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23.05.2003 - 

Microsoft erwirbt Unix-Lizenz

SCO-Klage brüskiert die Linux-Gemeinde

MÜNCHEN (CW) - SCO hat der Linux-Gemeinde den Kampf angesagt. Weil das Open-Source-System Original-Unix-Code enthalte, für den das Unternehmen die Rechte besitzt, müssten alle Linux-Verkäufe gestoppt werden. Zahlreiche Großanwender wurden in einem Schreiben vor dem Einsatz gewarnt.

Überraschenderweise hat sich ausgerechnet Microsoft als erstes Unternehmen öffentlich verpflichtet, SCOs Forderungen zu erfüllen. Microsoft wird von der SCO Group eine Lizenz zur Nutzung von Unix-Technik und -Quellcode erwerben.

Den Vorwurf, Microsoft torpediere mit dieser offenkundigen Unterstützung des SCO-Standpunktes die Linux-Bewegung, um sich im Windows-Markt Vorteile zu verschaffen, bestritt eine Microsoft-Sprecherin heftig. Man wolle lediglich die Interoperabilität von Windows und Unix sicherstellen, ohne irgendwelche Rechte zu verletzen.

SCO hatte einige Tage zuvor angekündigt, seine eigene Linux-Distribution nicht mehr auszuliefern. Auch werde das Unternehmen die Entwicklungsarbeiten im Rahmen der mit Suse, Conectiva und Turbolinux gegründeten United-Linux-Initiative zumindest vorübergehend einstellen.

Nach Darstellung von Vice President und General Manager Chris Sontag wurde patentrechtlich geschützter Unix-Quellcode in das quelloffene Linux übernommen.

Der Hersteller hate bereits Anfang März 2003 IBM auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz verklagt, da Big Blue im Rahmen der Weiterentwicklung von Linux Original-Unix-Code verwendet und an die Open-Source-Gemeinde weitergegeben haben soll.

Die Lage spitzte sich zu, nachdem SCO nun auch noch Anwender davor warnte, Linux für kommerzielle Zwecke zu nutzen. In diesem Fall könnten auch sie für Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden. Gleichzeitig wehrte sich Sontag gegen den Vorwurf, der Linux-Bewegung schaden zu wollen. Käufer der SCO-eigenen Distributionen und Heimanwender hätten nichts zu befürchten. Auch in schulischen und universitären Bereichen, die keine kommerziellen Zwecke verfolgen, dulde man die Nutzung des Betriebssystems.

In einem Statement gab sich der Vorreiter der Linux-Bewegung, Linus Torvalds, der auch die Eigentumsrechte an der Handelsmarke Linux hält, gespannt, welche Beweise für den angeblichen Codediebstahl SCO im Prozess gegen IBM vorlegen wird. Durch das Open-Source-Konzept sei es möglich, die Entwicklungsgeschichte jedes Moduls des Linux-Kernels genau nachzuvollziehen.

Folgt HP der Microsoft-Linie?

Nach Angaben von SCO hat neben Microsoft bereits ein weiterer Großkonzern zusätzliche Linux-Lizenzen erworben. Chief Executive Officer (CEO) Darl McBride wollte sich nicht zu Spekulationen äußern, wonach HP - nach IBM größter Linux-Unterstützer - der anonyme Lizenznehmer sein soll. HP veröffentlichte lediglich eine Stellungnahme, in der man mitteilte, das Unternehmen sei sich "keiner Verletzungen geistigen Eigentums mit Linux bewusst".

Sun Microsystems sieht der Angelegenheit nach den Worten seines CEO Scott McNealy ebenfalls gelassen entgegen. "Wir haben schon vor Jahren viel Geld bezahlt, um Rechte am geistigen Eigentum von Unix zu bekommen und das System in Solaris zu nutzen", sagte McNealy. "Wir besitzen eine Lizenz, und wer immer Solaris benutzt, wird keinen Mahnbrief von SCO bekommen."

Anders beurteilt Linux-Distributor Red Hat die Situation. Dessen Chairman Matthew Szulik zeigte sich in einem Schreiben ausgesprochen verärgert. Ohne SCO namentlich zu erwähnen, schrieb Szulik, Red Hat habe immer erwartet, dass irgendwann einmal jemand versuchen werde, per Gerichtsverfahren das geistige Eigentum an Linux zu beanspruchen. Red Hat werde sich massiv gegen SCO zur Wehr setzen.

Auf der sicheren Seite wähnt sich dagegen die Nürnberger Suse AG. Im Rahmen der United-Linux-Initiative "haben wir uns gegenseitig von Forderungen freigestellt", so Unternehmenssprecher Christian Egle. Für SCO hat sich das Vorgehen schon jetzt gelohnt. Der Aktienkurs stieg in wenigen Tagen um 70 Prozent. (jm)

Von wem stammt Unix?- AT&T hat in den 60er Jahren Unix entwickelt.

- Novell kaufte die Rechte an Unix im Jahr 1992.

- 1995 veräußerte der Netzanbieter die Rechte an SCO, das seinerzeit bereits eine Unix-Variante für Intel-Prozessoren im Angebot hatte.

- 2001 übernahm Caldera - Gründungsmitglied der United-Linux-Initiative für ein einheitliches Server-Linux - den größten Teil von SCOs Geschäft. Aus Caldera ging die heutige SCO Group hervor.