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09.04.2004 - 

Von Auflagen ausgenommener Manager agiert in Deutschland

SCO droht Anwendern weiterhin

MÜNCHEN (ls) - SCO-Manager Gregory Blepp droht deutschen Linux-Anwendern Prozesse an, wenn sie nicht die geforderte "IP-Lizenz" unterzeichnen.

SCO hat sich einen Trick einfallen lassen, um der Auflage aus einstweiligen Verfügungen und Vergleichen zu entgehen, wonach Mitarbeiter der deutschen Tochtergesellschaft diverse Vorwürfe gegen Linux nicht äußern dürfen. Das macht jetzt der einstige Suse-Manager Blepp, der zwar in München ein Büro hat, aber als Vice President International bei SCOsource in Lindon, Utah, angestellt ist. Der will nun die öffentliche Meinung gerade rücken, denn die habe bisher "die Linux- und Open-Source-Community vorgegeben".

Offensiv konnte Blepp bei einem "Kamingespräch" mit wenigen Journalisten allerdings kaum auftreten. Zu mager sind die Ergebnisse, die SCO bisher mit seinen Klagen gegen IBM und andere Linux-orientierte Unternehmen sowie gegen Anwender des quelloffenen Betriebssystems erreicht hat. Weltweit haben laut Blepp gerade einmal "30 bis 40 Unternehmen" eine IP-Lizenz unterzeichnet. Dabei hat SCO in zwei Schreiben an jeweils über 1000 Firmen gefordert, diese Lizenz zu erwerben, die pro Prozessor in den Linux-Servern 699 Dollar kostet. Dann seien sie vor Klagen sicher.

Es hat auch nicht gewirkt, dass SCO inzwischen die Linux-Anwender Autozone und Daimler-Chrysler verklagt hat. Blepp musste eingestehen: "Die IP-Lizenzumsätze in Deutschland sind null." Keine einzige deutsche Firma habe sich auf die SCO-Forderung eingelassen. Auch das Unix-Geschäft "leidet" hierzulande. In Skandinavien habe er zu hören bekommen: "Dann verklagt uns halt!"

Blepp müsste nach europäischem Recht, im Unterschied zum US-amerikanischen, sofort beweisen, dass SCO-eigener Unix-Code in Linux eingeflossen ist. "Ich habe die Beweise seit fünf Monaten hier", erklärt Blepp. Nur könne er sie nicht auf den Tisch legen, weil das US-Gericht im Verfahren gegen IBM verboten habe, "Dinge zu veröffentlichen, die den Prozess beeinflussen könnten". Diese Darstellung ist neu.

Angesichts der bisherigen Erfolglosigkeit meint Blepp: "Wir behalten uns weitere Klagen vor." Und: "Der Bedarf für zusätzliche Aktivitäten hängt davon ab, wie wir in den Gesprächen mit Anwendern weiterkommen." Hierzulande aber habe SCO "niemanden im Visier, weil es die rechtliche Situation in Deutschland nicht erlaubt". In derzeitigen Gesprächen mit Unternehmen "wird auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen", nämlich auf den, an dem die Berechtigung von SCOs Beschuldigungen richterlich festgestellt sei. Dann werde man IP-Lizenzen verlangen und gegebenenfalls klagen.

Doch offenbar spüren viele Anwender keine Lust, sich mit Blepp überhaupt zu unterhalten. Dass ihn insbesondere die Behörden glatt ignorieren, lässt er anklingen: "Ich bin interessiert daran, auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene Kontakt aufzunehmen. Wenn ich die Chance bekäme, würde ich morgen im Flieger nach Berlin sitzen." Solange der Ruf ausbleibt, probiert es der SCO-Manager mit Drohungen: "Wenn sich Politiker zugunsten von Open Source erklären, ohne die Konsequenzen zu überdenken, halte ich das für gefährlich." Und zum Fall der Linux-orientierten Großstadt München: "Sobald die rechtlichen Möglichkeiten bestehen, werden wir sie ausschöpfen." (ls)