Anteile von Hardware, Software oder Services am Gesamtmarkt nur geringfügig. Der Hardwareanteil schwankt zwischen 16 und 19 Prozent, auf die Softwareumsätze entfällt rund ein Viertel des Gesamtmarktes, und die Services verbuchen knapp 60 Prozent.

Marktführer im Jahr 2000 in Deutschland war nach Schätzung der Meta Group unangefochten SAP mit einem Marktanteil im Softwarebereich von knapp 30 Prozent. Auf dem zweiten Platz lag i2 mit geschätzten zwölf Prozent, Manugistics konnte rund fünf Prozent verbuchen.

ProzessoptimierungFast zwei Drittel der Unternehmen, die eine SCM-Lösung einsetzen, wollen sowohl interne als auch unternehmensexterne Prozesse optimieren. Die Mehrheit der SCM-Lösungen einsetzenden Firmen ist sich des Potenzials bewusst, das hinter der Einführung einer SCM-Lösung steckt. Denn zusätzlich zu den optimierten internen Prozessen verbergen sich in der Zusammenarbeit mit Zulieferern und Kunden Verbesserungsmöglichkeiten, welche die internen Einsparungen bei weitem übertreffen können.

Dennoch scheint die Mehrheit der deutschen Unternehmen auf diese Einsparpotenziale zur- zeit noch verzichten zu können. Als wesentlichen Ablehnungsgrund gegen den Einsatz von SCM-Software hat die Mehrzahl der Unternehmen denn auch den nicht erkennbaren Nutzen dieser Lösungen für ihr Unternehmen angegeben (60 Prozent der Nennungen). Vier von fünf Unternehmen gehen sogar so weit, dass sie schlicht den Bedarf an einer SCM-Lösung verneinen. Der Wettbewerbsdruck scheint noch nicht stark genug zu sein - oder die Geduld der Kunden ist immer noch zu groß.

Diese Ergebnisse können auf zwei Ursachen zurückgeführt werden: Es kann davon ausgegangen werden, dass die Mehrheit der Unternehmen die Chancen, die eine funktionierende Supply Chain bietet, noch nicht im erforderlichen Maße realisiert hat, was auf einen Mangel an überzeugenden Argumenten der SCM-Anbieter hindeutet. Der eigentliche Grund liegt aber in einem unzureichenden Prozess-Management der Firmen, das verhindert, dass die Chancen eines Supply-Chain-Managements erkannt und genutzt werden.

Weitere entscheidende Gründe für die Ablehnung des Einsatzes von SCM-Software sind für jedes vierte Unternehmen die für ihre Branche ungeeigneten Funktionen und Module, aber auch die noch nicht geschaffenen organisatorischen Voraussetzungen. In 44 Prozent der Fälle wurde als Ablehnungsgrund die höhere Priorität anderer Aufgaben im Unternehmen genannt. Jedes achte Unternehmen gibt an, nicht den passenden Realisierungspartner gefunden zu haben, der in der Lage ist, die Komplexität des Themas zu beherrschen. Jedes Zehnte hält die Software für noch nicht ausgereift.

Immerhin jeder fünfte Befragte führt die zu erwartenden hohen Projektkosten als Ablehnungsgrund an. Der durchschnittliche Kostenrahmen der durchgeführten SCM-Projekte lag bei 923000 Mark. Zwei Drittel der Unternehmen hielten sich bei den Kosten an die geplanten Vorgaben, jedes fünfte Unternehmen musste nachbessern, weil der Kostenrahmen um mehr als zehn Prozent überschritten wurde.

Durchschnittlich dauerte die Implementierung 16 Monate. Allerdings brauchte jedes vierte Unternehmen länger als zwei Jahre, um ein SCM-Projekt durchzuführen. Vier von fünf Unternehmen geben an, dass sie innerhalb ihrer Zeitplanung geblieben sind beziehungsweise den Plan sogar deutlich unterschreiten konnten. Jedes achte Unternehmen hat den Zeitplan um mehr als zehn Prozent überschritten, sechs Prozent sogar um mehr als 30 Prozent.

Die Unternehmen, die bereits eine SCM-Lösung einsetzen beziehungsweise ihren Einsatz planen, sind von der wachsenden Bedeutung des Themas überzeugt. Schätzten im Jahr 1999 die Befragten das Thema SCM & Collaboration nur zu 21 Prozent als höchst wichtig und zu 20 Prozent als sehr wichtig ein, stieg die Bedeutung ein Jahr später schon auf 24 beziehungsweise 37 Prozent. Für das Jahr 2002 gehen die Befragten davon aus, dass SCM & Collaboration für sie zu 41 Prozent höchst wichtig und zu 46 Prozent sehr wichtig sein wird.

Allerdings erwarten die Befragten, dass künftig auch die Lieferanten mehr profitieren, immerhin jeder Zweite soll aus den Collaboration-Aktivitäten Gewinn ziehen. Der interne Auslöser für den Einsatz einer SCM-Lösung ist in 92 Prozent der Fälle der Wunsch nach Prozessoptimierung, zu 83 Prozent Kostenreduzierung, und drei von vier Unternehmen rechnen mit einer Maximierung der Gewinne. Befragt nach den externen Auslösern, geben sieben von zehn Unternehmen Kundenwünsche an, 59 Prozent reagieren auf Wettbewerber und ein Drittel auf Lieferantenwünsche.

Collaboration - die nächste StufeDie unternehmensübergreifende Collaboration lässt sich in drei aufeinander aufbauende Phasen einteilen. Der erste Schritt ist die Transaktionsautomation, in der via EDI einzelne Datensätze, wie beispielsweise Rechnungen, dem Partner in elektronischer Form übermittelt werden. In der zweiten Phase nutzen die Unternehmen gemeinsam operative Daten, beispielsweise das Cash-Management, via Web-Zugriff. In der letzten Phase, der eigentlichen Collaboration, werden die Prozesse zwischen den Unternehmen via XML von allen beteiligten Unternehmen genutzt, und die Firmen stellen einen durchgängigen Informationsfluss über alle Stufen der Commerce Chain sicher, so dass die beteiligten Organisationen Teil eines einzigen, virtuellen Unternehmens werden. Zwar werden die einzelnen Aufgaben innerhalb der kollaborierenden Unternehmen weiterhin durch die jeweiligen Spezialisten erfüllt, doch das Ziel der Kooperation ist die Maximierung des Gesamtnutzens für den Endkunden und nicht eine Optimierung der einzelnen Firmeninteressen. Alle Teilnehmer haben Zugriff auf die Planungsdaten der anderen Stufen - so wird eine Transparenz über alle Vorgänge gewährleistet. Allerdings muss sichergestellt sein, dass vertrauliche Informationen eines Partners nicht an Wettbewerber weitergegeben werden, mit denen ein Unternehmen in einer anderen Collaboration-Beziehung steht.

Die Meta Group geht davon aus, dass künftig nicht mehr einzelne Unternehmen untereinander im Wettbewerb stehen, sondern Commerce Chains, die sich in unterschiedlichen Wettbewerbssituationen jeweils neu zusammensetzen.

Die Commerce Chain beherrschenDer nächste Schritt ist dann die Evolution von SCM in Richtung Commerce-Chain-Management (CCM). Die Meta Group erwartet für die kommenden Jahre eine zunehmende Fokussierung des Wettbewerbs auf die unternehmensübergreifenden Commerce Chains. Im Laufe der nächsten beiden Jahre wird sich die Commerce Chain Collaboration hin zu einer Web-fähigen Prozessintegration der wichtigen Geschäftspartner weiterentwickeln. Entscheidend sind nicht mehr die einzelnen Unternehmen; wettbewerbsrelevant ist nun die Effektivität der Commerce Chain mit allen beteiligten Partnern und Lieferanten. Die effektive und schnelle Interaktion mit Kunden, Partnern sowie Lieferanten und die damit einhergehende Öffnung des eigenen Unternehmens sowie seiner Systeme zur Integration in die Commerce Chain sind die Schlüsselfaktoren zu mehr Wettbewerbsfähigkeit.

An der Spitze der neuen "E-Ökonomie" werden diejenigen Unternehmen stehen, die das Commerce-Chain-Management (CCM, integrierte Supply und Service Chains) beherrschen. Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und Kundenzufriedenheit bei niedrigen Kosten - das ist die Basis für die dynamischen Märkte von morgen. Erfahrene Unternehmen wissen, dass hochwertige innovative Produkte allein nicht genug sind. Genauso wichtig sind die Geschwindigkeit und zuverlässige Lieferung beziehungsweise Bereitstellung der Produkte sowie ein konstant hohes Serviceniveau. Ein effektives CCM, das unternehmensübergreifend über die Grenzen der Firma hinaus integriert ist, schafft innovative und kreative Möglichkeiten, den Kunden eine höhere Wertschöpfung zu bieten und gleichzeitig äußerst effizient zu sein. Dies ist nur möglich durch "Coopetition" (Cooperation-Competition):

Partner und Konkurrent zugleichIn einer Wertschöpfungskette tritt ein Unternehmen als Partner auf, in einer anderen als Konkurrent. CCM wird in Zukunft als Coopetition zwischen verschiedenen Ketten definiert, das heißt, die Unternehmen sind in verschiedene Ketten eingebunden, und die Ketten stehen zu mehr als einem Unternehmen in Konkurrenz.

* Frank Naujoks ist Consultant in der Enterprise Application Practice der Meta Group in München.

Abb.1: Der Markt

Marktführer (2000) war SAP mit einem SW-Anteil von knapp 30 Prozent. Auf dem zweiten Platz lag i2 mit zwölf Prozent, Manugistics kam auf fünf Prozent. Quelle: Meta Group

Abb.2: Drei Phasen

Die unternehmensübergreifende Zusammen-arbeit entwickelt sich in drei Phasen. Quelle: Meta Group

Abb.3: SCM von 1999 bis 2002

Die Bedeutung von Supply Chain Management & Collaboration dürfte bis 2002 weiter erheblich in Richung "wichtig" und "sehr wichtig" wachsen. Quelle: Meta Group