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14.03.2003 - 

Vorwurf der Urheberrechtsverletzung und des unlauteren Wettbewerbs

SCO verklagt IBM auf eine Milliarde Dollar

MÜNCHEN (CW) - SCO verlangt von IBM Schadensersatz in Höhe von mindestens einer Milliarde Dollar. Big Blue habe sich der Urheberrechtsverletzung und unlauteren Wettbewerbs schuldig gemacht. Beobachter vermuten, SCO möchte mit seiner Klage eine Übernahme durch IBM erreichen.

Die SCO Group, ehedem Caldera, behauptet in der Klageschrift, IBM verwende "Unix-Code, -Methoden, -Konzepte und -Know-how", um Linux so zu perfektionieren, dass es sich für Business-critical-Anwendungen eigne. Insbesondere, so SCO, "missbraucht IBM vertrauliche und proprietäre Informationen", die das Unternehmen im fehlgeschlagenen Gemeinschaftsprojekt "Monterey" zur Entwicklung eines Unix für Intels 64-Bit-Architektur erlangt habe. Die Klageschrift zitiert Absichtserklärungen von IBM-Managern, AIX-Technik im Quellcode allgemein verfügbar zu machen, was nach dem Unix-Lizenzvertrag nicht gestattet sei.

Big Blue beeinträchtige dadurch die Chancen von SCO, seine Chancen als Anbieter eines Unix für Intel-basierende Systeme wahrzunehmen. Laut SCO "zerstört IBM den ökonomischen Wert von Unix, insbesondere auf Intel-basierenden Prozessoren". Der Kläger setzt IBM eine Frist von 100 Tagen, dies zu unterlassen, andernfalls werde die Lizenz für AIX widerrufen.

SCO bezichtigt IBM der "fast vollständigen Entwertung und Zerstörung des Marktwerts von Open Server und Unixware". Im Klartext: SCO macht mit seinen Produkten kein Geschäft mehr und konzentriert sich jetzt auf Einnahmen aus Urheberrechten.

SCO-Chef Darl McBride konnte auf einer Telefonkonferenz keine materiellen Beweise dafür vorlegen, dass IBM wie behauptet Unix-Sourcecode an die Linux-Community weitergegeben habe. Er betonte mehrfach, das Gerichtsverfahren richte sich gegen IBM und sei kein Auftakt zu ähnlichen Klagen gegen andere Unix-Firmen oder Linux-Distributoren. Für Unruhe hat er aber gesorgt. Über den SCO-Schritt "sehr enttäuscht", zeigte sich Suse-Chef Richard Seibt: "Entsprechend bewerten wir zurzeit unsere Beziehungen zur SCO Group neu."

Debian-Projektleiter Bruce Perens glaubt wie viele andere Beobachter, die Aktion sei "das Vorspiel zu einer Akquisition". SCO möchte sich für eine Übernahme attraktiver machen oder könnte darauf spekulieren, quasi als Abwehrmaßnahme von IBM übernommen zu werden. Chris Sontag, SCO-Vice-President und General Manager der für Lizenzfragen zuständigen Abteilung SCO-Source, erklärte gegenüber dem Nachrichtendienst "Computerwire", man könne sich auch "eine andere Einigung" mit IBM denken. Auf die Rückfrage, ob dazu auch eine Übernahme zähle, räumte Sontag ein: "Sie können das so charakterisieren."

IBM-Pressesprecher Mike Fay wollte sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. Er erklärte zur Klageschrift lediglich, sie sei "voller Vorwürfe ohne begründende Fakten". Big Blue wird, so die Einschätzung verschiedener Marktbeobachter und Analysten, nicht klein beigeben, sondern eine gerichtliche Klärung anstreben. SCOs Rechtsbeistand ist kein geringerer als David Boies, der das US-Justizministerium in der Monopolklage gegen Microsoft vertreten hat.

Der Open-Source-Evangelist Eric Raymond verurteilte die Klage als "Stich ins Herz" der Linux-Community. Sie könne nicht in der ständigen Furcht leben, einer beliebigen "Gang verzweifelter Tolpatsche" verklagt zu werden. Beträchtliche Teile des Unix-Codes seien von freien Programmierern geschrieben worden. Deshalb sei das Ansinnen von SCO "ethisch falsch und rechtlich dubios". (ls)