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25.07.2003 - 

Rechtliche Grundlage gilt als schwach

SCO fordert Linux-Steuer von Anwendern

MÜNCHEN (CW) - SCO bittet Linux-Anwender zur Kasse. Sie sollen Lizenzgebühren zahlen, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, wegen unberechtigter Nutzung urheberrechtlich geschützten Unix-Codes verklagt zu werden.

Obwohl SCO die Behauptung der Copyright-Verletzung bisher nicht belegt hat, verlangt das Unternehmen nun von Linux-Benutzern Lizenzgebühren. Hintergrund des Vorgangs ist eine Drei-Milliarden-Dollar-Klage, die SCO gegen IBM führt. Der Vorwurf: Big Blue habe Unix-Lizenzverträge verletzt und Geschäftsgeheimnisse weitergegeben, indem das Unternehmen Unix-Code auf Linux übertragen habe. SCO hat in der letzten Woche beim US Patent and Trademark Office seine Rechte an Unix und Unixware registrieren lassen. Damit ist die Bedingung erfüllt, dass dem Unternehmen deren Techniken gehören.

Kollekte bei Konzernen

"Ab heute läuft das Spiel anders", drohte SCO-Chef Darl McBride. "Wir eröffnen eine neue Front." Sein Unternehmen werde Lizenzgebühren von allen Anwendern verlangen, die Linux mit dem Kernel ab Version 2.4 verwenden. Darin seien Multiprozessor-Techniken implementiert, die SCOs Urheberrechte verletzten. Das Unternehmen will zunächst einmal jene 1500 weltgrößten Konzerne an den Verhandlungstisch zwingen, die es schon in einem Schreiben vor den Konsequenzen ihrer Linux-Nutzung gewarnt hat.

Wie viel SCO verlangt, ist unklar. Ein formales Lizenzprogramm, das sich an die Runtime-Lizenz für Unixware 7.1.3 anlehnen und an der Zahl der Prozessoren orientieren soll, will das Unternehmen Mitte August präsentieren. McBride erklärte lediglich, der Preis von Unixware sei eine "Messlatte". Für diese Unix-Version verlangt SCO je nach Größe der Installation 700 bis mehrere tausend Dollar.

Die Einnahmen seines Unternehmens aus einer Linux-Lizenz könnten sich, so McBride, "ziemlich schnell auf ein paar Milliarden Dollar belaufen". Das war eine gute Nachricht für Börsenanleger. Der Kurs der SCO-Aktie stieg schlagartig um über elf Prozent auf einen neuen Höchststand von 13,32 Dollar. Das ist rund das 17-fache des Wertes, bei dem die Aktie lange gedümpelt hat. Diese Entwicklung nährt Spekulationen, dass SCO das Vorgehen gegen IBM und Linux-Anwender betreibt, um seinen institutionellen Anlegern, allen voran dem Hauptinvestor Canopy Group, ein attraktives Geschäft zu ermöglichen.

Entgegen der Hektik an den Börsen fielen die Reaktionen anderer Betroffener gelassener aus. "Nach unserer Ansicht braucht niemand eine Lizenz", sagte Red-Hat-Sprecherin Leigh Day. Bei dem SCO-Ansinnen handle es sich lediglich um ein "taktisches Manöver" in der Auseinandersetzung mit Big Blue. IBM-Sprecherin Trink Guarino erklärte, SCO habe immer noch nicht sagen können, welcher urheberrechtlich geschützter Unix-Code sich in Linux wiederfinde. "SCO scheint auf der Basis von Vorwürfen statt Fakten Geld zu fordern."

"Versicherungspolice" ablehnen!

IDC-Analyst Dan Kusnetzky wertet die SCO-Forderung als "Versuch, durch Angst, Unsicherheit und Zweifel die Einnahmen zu erhöhen". Doch die Mehrheit der Unternehmensanwender wird nach Einschätzung von Gordon Haff, Analyst von Illuminata Inc., auf die Lizenzforderung von SCO nicht eingehen. "SCO hofft, dass, selbst wenn 99 Prozent nur lachend abwinken, es genügend große Firmen geben wird, die den relativ kleinen Betrag zahlen werden, um auf der sicheren Seite zu sein."

Jonathan Eunice, ein anderer Illuminata-Analyst, empfiehlt Anwendern, die "Versicherungspolice" nicht abzuschließen. "Ich wüsste nicht, was einen Linux-Anwender veranlassen sollte, etwas anderes zu tun als letzte Woche." Die SCO-Vorwürfe gegen Linux ständen noch nicht einmal vor Gericht zur Verhandlung an. Anupam Chander, Rechtsprofessor an der University of California in Davis, deutet die Möglichkeit einer Sammelklage gegen SCO an. "Ich ermuntere die Leute, ihre Position zu verteidigen und nicht zu zahlen."

Mehrere Analysten halten die neue Forderung von SCO für ein Manöver, um über die Linux-Anwender Druck auf IBM auszuüben, der Milliardenforderung nachzugeben oder das Unternehmen zu kaufen. IBM hat bisher stoisch jedes Einlenken abgelehnt. Diskutiert wird auch, ob SCO möglicherweise eine Übernahme durch Red Hat anstrebt, dem daran gelegen sein könnte, dass endlich wieder Ruhe in den Linux-Markt kommt. Beim aktuellen Börsenwert von SCO in Höhe von 174 Millionen Dollar wäre das für den Distributor durchaus möglich. (ls)