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19.07.2005

SCO hat keine Beweise gegen Linux

Eigene Untersuchungen widersprechen der Raubkopie-Behauptung.

Der Website Groklaw liegt eine verräterische E-Mail über das Ergebnis einer SCO-Untersuchung von Linux vor. Darin schreibt der SCO-Ingenieur Michael Davidson am 13. August 2002: "Am Ende haben wir absolut nichts gefunden, beispielsweise keinen Beweis irgendwelcher Urheberrechtsverletzungen."

Davidson schrieb die E-Mail an Reg Broughton, damals Senior Vice President beim SCO-Vorgänger Caldera, der sie an den kurz zuvor zum CEO der Firma ernannten Darl McBride weiterleitete. Die Nachricht ist eines der Dokumente, die SCO in dem seit über zwei Jahren laufenden Gerichtsverfahren gegen IBM vorlegen musste. SCO hatte Big Blue 2003 verklagt, urheberrechtlich geschützten Unix-Code auf Linux und die eigenen Unix-Derivate übertragen zu haben.

Der Unix-Spezialist Davidson beschreibt, dass er erfolglos den Linux-Sourcecode untersucht habe: "Ein externer Berater wurde hinzugezogen, weil ich schon meine Meinung (?) geäußert hatte, dass es eine Zeitverschwendung wäre und wir nichts finden würden." Der SCO-Systemspezialist kennt den eigenen Sourcecode, wie er sagt, sehr genau, und er habe sich auch detailliert mit Linux und anderen Open-Source-Produkten beschäftigt.

Auch Berater findet nichts

Der hinzugezogene Berater war Bob Swartz, der laut Davidson den Linux-Kernel, seine Libraries und Utilities "vier bis sechs Monate lang" mit verschiedenen Versionen von Unix verglich. Davidson beklagt sich: "Das Projekt resultierte daraus, dass das leitende SCO-Management sich weigerte zu glauben, Linux und große Teile der GNU-Software könnten entstanden sein, ohne dass ?jemand? ?irgendwo? Teile des proprietären Unix-Sourcecodes kopiert habe, an dem SCO Urheberrechte besitzt. Es gab die Hoffnung, wir würden ein ?smoking gun? (Tatsachenbeweis; Anm. d. Red.) irgendwo in dem Code finden, den Red Hat und/oder andere Linux-Firmen verwenden. Das hätte uns einen Ansatzpunkt gegeben."

Berater Swartz benutzte Tools, um Übereinstimmungen zu finden. Das Ergebnis fiel so aus, wie es Davidson erwartet hatte: "Es gibt in der Tat eine Menge Code, den Unix und Linux gemeinsam haben (beispielsweise das gesamte X-Windows-System), aber ausnahmslos kam heraus, dass der gemeinsame Code etwas war, das sowohl wir (SCO) als auch die Linux-Community (rechtmäßig) von dritter Seite erhalten hatten."

Das könnte erklären, warum SCO ursprünglich erklärt hat, es gebe keine Probleme mit dem Linux-Kernel vor Version 2.4. Später hat SCO-Chef McBride allerdings behauptet, der Entwicklungsprozess von Linux könne Codepiraterie nicht verhindern. Deshalb enthielten alle Linux-Versionen Urheberrechtsverletzungen.

Davidson erwähnt in einem Nebensatz, dass schon zur Zeit der Nachforschungen von Berater Swartz bei SCO der Gedanke kursierte, Linux-Benutzer mit Hinweisen auf die angebliche Rechtslage unter Druck zu setzen: "Es gab zwischendurch die Idee, Lizenzen an Unternehmen, die Linux verwenden, zu verkaufen als eine Art Versicherungspolice für den Fall, dass sich herausstellen sollte, dass sie Code verwenden, der unsere Urheberrechte verletzt." Dies hat SCO später tatsächlich versucht und im März 2004 Daimler-Chrysler und den Autoteilehändler Autozone mit entsprechender Begründung verklagt - erfolglos. Fast alle Linux-Anwender wiesen das SCO-Verlangen zurück oder ignorierten es.

Konter mit alter E-Mail

SCO-Sprecher Blake Stowell bestätigte im Gespräch mit der US-Presse die Echtheit der E-Mail: "Diese E-Mail wirft wahrscheinlich eine Menge mehr Fragen auf, als sie beantwortet." Nach anfänglicher Verweigerung reagierte das Unternehmen doch mit einer Erklärung. Darin heißt es: "Davidsons E-Mail bezieht sich auf eine Untersuchung, die sich auf buchstäbliches Kopieren beschränkte. Darum geht es nicht allein bei Urheberrechtsverletzungen." Aus der Nachricht zu schließen, es gebe keine Probleme mit Linux, sei "ungenau und irreführend".

Zum Beleg präsentierte SCO eine noch ältere E-Mail von Berater Swartz. Am 4. Oktober 1999 schrieb er: "Wir fanden zwei Arten von Kopien: Zum einen waren einige Programmierzeilen identisch, Buchstabe für Buchstabe. Zum anderen gab es unterschiedlichen Code, aber seine Struktur war im Grunde ähnlich." Es sei also "klar", dass Linux-Programmierer "mit Unix-Sources begonnen und sie modifiziert haben". (ls)